01.11.2020 16:17 Uhr

James Bond und Erzschotte: Der große Sean Connery ist tot

Für seine Nachfolger war Sean Connery der beste James Bond. Aber er war auch der Vater von Indiana Jones, er war William von Baskerville. Und er war ein Charakterkopf, der für ein unabhängiges Schottland kämpfte - ohne dafür schlechtes Golfwetter in Kauf zu nehmen.

Andrew Gombert/epa/dpa

Daniel Craig würdigte ihn als „einen der ganz Großen des Kinos“, für Pierce Brosnan war er „der großartigste James Bond„. Sean Connery spielte den berühmten britischen Geheimagenten zwischen 1962 und 1983 sieben Mal.

Der Ur-Bond gilt vielen Fans – und auch seinen 007-Nachfolgern Craig und Brosnan – noch heute als der Beste. Nun ist Sean Connery im Alter von 90 Jahren gestorben, zuhause in Nassau im Kreis seiner Familie. Auf den Bahamas hatte der Schotte in den 60er Jahren den James-Bond-Film „Feuerball“ gedreht.

Als Connery unten im Gesicht schon wesentlich mehr Haare hatte als oben, wurde er noch zum „Sexiest Man of the Century“ gewählt, zum Mann mit dem größten Sex-Appeal des Jahrhunderts. Das war 1999, und er war damals schon fast 70. Connery war das beste Beispiel dafür, dass ein Hollywood-Star auch in Würde altern kann.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte sich Sir Sean – so durfte er sich seit dem Ritterschlag durch Königin Elizabeth II. nennen – aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine letzte Filmrolle hatte er 2003 in dem Film „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“. Nur gelegentlich sah man den Rentner danach noch auf Fotos und in Videos, die seine Enkelin Saskia Connery bei Instagram veröffentlichte. „Ein surrealer Abschied von meinem besten Freund, Mentor und lieben Großvater“, schrieb sie am Samstag zu einem Foto mit ihrem Opa.

Interviews gab der Charakterkopf mit dem eisgrauen Bart schon lange nicht mehr. Und wer gedacht hatte, dass er in seiner 2008 erschienenen Autobiografie süffisante Anekdoten preisgeben würde, sah sich getäuscht: „Mein Schottland, mein Leben“ war vor allem eine Hommage an seine Heimat.

Bevor Connery zur Schauspielerei kam, hatte er als Milchmann und Lkw-Fahrer gearbeitet. Er posierte am Edinburgh College of Art als Aktmodell für Kunststudenten und landete 1953 bei der Wahl zum Mr. Universum auf dem dritten Platz. Außerdem war er ein begabter Fußballer. Eine mögliche Profikarriere lehnte der junge Connery ab, weil er langfristig mehr Potenzial in der Schauspielerei sah.

Er selbst studierte nicht. Die vielen Hinweis auf die schottische Geschichte und Literatur in seinen Memoiren verraten aber deutlich den Stolz des Autodidakten, der sein Wissen selbst erworben hat. Als junger Mann fuhr er jeden Morgen mit dem Fahrrad in die Stadtbücherei, um dort englische Klassiker zu lesen.

Bond-Erfinder Ian Fleming war anfangs gar nicht angetan von dem ungeschliffenen jungen Mann, den die Filmemacher für die Titelrolle in „James Bond – 007 jagt Dr. No“ auserkoren hatten. Connery, als Sohn einer Putzfrau und eines Arbeiters 1930 in einem Vorort von Edinburgh geboren, war dem versnobten Fleming nicht mondän genug. „Ich suche Commander Bond und keinen zu groß geratenen Stuntman!“, soll Fleming gesagt haben. Doch der Autor ließ sich überzeugen – und gab Bond in seinen Romanen sogar schottische Wurzeln.

Seinen schottischen Akzent mit dem merkwürdig vernuschelten „sch“ an Stellen, wo man eigentlich ein „s“ erwartet hätte, legte Connery auch als englischer Spion nie ab. Die unverwechselbare Stimme fehlte natürlich in der deutschen Synchronfassung, doch dem Sprecher Gert Günther Hoffmann (1929-1997) gelang es durchaus, Connerys lässige Selbstbeherrschung rüberzubringen. Sie dürfte seinen Sex-Appeal wesentlich ausgemacht haben.

Da Connery nicht auf die Bond-Rolle festgelegt werden wollte, hörte er mit „Man lebt nur zweimal“ 1967 auf, nur um dann 1971 für „Diamantenfieber“ erneut zurückzukehren. Danach wollte er die Rolle eigentlich nie wieder spielen, drehte dann aber doch noch den ironisch betitelten „Sag Niemals Nie“, ein inoffizielles Remake seines eigenen Bond-Films „Feuerball“ (1965), das 1983 in Konkurrenz zu Roger Moores „Octopussy“ lief. Auch der 2017 verstorbene Sir Roger hatte zu Lebzeiten seinen Freund Connery als besten 007 bezeichnet.

„Er hat die Welt mit seiner kernigen und witzigen Darstellung des sexy charismatischen Geheimagenten verändert“, teilten die Bond-Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli mit, deren Vater Albert R. „Cubby“ Broccoli den Schotten einst engagiert hatte.

Der Ur-Bond blieb Connery immer. Aber nicht alles, was danach folgte, ist erinnerungswürdig. Im Science-Fiction-Flop „Zardoz“ von 1974 trug Connery nichts außer einem knallroten Suspensorium und schwarzen Stiefeln, dazu Biker-Bart und Pferdeschwarz. Es war wohl auch ein Versuch, sich vom Image des eleganten Agenten zu lösen.

Unvergessen bleibt er als Archäologie-besessener Vater von Indiana Jones – dessen Darsteller Harrison Ford nur zwölf Jahre jünger war als er – und natürlich als mittelalterlicher Sherlock Holmes in „Der Name der Rose“. Der Franziskanerpater William von Baskerville, der sich der Heiligen Inquisition entgegenstellt, ohne dabei auch nur einmal mehr als unbedingt nötig mit der Augenbraue zu zucken, war in Europa seine erfolgreichste Rolle nach Bond.

Eine der schönsten Szenen des Films ist, wie der junge Novize Adson von Melk (Christian Slater) nach seiner Verführung durch ein junges Mädchen zu seinem Meister William von Baskerville kommt und ihn fragt, ob er schon mal jemanden geliebt habe. „Natürlich“, erwidert der: „Aristoteles.“ Dies aus dem Munde des „Sexiest Man of the Century“ – das ist einfach von bestechendem Witz.

Connery wurde in den letzten 20 Jahren seiner Laufbahn oft als Lehrmeister und Mentor von Jüngeren gecastet, etwa in „Highlander“ mit Christopher Lambert und in „Die Unbestechlichen“ mit Kevin Costner. Für seine Nebenrolle in dem Polizeithriller aus dem Chicago von Al Capone erhielt er 1988 seinen einzigen Oscar. Einige große Rollen ließ er sich entgehen: So lehnte er den Part des Zauberers Gandalf in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung ab, weil sich ihm das Drehbuch nicht erschloss.

Die Erhebung in den Adelsstand durch die Queen ließ bis zum Jahr 2000 auf sich warten. Nach seiner festen Überzeugung hatte das damit zu tun, dass er – der Ihrer Majestät als Commander Bond so treue Dienste geleistet hatte – privat eifrig am Zerfall des Vereinigten Königreichs arbeitete: Connery war ein treuer Förderer der Scottish National Party und machte sich für ein unabhängiges Schottland stark.

Andererseits ging seine Vaterlandsliebe nicht so weit, dass er dafür schlechtes Golfwetter in Kauf genommen hätte. Den größten Teil des Jahres verbrachte der Erz-Schotte unter südlicher Sonne, weshalb ihn politische Gegner als „Abgeordneten von den Bahamas“ verspotteten. In Anspielung auf Connerys lebenslange Leidenschaft sagte Daniel Craig nun: „Wo immer er ist, ich hoffe, es gibt dort einen Golfplatz.“

Connery war seit 1975 mit der ein Jahr älteren französischen Malerin Micheline Roquebrune verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit der australischen Schauspielerin Diane Cilento (1933-2011) entstammt sein Sohn Jason, der Regisseur ist. Schlagzeilen in der Klatschpresse hat er selten gemacht. Seine Autobiografie schließt mit dem kurzen Satz: „Ich habe viele gute Zeiten erlebt.“

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