07.03.2020 22:45 Uhr

Max Riemelt in „Kopfplatzen“: Aus dem Innenleben eines Pädosexuellen

Edition Salzgeber

In seinem Spielfilmdebüt „Kopfplatzen“ widmet sich der Regisseur und Drehbuchautor Savas Ceviz dem schwierigen Thema Pädosexualität und nimmt dabei bewusst die Perspektive eines potenziellen Täters ein, um dessen Innenleben zu ergründen und die Frage zu stellen, wie unsere Gesellschaft reflektiert mit der Problematik umgehen kann.

Für sein aufwühlendes Drama konnte Ceviz den vielfach ausgezeichneten deutschen Schauspiel-Star Max Riemelt („Freier Fall“, „Sense8“) gewinnen, der die intensive Rolle des Markus eindrücklich verkörpert, ohne dessen mögliche Täterschaft zu verharmlosen.

Max Riemelt in "Kopfplatzen": Aus dem Innenleben eines Pädosexuellen

Edition Salzgeber

Darum geht’s

Markus ist 29, Single und als Architekt beruflich angekommen. Niemand in seiner Familie und seinem Arbeitsumfeld weiß, dass er pädosexuell ist. Körper von kleinen Jungs erregen ihn. Er hasst sich dafür und kämpft jeden Tag gegen sein Verlangen an. Als die alleinerziehende Mutter Jessica mit ihrem achtjährigen Sohn Arthur in die Nachbarswohnung einzieht, verliebt sie sich in den hilfsbereiten Markus. Der kleine Arthur mag es, wenn Markus auf ihn aufpasst, und sieht in ihm eine Vaterfigur. Doch Markus ahnt, dass er sein Verlangen auf Dauer nicht unter Kontrolle haben wird. Er kämpft darum, den lauter werdenden Rufen in seinem Kopf zu widerstehen.

Kinostart ist am 2. April.

Es gibt eine Grenze zwischen Rolle und Darsteller

Im Interview mit dem Verleiher erklärte Max Riemelt seine Rolle.

Wie kamst Du zu dem Projekt und was hat Dich daran gereizt?
Über die langjährige Freundschaft mit Sava? habe ich schon früh von der Idee zu dem Projekt erfahren und kenne den langwierigen Entstehungsprozess. Damit habe ich mich über einen größeren Zeitraum immer wieder mit dem Thema und dem Skript in den verschiedenen Entwicklungsphasen auseinandergesetzt, bis ich letztendlich die Rolle übernommen habe. Das war keine schnelle oder einfache Entscheidung. Es ging für mich bei dem Projekt darum, eine Person zu spielen, die durch ihre Veranlagung total isoliert ist und der es auch durch die gesellschaftliche Tabuisierung des Themas und die damit verbundene Ausgrenzung schwerfällt, sich zu öffnen, Hilfe zu suchen und zu erhalten. Die Schwierigkeit bestand dabei vor allem darin, die Figur so zu gestalten, dass sie nicht von vornherein unsympathisch wirkt, und dadurch eine Brücke zu bauen, die es dem Zuschauer erlaubt, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen, ohne direkt zu urteilen. Dabei ging es nicht um eine Solidarisierung mit Betroffenen, die eine solche Veranlagung haben, sondern um einen Einblick in eine bestimmte Realität, ohne vorgefertigte Antwor-en oder Lösungen vorzugeben.

Max Riemelt in "Kopfplatzen": Aus dem Innenleben eines Pädosexuellen

Edition Salzgeber

Hattest Du Bedenken, eine pädosexuelle Figur zu spielen?
Manche Menschen ziehen keine Grenzen zwischen den Figuren und den Darstellern, die sie spielen. Dadurch besteht immer die Gefahr, mit der Person, die man verkörpert, undifferenziert verbunden zu werden. Die schauspielerische Herausforderung war, das Innenleben einer zwischen ihrer Neigung und ihrer moralischen Verantwortung zerrissenen Figur darzustellen. Fragen wie „Ist es besser, einen Mörder, einen Nazi oder einen Pädosexuellen zu spielen?“ stellen sich für mich als Schauspieler dabei nicht, da ich immer wertfrei in eine Figur eintauchen können muss. Die moralische Einordnung bzw. Bewertung muss sich für den Einzelnen aus dem Kontext der Geschichte ergeben und nicht aus meinem Spiel.

Was war Dir bei der Darstellung der Figur besonders wichtig?
Mir war es wichtig, der Verantwortung, die mit diesem Thema verbunden ist, gerecht zu werden, indem ich mich ernsthaft mit den daraus ergebenden Fragen auseinandergesetzt habe. Ich wollte den Zuschauern durch ein eher zurückgenommenes Spiel Raum für eigene Fragen und Gedanken lassen, um daraus eine individuelle Haltung zum Thema zu entwickeln.

Max Riemelt in "Kopfplatzen": Aus dem Innenleben eines Pädosexuellen

Edition Salzgeber

Gab es am Set viele Gespräche zwischen Dir, Regisseur Savas Ceviz und dem jungen Arthur-Darsteller Oskar Netzel?
Da ich mit Savas schon im Vorfeld viele Gespräche geführt habe, ging es während der Dreharbeiten um eine konzentrierte Arbeit, um den Film in der vorgegebenen Zeit umset-zen zu können.Oskar habe ich bereits im Casting kennengelernt. Dabei war schnell klar, dass er neben seiner schauspielerischen Begabung auch das Verständnis mitbrachte, um diese Rolle zu übernehmen. Seine Eltern haben ihn gut auf das Thema vorbereitet, begleitet und beschützt. Auch das war ein wichtiger Aspekt für mich: zu sehen, dass es hier nicht um die Verwirklichung eigener Träume der Eltern, sondern um die behutsame Unterstützung der Spielfreude von Oskar geht.