Montag, 14. Oktober 2019 20:09 Uhr

Jetzt im Kino: Wie erkläre ich meinem Kind den Mauerfall vor 30 Jahren?

Weltkino Filmverleih GmbH

Wie erklärt man Jüngeren den Mauerfall vor 30 Jahren? Wie können damals noch nicht Geborene verstehen, was Deutschland im Herbst 1989 bewegte? Kinder versuchen das Kindern zu erklären – in einem Animationsfilm, in dem ein kleiner Terrier eine große Rolle spielt.

Hund Sputnik darf nicht mit nach Ungarn. Er bleibt bei Fritzi in Leipzig, während die beste Freundin Sophie mit ihrer Mutter im Trabi nach Ungarn fährt. Dass die beiden nicht zurückkommen werden, ahnt die zwölfjährige Fritzi zunächst nicht.

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Aus der Perspektive von Kindern

Es ist der Sommer 1989. Tausende Ostdeutsche sind auf der Flucht aus der DDR (dem ersten deutschen Arbeiter- und Mauernstaat) und wollen in den Westen. Für heutige Schüler ist das weit entfernt. Nun versucht der Animationsfilm „Fritzi – eine Wendewundergeschichte“, Kindern den Mauerfall vor 30 Jahren zu erklären – aus Sicht von Kindern. Nach Angaben des Verleihs Weltkino ist es der erste Film, der die friedliche Revolution vom Herbst 1989 aus kindlicher Perspektive schildert.

Es geht dabei auch um den Mut, die eigene Meinung zu vertreten. Als Sophie zu Beginn des neuen Schuljahres immer noch nicht zurück ist, wird alles anders. Fritzi gerät in den Strudel der Ereignisse in ihrer Heimatstadt. Als sie sich zunächst fast durch Zufall bei einer der Leipziger Montagsdemonstrationen wiederfindet und das auch noch gefilmt wird, wird das aufgeweckte Mädchen in der Schule angefeindet.

Die verkniffene Lehrerin Frau Liesegang mit spitzer Nase und großer Brille belehrt die Klasse: „Es gab eine Zusammenrottung von Unruhestiftern und Rowdys.“ Doch Fritzi entgegnet: „Diese Menschen sind keine Rowdys.“

Fritzi muss zum Verhör

In dem 86-Minuten-Film, bei dem Ralf Kukula und Matthias Bruhn Regie führten, muss Fritzi auch ein Verhör überstehen. Sie hatte versucht, am Rande einer Klassenfahrt nachts ein Loch im Grenzzaun zu finden, um ihrer Freundin den Hund zurückzubringen. Sophie ist inzwischen bei ihrer Oma im Westen.

Es passe wunderbar, dass für den Film ein „Wessi“ und und ein „Ossi“ als Regisseure zusammengefunden haben, heißt es im Presseheft zum Film. Bruhn in Bielefeld und Kukula in Dresden geboren, seien in verschiedenen deutschen Staaten aufgewachsen. Ihre gemeinsame Regie stehe nun für ein gesamtdeutsches Projekt. Der Film basiert auf dem Buch „Fritzi war dabei“ von Autorin Hanna Schott.

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Die Fragen der beiden Freundinnen in Leipzig vor der Flucht von Sophie sind nachvollziehbar. „Glaubst du, was die in der Schule sagen, dass die drüben alle unglücklich sind?“ Oder: „Was denkst du, warum wollen alle rüber?“ Antwort: „Vielleicht, weil es da immer Bananen gibt und echte Coca-Cola.“ Doch dann wird es ein Stück schwieriger – und es klingt nicht immer nach kindlicher Erkenntnis, etwa wenn Fritzi über ihr Heimatland sagt: „Aber wir sind doch hier eingesperrt, das ganze Land ist wie ein Gefängnis.“

Ganz schön überfrachtet

Auch historische Aufnahmen sind in die Animationsszenen eingebaut. Darunter der Jubel in der Prager Botschaft, als der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher den DDR-Flüchtlingen ihre Ausreise in den Westen mitteilt. Es dürfte sinnvoll sein, wenn Eltern mit ihrem Nachwuchs den Film gemeinsam sehen. Dann könnten auch Begriffe wie „propagandistische Hetzkampagne“ oder andere Themen aus der SED-Parteisprache erklärt werden.

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Fritzi besteht in dem Film eine Reihe von Abenteuern, die einen in ihren Bann ziehen. Aber es stellt sich auch die Frage, ob etwas weniger nicht mehr gewesen wäre.

Zum Schluss ist es Fritzi, die als erste über die geöffnete Grenze geht und ihre Freundin Sophie umarmen kann. Während Sputnik nun wieder zu Sophie zurückkehrt, bekommt Fritzi auch einen kleinen Hund. Er soll Rowdy heißen. (Jutta Schütz, dpa)

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