Jonathan Berlin: Großes Herz, großes Coming Out, große Karriere

© IMAGO / photothek

07.02.2021 21:50 Uhr

Der 27jährige Schauspieler Jonathan Berlin gehört zu den Unterzeichnern des Manifests #actout, das an die Entscheidungsträger der Film- und Fernsehbranche und die Öffentlichkeit gerichtet ist.

Hinter #actout stehen 185 Film- und TV-Stars, die lesbisch, schwul, queer, bisexuell, nicht-binär und/oder trans sind. Der Jungstar ist einer von 185 Schauspieler*innen, der sich dazu bekennt, schwul zu sein.

Die Debatte, die jetzt losgetreten ist, schlägt medial hohe Wellen. Ob allerdings dauerhaft, bleibt offen.

Jonathan Berlin: Großes Herz, großes Coming Out, große Karriere

© IMAGO / photothek

Sein Gesicht kennt man längst. Wir haben Jonathan Berlin schon länger auf dem Schirm und jetzt, da er einer der 185 ist, die diese überfällige Aktion „Anerkennung und Diversität in Theater, Film und Fernsehen“ losgetreten haben, wollen wir ihn etwas näher vorstellen. Der Mann ist es wert!

Im Interview mit der SZ sagt er zu der Kampagne: „Ich meine längst, dass ich Teil einer offenen, diversen Gesellschaft bin, aber dazu gehört eben auch, das Minderheiten sichtbar sind.“ Bei Instagram wird der sympahische Star in einen emotionalen Post noch konkreter: „Als homosexueller junger Mann – einer der vielen in Medien, Unterhaltung, Sport etc. – möchte ich nicht länger Teil eines Kreislaufes sein, der das Gegenteil von Wahrhaftigkeit bedeutet und von Verstecken, strukturellen Stigmata und Vorurteilen geprägt ist.“ Er wolle jeden ermutigen, „die zu lieben, die man liebt und das Leben zu führen, das man führen will.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Jonathan Berlin (@berlinjonathan)

Mit Puppenspiel fing seine Karriere an

Wer ist dieser Jonathan Berlin?

Was Künstlerisches sollte es schon immer sein. Erst das Puppenspiel und Marionettentheater, dann landete das Talent aber doch auf der Bühne im Jungen Theater in Ulm. Bevor er überhaupt auf die Schauspielschule nach München ging, hatte er schon ordentlich Bühnenerfahrung gesammelt. Von klassisch Shakespeare bis zum modernen Stück von Julie Zeh hat Jonathan sich schon ausprobieren dürfen, bevor die Ausbildung überhaupt angefangen hat. 2015 war er fertig an der Otto-Falckenberg-Schule, an der schon so viele beliebte Schauspieler vor ihm ausgebildet wurden, z.B. Katja Riemann, Jens Harzer und Joachim Król.

Jonathan Berlin: Großes Herz, großes Coming Out, große Karriere

© IMAGO / photothek

Jenseits der Theaterbühne

In einer der ersten Rollen im TV hatte er die heute ebenfalls sehr prominente Liv Lisa Fries als Spielpartnerin. In „Und morgen Mittag bin ich tot“ (2012) spielt Jonathan einen Jungen, dessen Schwester an Mukoviszidose erkrankt ist. Etwas umfangreicher wurde es 2015 im spannenden ZDF-Dreiteiler „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“. In dem Epos wird u.a. auch die Zeit des Dritten Reiches exemplarisch in dem imaginären Dorf Tannbach widergespiegelt. Große Konflikte unter dem Brennglas mit Dorfbewohnern.

Jonathan spielt einen davon. Er ist Walter, der Sohn der Gastwirtin, der sich als Jugendlicher bei der Hitlerjugend so richtig reinhängt. Nach dem Krieg und der Teilung des Dorfes in Ost und West schiebt er Dienst an der innerdeutschen Grenze.

Ebenfalls sehenswert ist „Die Himmelleiter – Sehnsucht nach Morgen“. In der Produktion ist die Nachkriegszeit in Deutschland Thema. Christiane Paul ist eine Trümmerfrau und Jonathan Berlin spielt ihren Sohn Michel. Beide versuchen die Familie durch die schwierige Zeit zu bringen.

Es folgten Gastauftritte in beliebten Serien wie „Der Alte“, „Notruf Hafenkante“, „Der Bergdoktor“ und „SOKO München“.

Endlich mal eine Hauptrolle!

Das Märchen „Prinz Himmelblau und Fee Lupin“ (2016) war ein echter Erfolg. Jonathan übernahm die Hauptrolle, den Prinz Himmelblau. Darin durchläuft seine Durchlaucht den Prozess, sich durchzusetzen und sich seine Braut selbst aussuchen zu dürfen. Nach soviel himmelblau und heile Welt folgt das Gegenteil – wieder ein ZDF-Krimi.

In „Gnadenlos“ (2017) spielt Jonathan einen drogenabhängigen jungen Mann, der sich prostituiert. Ausgerechnet der Jugendstrafrichter Dr. Kleinert (Heino Ferch), ein knallharter Typ, wird sein Liebhaber. Unbedingt merken und bei Gelegenheit ansehen!

Jonathan Berlin: Großes Herz, großes Coming Out, große Karriere

„Das Weiße Haus am Rhein“ (AT) © ARD Degeto/SWR/WDR/Zeitsprung/Krzysztof Wiktor

Etabliert mit Kino- und Fernsehfilmen

2017 schafft Jonathan den endgültigen Sprung ins Kino und in die nächsthöhere Liga der deutschen Filmschauspieler. Das Jugenddrama „Die Freibadclique„, dreht sich um eine Handvoll Freunde im Zweiten Weltkrieg und ist ziemlich bitter, aber richtig erfolgreich an der Kinokasse.

Wir mochten Jonathan auch als Stammkneipenbesucher Patrick in der Komödie „Feierabendbier“. Der Film feierte 2018 auf der Berlinale Premiere und avancierte zum Publikumshit unter den deutschen Filmen – auch sehenswert. „Kruso“ spielt zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR 1989, kam nicht ins Kino, ist aber auf jeden Fall ein Hinkucker! Albrecht Schuch, der den Deutscher Filmpreis 2020 für „Systemsprenger“ und „Berlin Alexanderplatz“ gleich zweifach abgeräumt hat, spielt Kruso und der, der den Stein auf Hiddensee ins Rollen bringt, Ed, den stellt Jonathan dar.

Als letztes Beispiel für den soliden Weg zum Charakterdarsteller müssen wir noch den Dreiteiler „Preis der Freiheit“ nennen. Thematisiert wird die Wendezeit nach dem Zusammenbruch der DDR. Tolle Darsteller: Barbara Auer, Nadja Uhl, Oliver Masucci und – Jonathan Berlin!

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Jonathan Berlin (@berlinjonathan)

„Das Weiße Haus am Rhein“

Was kommt ist „Das Weiße Haus am Rhein“, ein großer ARD-Zweitweiler, dessen Ausstrahlung für das 4. Quartal 2921 geplant ist. Mit Jonathan Berlin in der Hauptrolle.

Bad Godesberg, 1918: Emil Dreesen kehrt an der Seele zerschunden aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Sein Elternhaus, das einst prachtvolle Rheinhotel Dreesen, gleicht einem Militärlager. Während sich sein Vater Fritz gegen die französischen Besatzer wehren will, setzt Emil auf ein Arrangement mit ihnen. Für den Juniorchef muss der Blick nach vorne gehen: Um Gäste zu gewinnen, setzt der 21-Jährige auf Kultur und neue Anreize. Unterstützung bekommt er von seiner jüdischen Großmutter Adelheid und seiner jüngeren Schwester Ulla, die sich nicht in das gängige Frauenbild fügen möchte. Das Hotel ist über die Jahrzehnte Treffpunkt jüdischen Bürgertums, dann Refugium der Nazi-Elite. Gäste wie Charlie Chaplin und Greta Garbo geben sich mit Adolf Hitler und seinen Gefolgen die Klinke in die Hand… (KW/RV)