Kritiker im Zwiespalt: Kriegt Kristen Stewart für „Spencer“ einen Oscar?

Judith HeedeJudith Heede | 13.11.2021, 21:29 Uhr
Kritiker im Zwiespalt: Kriegt Kristen Stewart für „Spencer“ den Oscar?
Kritiker im Zwiespalt: Kriegt Kristen Stewart für „Spencer“ den Oscar?

Pablo Larraín,DCM

In den USA und England ist „Spencer“ bereits angelaufen und die Medien überschlagen sich mit Kritiken in jede Richtung. Von Psychothriller, über Drama bis hin zu „Horrorfilm" ist jede Meinung vertreten. Wir verraten, wieso es alles stimmt!

Der Film „Spencer“, der schon am letzten Wochenende in die Kinos in Großbritannien und den USA kam, zeigt die Beziehung der verstorbenen Prinzessin Diana zu ihren geliebten Söhnen, ihren Umgang mit der Presse, den Kampf mit der Bulimie und Stress mit den königlichen Schwiegereltern.

Allerdings erklären sowohl Regisseur Pablo Larraín als auch Kirsten Stewart in zahlreichen Interviews, dass der Film reine Fiktion sei und auf der Vorstellungskraft der Autoren basiert. Die 31-jährige Hauptdarstellerin betonte, dass sie die wahren Begebenheiten, die sich während des besagten Wochenendes abgespielt hatten, im Film nicht exakt nachahmen würden. Zu viele Details seien unbekannt.

Daher hätte sie sich beim Spielen der Rolle vor allem auf den vielschichtigen Charakter der Prinzessin konzentriert und versucht, die Story aus dieser intimen Perspektive zu erzählen.

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Pablo Larraín,DCM

„Spencer“: Es liegt alles im Auge des Betrachters

Die Kritiker erkennen zwar das Talent und die gelungene Verwandlung Kristen Stewarts in Lady Diana an, aber nicht alle sind von der filmischen Darstellung gänzlich überzeugt. Die königliche Familie käme zu schlecht weg, während Diana als Opfer eines Horrorfilms dargestellt wird. Prinz Charles und die Queen seien „sadistischen Monster“, die Schuld sind an Lady Dianas Bulimie.

Die Szenen, in denen eine völlige verzweifelte Kristen Stewart heimlich den königlichen Speiseschrank leert, um danach zitternd vor dem Klo zu knien, sind in der Tat gruselig und jagen dem Zuschauer Schauer über den Rücken.

Es wird klar, dass die Prinzessin mit dem Druck nicht anders umgehen kann und zunehmend depressiver wird. Doch wie alles im Leben, hat auch die Geschichte von Diana Spencer zwei Seiten und man erahnt hinter dem schönen Gesicht auch das eigensinnige, verwöhnte Kind. In Kirstens Augen spiegelt sich der Wunsch nach Aufmerksamkeit wider und man hört den Trotz in der aristokratischen Stimme.

Die königlichen Familienmitglieder kommen kaum zu Wort. Außer ein paar bösen Blicken und dringlichen Sätzen von Prince Charles (Jack Farthing) und der Queen, (Stella Gonet) hört man nur die verwandelte, sanfte Stimme von Kristen Stewart, die das Publikum mit perfektem Diana-Akzent, schicker 90ies-Garderobe und blonder Föhnfrisur verzaubert.

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Pablo Larraín,DCM

So stellt sich Kristen Stewart die Prinzessin vor

Kristen Stewart hat sich seit ihrem Durchbruch als Bella Swan in „Twilight tatsächlich extrem verwandelt und aus der dunkelhaarigen, schüchternen Vampir-Gattin ist eine selbstbewusste, blonde Prinzessin geworden. Und das nicht nur auf der Leinwand! Auf die Frage, ob sich die Kalifornierin davor gefürchtet habe, die Rolle einer der beeindruckendsten Persönlichkeiten unsere Zeit zu spielen, erklärt sie in der „Today Show: „Ich habe mich einfach darauf konzentriert, die Persönlichkeit Dianas aufzusaugen und mich nicht damit verrückt  gemacht, sie eins zu eins wiederzugeben. Das ist unmöglich!“

Da sind wir uns gar nicht so sicher und wenn es eine kann, dann K-Stew. Sie hat mit der Königin der Herzen weitaus mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick erkennen kann. 

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Pablo Larraín,DCM

Das sagt Kristen Stewarts Verlobte dazu

Auch Kirsten Stewarts Verlobte Dylan Meyer scheint begeistert zu sein von der Performance ihrer Geliebten und postete gerade ein Bild der beiden Turteltauben auf Instagram und schrieb darunter: „Super stolz auf diese hart arbeitende Prinzessin. Kristen selbst bestätigte die Neuigkeit der Verlobung bei einem Auftritt in der „Howard Stern Show, die letzte Woche ausgestrahlt wurde. Bereits 2019 verriet sie ihm in seiner Show, dass sie es „verdammt noch mal nicht abwarten könne, ihrer Freundin einen Heiratsantrag zu machen.

Fehlt nur noch der Oscar

Die Verlobung ist im Kasten und der neue Film endlich im Kino! Das Glück scheint für Kristen Stewart fast perfekt zu sein. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ein Oscar! Gönnen würden wir es ihr für die grandiose Darstellung von Lady Diana Spencer. Die Schauspielerin schlüpft mit so viel Gefühl und Liebe in ihre Rolle, dass das Publikum jede Gefühlsschwankung förmlich spüren kann. Hier ein melancholischer Augenaufschlag, dort ein unsicheres Schulterzucken und nervöses Händeringen. Wir erleben kurze Momente der Heiterkeit, wenn die Mutter von Prinz William und Harry mit ihren Söhnen spielt, gefolgt von beklemmenden Szenen hinter verschlossenen Badezimmertüren. Und das alles mit einer Intensität, die Stewart schauspielerisch auf ein neues Level hebt. Eines, auf dem der Oscar zum Greifen nahe ist.

„Spencer“ kommt am 27. Januar in die deutschen Kinos. (JH)