26.07.2020 22:34 Uhr

„Komm und sieh“ kommt zurück ins Kino: Taschentücher mitnehmen!

Elem Klimows letzter Spielfilm, dessen Drehbuch von der sowjetischen Zensur wegen seiner angeblich zu schmutzigen und naturalistischen Ästhetik sieben lange Jahre blockiert wurde, gilt vielen als eines der letzten ganz großen Meisterwerke des Sowjetkinos.

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Und er gilt bis heute als einer der bester Kriegsfilm der Kinogeschichte. Dagegen sind hochgelobte Werke wie „Dunkirk“, „Der Soldat James Ryan“ oder „1917“ – mit Verlaub – kalter Kaffee in Werbefilmästhetik.

„Komm und sieh“ wurde auf mehreren Filmfestivals gezeigt und kam am 9. Mai 1986 unter dem Titel „Geh und sieh“ in die Kinos der DDR, ein Jahr später in die der Bundesrepublik. Nun kehrt er frisch restauriert am 22. Oktober in die deutschen Kinos zurück. Einen neuen Trailer gibt es noch nicht.

"Komm und sieh" kommt zurück ins Kino: Nix für schwache Nerven!

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Reaktionen

„Es heißt, es sei unmöglich, einen wirklichen Anti-Kriegsfilm zu drehen, da Krieg von Natur aus aufregend ist und das Ende des Films immer den Überlebenden gehört. Niemand würde je den Fehler machen, so etwas über Elem Klimows ‚Komm und sieh‘ zu sagen. Dieser russische Film von 1985 ist einer der niederschmetterndsten Filme aller Zeiten. Ich kenne kaum einen anderen, der das menschlich Böse schonungsloser zeigt.“ (Roger Ebert)

„Dieser Film wurde surreal und impressionistisch genannt, aber das ist der falsche Schluss. ‚Geh und sieh‘ ist Realität und Wahrheit.“ (The Spinning Image)

„Nach über zwei Stunden möchte man nichts sehnlicher, als tief Luft zu holen und das Geschehene zu verarbeiten. Doch in den letzten Szenen erlebt ‚Komm und sieh‘ seinen Höhepunkt. Die letzten zehn Minuten wirken dabei nicht nur für Fljora wie eine emotionale Achterbahnfahrt, sondern auch für die Zuschauer (…) Kein Film schafft es, die Grausamkeit und Brutalität von Krieg dem Zuschauer so nahezubringen wie ‚Komm und sieh‘.“ (Moviepilot)

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Darum geht’s

Hintergrund der Geschichte ist der Massenmord der SS-Sondereinheit Dirlewanger am 22. März 1943 an den Bewohnern des Dorfes Chatyn.

Weißrussland, 1943: Florja, noch viel mehr Kind als Jugendlicher, buddelt am Strand nach alten Gewehren, um endlich Partisan werden zu können. Als er fündig wird, lässt er sich trotz Flehens seiner Mutter rekrutieren und zieht stolz in den Kampf.

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Der kindliche Traum von Heldentaten und Abenteuer zerplatzt allerdings schon bei der Ankunft im Truppenlager, denn der Kommandant will ihn beim Einsatz nicht dabeihaben.

Und so beginnt für ihn auf seinem Rückweg eine Odyssee, die ihn in nur wenigen Tagen mitten in die wahre Hölle des Zweiten Weltkriegs führt.

"Komm und sieh" kommt zurück ins Kino: Taschentücher mitnehmen!

imago images / Ronald Grant

Lob für den jungen Hauptdarsteller

Doch das Schicksal wendet sich und Flijora und die Partisanen üben Vergeltung für das begangene Massaker in seinem Heimatdorf. Sie nehmen erbarmungslo0s Rache an den Deutschen. Am Ende des Films ist Fljora ein anderer Mensch, sein Gesicht um Jahre gealtert…

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Was dieser Junge durchmacht, wurde nie zuvor und auch nicht mehr danach so erschütternd, eindrucksvoll und nachhaltig von einem heranwachsenden Jugendlichen im Kino gezeigt. Kritiker weltweit und Millionen Zuschauer bewegte die realistische Darstellung des jugendlichen Protagonisten Alexei Krawtschenko in diesem Film einhellig. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war er 14.

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Aleksey Krawtchenko 2019. Foto: imago images / Future Image

Eine Veröffentlichung auf DVD ist frühestens November vorgesehen.

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