05.02.2020 21:55 Uhr

„Joker“, „1917“, „Parasite“: Alles über die Oscar-Favoriten 2020

Foto: Robert Gladden / ©A.M.P.A.S.

Für die kommende Oscar-Verleihung, die in der Nacht von 9. auf 10. Februar 2020 stattfindet, stehen die nominierten bereits seit einigen Tagen fest. Nun stellt man sich Fragen über Fragen, die da beispielsweise wären: Wird der Comic-Thriller „Joker“ das Kriegsdrama „1917″ ausstechen? Oder gewinnt „Parasite“ und schreibt damit Oscar-Geschichte?

Es heißt, die Schauspielerin Renée Zellweger und auch Kollege Brad Pitt sollten auf jeden Fall Dankesreden mitbringen, doch die 92. Academy Awards bleiben spannend bis zum Schluss.

"Joker", "1917", "Parasite": Alles über die Oscar-Favoriten 2020

Vorm Dolby Theatre am Dienstag. Foto: Robert Gladden / ©A.M.P.A.S.

Neuer Anlauf mit „Joker“

Comicbuch-Verfilmungen standen bei den Oscars lange im Abseits, nur in Nebenkategorien wie Schnitt, Sound und Spezialeffekte gab es auch mal Trophäen. Mit „Black Panther“ wendete sich im letzten Jahr das Blatt: mit einer Nominierung in der Topsparte „Bester Film“ schrieb der Blockbuster Oscar-Geschichte. Und nun auch der aktuelle Kassenschlager „Joker“, der mit insgesamt elf Nominierungen als Favorit in die diesjährigen Academy Awards stürmt.

Die düstere Charakterstudie von Regisseur Todd Phillips um den psychisch kranken Batman-Gegenspieler Joker kann bei der Gala am 9. Februar unter anderem den Spitzen-Oscar als bester Film, für Regie und den Hauptdarsteller holen. Joaquin Phoenix, abgemagert, mit schrillem Lachen und wahnsinnigem Blick, gewann schon den Golden Globe als bester Drama-Darsteller.

Im vierten Anlauf – nach „Gladiator“, „Walk the Line“ und „The Master“ – könnte der 45-Jährige zu Oscar-Ehren kommen. 2009 hatte die Filmakademie den epochemachenden Auftritt von Heath Ledger als Joker in „The Dark Knight“ posthum mit einem Nebenrollen-Oscar gewürdigt – die Chancen stehen also nicht ganz schlecht.

Die Konkurrenz schläft nicht

Neben dem grauen Panther munkelt man auch, dass Brad Pitt, Laura Dern und Renée Zellweger eine Dankesrede parat haben sollten. In der laufenden Trophäensaison haben sie als Haupt- und Nebendarsteller schon wichtige Preise abgeräumt: Die 50-jährige „Bridget Jones“-Darstellerin mit ihrer singenden und anrührenden Verkörperung von Judy Garland in „Judy“, die zwei Jahre ältere Laura Dern als gerissene Anwältin in dem Scheidungsdrama „Marriage Story“, Angelina Jolies Ex-Mann mit seinem lässigen Auftritt in Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“, als Kumpel und Stuntman, der einem abgehalfterten Westernstar – gespielt von Leonardo DiCaprio – zur Seite steht.

"Joker", "1917", "Parasite": Alles über die Oscar-Favoriten 2020

Foto: Matt Petit / ©A.M.P.A.S.

Umso spannender ist der Wettkampf unter den neun Kandidaten in der Sparte „Bester Film“. Neben dem „Joker“ mischen eine Handvoll Mafiosi aus „The Irishman“, Soldaten in den Schützengräben vom Ersten Weltkrieg aus dem Film „1917″ und die alternden Buddies aus „Once Upon a Time in Hollywood“ mit. Weitere Anwärter sind das Rennfahrerdrama „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“, die Nazi-Satire „Jojo Rabbit“, das Beziehungsdrama „Marriage Story“, die Romanverfilmung „Little Women“ und der südkoreanische Thriller „Parasite“.

Erstmals koreanischer Film Favorit

Regisseur Bong Joon Ho wirbelt mit seinem Thriller die Oscars kräftig auf. In der Sparte „Internationaler Film“ ist ihm die Trophäe so gut wie sicher. Dort ist zum ersten Mal überhaupt ein Film aus Korea nominiert. Die Mischung aus Komödie, Horror und Gesellschaftskritik war schon auf dem Filmfestival in Cannes als Gewinner der Goldenen Palme eine Sensation. Die Story einer ärmlichen Familie, die sich im Haus reicher Leute breit macht, hat gleich sechs Oscar-Chancen, auch als bester Film, für Regie und Drehbuch.

Nur selten schaffen es fremdsprachige Filme überhaupt in die Top-Sparte, zuletzt glückte das „Roma“ aus Mexiko, doch noch nie wurde ein Auslandsfilm mit dem Spitzen-Oscar gekürt. Deutsche Oscar-Hoffnungen waren schon im Dezember geplatzt, als „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt an der Vorauswahl für den Auslands-Oscar scheiterte.

Die größte Gefahr für „Parasite“ kommt von „Bond“-Regisseur Sam Mendes, der sich schon für „Skyfall“ und „Spectre“ verantwortlich zeigte. Mit „1917″ drehte der Brite den wohl persönlichsten Film seiner Laufbahn, nach den Erzählungen seines Großvaters, der in den Schützengräben das Grauen des Ersten Weltkriegs erlebte. Der latent biografische Streifen gewann bereits den Globe als bestes Filmdrama und den einflussreichen PGA-Preis der Hollywoodproduzenten.

"Joker", "1917", "Parasite": Alles über die Oscar-Favoriten 2020

Troy Harvey / ©A.M.P.A.S.

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#OscarsSoMale

Die Erfahrung zeigt, dass PGA-Gewinner meist auch den Oscar als bester Film holen, wie etwa „Green Book“ im letzten Jahr und „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ 2018. Überraschungen sind bei den Oscars aber jederzeit möglich, doch eins steht nach den Nominierungen fest: Die knapp 9000 Mitglieder der Filmakademie setzen 2020 auf männerlastige Filme, überwiegend mit weißen Schauspielern besetzt. Auch die Regie-Sparte, wie schon im Vorjahr, ist wieder reine Männersache.

Mit Diversität ist es nicht weit her. Die britisch-nigerianische Schauspielerin Cynthia Erivo, die in „Harriet“ eine Sklavenanführerin spielt, ist die einzige Schwarze unter den 20 nominierten Darstellern für Haupt- und Nebenrollen. Die mangelnde Vielfalt löste in den sozialen Netzwerken eine Welle von Kritik aus, etwa unter dem Hashtag #OscarsSoMale. Zumindest auf der Oscar-Bühne soll es am 9. Februar bunter zugehen.

Live-Show soll vielfältiger sein

Im Vorfeld der Gala gab die Filmakademie einige „Star-Presenter“ bekannt, die beim Austeilen der Trophäen helfen sollen. Die Oscar-Gewinner von 2019, Regina King, die für ihre Rolle in „If Beale Street Could Talk“ geehrt wurde und Mahershala Ali, der seinen Goldjungen für „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ einheimste, sind dabei. Auch „Bohemian Rhapsody“-Star Rami Malek, Sohn ägyptischer Einwanderer, und die Britin Olivia Colman, die für „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ einen der begehrte Preise erhielt, sind mit von der Partie.

Cynthia Erivo soll den Hit „Stand Up“ aus dem Drama „Harriet“ singen. Die Oscar-Verleiher kündigten auch Auftritte von Rapper Questlove, der irischen Dirigentin Eímear Noone und von Grammy-Gewinnerin Billie Eilish an. Ein offizieller Moderator fehlt jedoch auch in diesem Jahr, auch 2020 sollen Promis und Darbietungen bei der Live-Gala den Ton angeben. (Barbara Munker, dpa/KT)