Dienstag, 26. Juni 2018 20:47 Uhr

„Love, Simon“: Erste große US-Kinokomödie mit schwulem Thema

Einfühlsam und witzig zugleich: Das ist „Love, Simon“. Ein Film übers Erwachsenwerden und Schwulsein, der am Donnerstag in den Kinos startet.

"Love , Simon": Erste große US-Kinokomödie mit schwulem Thema

Simon Spier (Nick Robinson, l-r), Nora Spier (Talitha Eliana Bateman), Emily Spier (Jennifer Garner) und Jack Spier (Josh Duhamel) geben eine ziemlich entspannte Familie ab. Foto: Twentieth Century Fox

Regisseur Greg Berlanti gelingt mit „Love, Simon“ ein echtes Kleinod an Filmgeschichte: Ein schwuler Junge wird erwachsen und er lebt nicht in einer Kunstwelt – vielschichtig geht es zu zwischen Freunden, Mitschülern, Eltern und Geschwistern und alle entwickeln sich auch wirklich weiter!

„Love, Simon“ ist auch ein vielschichtiger Bilderbogen aus dem Leben in einer Kleinstadt: es wird hineingezoomt in die Welt des Teenagers Nick. Er ist der Ich-Erzähler der Geschichte in allen Facetten: den liebevollen Gedanken um die Backkünste seine kleinen Schwester, aber auch sein Hadern mit seinem Coming Out.

Schwerer Weg zum Coming Out

Simon Spier (Nick Robinson) ist ein netter Junge. Er ist 17 und wie die meisten Teenager hat er wirklich viel um die Ohren: die Schule, seine Eltern, seine Freunde und natürlich ist längst Interesse an Sex aufgekommen. Simon ist schwul, dass weiß er schon lange. Er sieht das als sein großes Geheimnis. So normal das für andere sein mag, für ihn ist es das aber nicht. Er hadert damit, sich zu outen. Es ist wie eine permanete Wiedervorlage, die in seinem Kopf herumgeistert, aber er schafft es einfach nicht, seinen Freunden, darunter Leah (Katherine Langford), Abby (Alexandra Shipp) und Nick (Jorge Lendeborg Jr.), und seinen Eltern Emily (Jennifer Garner) und Jack (Josh Duhamel) davon zu erzählen.

Und so schleppt er seine Sexualität im Geheimen mit sich. Es belastet ihn, er kann nicht anfangen, seinen Style auszuprobieren – außer vor dem heimischen Spiegel – ganz zu Schweigen davon, sich einen Freund zu suchen. Er tritt auf der Stelle und quält und hadert mit sich.

"Love , Simon": Erste große US-Kinokomödie mit schwulem Thema

Foto: Twentieth Century Fox

Im Internet findet er Gleichgesinnte, online und anonym chattet er mit „Blue“ (und unterschreibt diese irgendwann mit „Love, Simon“), bis durch einen Zufall seine Posts von seinem Mitschüler Martin (stark: Logan Miller) entdeckt werden. Martin ist ein schräger Typ und ebenfalls dabei, Neues zu probieren. Er probiert es dann mal mit Erpressung. Er droht, Simon gegen dessen Willen zu outen, wenn dieser ihm nicht hilft, Abby zu beeindrucken und zu seiner Freundin zu machen… Und so neben shakespeare-ähnliche Verwicklungen ihren Lauf, denn Abby mag eigentlich Nick…

Nick setzt also Prioritäten, denn längst hat er sich in „Blue“ verliebt. Er beginnt, seine Freunde zu manipulieren, damit er nicht auffliegt und somit nie erfahren wird, wer „Blue“ eigentlich ist, denn der Mann seiner Träume, geht auf dieselbe Schule. Nick beginnt in seiner Umgebung alle Männer zu scannen: wer könnte es sein? Gleichzeitig zieht die Spirale der Erpressung in immer unangenehmere Situationen.

"Love , Simon": Erste große US-Kinokomödie mit schwulem Thema

Foto: Twentieth Century Fox

Wunderbar der Humor des Films: In einer so kurzen wie genialen Sequenz fragt sich Simon zunächst, warum es eigentlich nur die Homosexuellen sind, die sich erklären müssen (Stichwort: Coming-out). Um sich daraufhin vorzustellen, wie es wäre, wenn nicht der homo-, sondern der heterosexuelle Teenager den Sonderfall darstellen würde. Zuweilen muss man an die großartigen Komödien von Judd Apatow denken (etwa an die Familie aus Apatows „Immer Ärger mit 40“); einmal gar wird Apatow namentlich erwähnt, fast so, als wolle sich Regisseur Berlanti vor dem Komödien-Experten verneigen. Wie Apatow jedenfalls regt auch Berlanti mit „Love, Simon“ zum Lachen und Weinen an.

Kaum zu glauben, dass „Love, Simon“ eine der ersten Mainstream-Teenie-Komödien eines großen amerikanischen Studios ist, die sich in dieser Form einer schwulen Hauptfigur annimmt. Einer Hauptfigur, die man so schnell nicht vergisst. „Love, Simon“ gehört zu den Überraschungen des Filmjahres 2018.

"Love , Simon": Erste große US-Kinokomödie mit schwulem Thema

Foto: Twentieth Century Fox

Fazit: „Love, Simon“ist ein wunderbarer Film übers Erwachsenwerden und über die Erwachsenen selbst, denn die Eltern sind hier keine Randfiguren, sondern in den Beziehungen zu ihren Kindern liebevoll und sehr witzig mit eingebunden. (Katrin Wessel, Matthias von Viereck, dpa)

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