08.11.2020 23:16 Uhr

Michael Bays „Songbird“: Corona-Pandemie als angstschürender Thriller

Ein Horrorfilm-Romanze über die Corona-Pandemie ist in Sicht. Der Trailer zu "Songbird" sorgte für Entrüstung und spielt Corona-Skeptikern ungewollt in die Hände.

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Mit diesem Film hat sich Star-Regisseur Michael Bay (55) womöglich selbst ein Bein gestellt. Der weltberühmte Filmemacher hielt es für eine durchdachte Idee, einen Horrorfilm über die Corona-Pandemie zu drehen – während tagtäglich immer noch Tausende von Menschen im Zusammenhang mit dem Virus ihr Leben verlieren. Mit Feingefühl hat das wenig zu tun.

Der erste Trailer rief daher – wenig überraschend – hauptsächlich negative Reaktionen hervor. Leider könnte es aber auch sein, dass „Songbird“ bei Corona-Skeptikern Kultstatus erlangt.

Corona als Horrorfilm

„Songbird“ spielt im Jahr 2024 oder anders gesagt in der 214. Woche des Corona-Lockdowns. Die Umstände haben sich weiter verschärft. Der gefährliche Covid-19-Virus mutierte inzwischen zum noch tödlicherem Covid-23-Virus. Bilanz: Mehr als 110 Millionen Coronavirus-Tote.

Im dystopischen Los Angeles leben die Menschen in ständiger Quarantäne, die Freundschaften, Liebesbeziehungen und Sex beinahe unmöglich macht. Der Alltag wird von den Gesundheitsbehörden kontrolliert, die mit unmenschlicher Härte gegen die Ausbreitung der Krankheit vorgehen.

"Songbird": Alle hassen den Corona-Horrorfilm jetzt schon

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Leben und Lieben in Zeiten von Corona

Selbstverständlich dreht sich die Handlung um ein junges Paar, die sich wegen Corona aber noch nicht persönlich kennenlernen konnten. Die Hauptdarstellerin gerät ins Visier einer skrupellosen Gesundheitsbehörde, nachdem ihre Mutter an Corona erkrankte.

Jetzt bedarf es natürlich eines mutigen Ritters, der sie aus dieser gefährlichen Situation rettet.

Gigantischer Shitstorm auf Twitter

Man fragt sich jetzt, ob Michael Bay mit seinem Film (u.a. mit Demi Moore) Angst schüren will oder geschickt ein aktuelles Thema aufgreift. Die User in den sozialen Medien waren sich darin sehr einig, denn die Reaktionen auf den ersten Trailer fielen durchweg negativ aus.

Die meisten Menschen empfinden es als pietätlos, dass der berühmte und erfolgreiche Regisseur sich bei bislang über 237.000 Corona-Todesfällen allein in den USA eine goldene Nase verdienen will. Sie werfen ihm vor, das Messer absichtlich nur noch tiefer in die Wunde zu stecken.

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Kultfilm für Verschwörungstheoretiker?

Das eigentliche Problem an „Songbird“ liegt allerdings an einer anderen Stelle. Der Film bedient sich nicht nur an den aktuellen Schmerzen und Ängsten der Menschen, er spielt auch Verschwörungstheoretikern und Corona-Skeptikern in die Hände.

Menschen wie Attila Hildmann (39) und Michael Wendler (48) behaupten bislang, dass der Corona-Virus gar nicht so schlimm sei. Die Regierungen würden die aktuelle Situation künstlich produzieren, um unliebsame Maßnahmen oder gar unmoralischen Ziele durchsetzen zu können. Auch „Songbird“ stellt es so dar, als würde das Gesundheitsamt seine Befugnisse maßlos überschreiten und zu seiner Art bösen Staat im Staat mutieren.

Michael Bay nimmt Corona selbst eher locker

Dazu passt leider auch, dass Regisseur Michael Bay selbst die Corona-Pandemie nur mäßig ernst zu nehmen scheint. Denn während alle anderen ihre Dreharbeiten aufgrund von Covid-19 auf unbestimmte Zeit unterbrachen, setzte er alles daran sofort „Songbird“ zu drehen.

Der Dreh in Los Angeles fanden vom 8. Juli bis zum 3. August statt, also noch zu Zeiten des Lockdowns in Kalifornien. Der Filmemacher betonte wiederholt, dass er und seine Mitarbeiter am Set sich streng an die Corona-Vorschriften gehalten hätten. So habe es regelmäßige Tests gegeben und es wären nie mehr als 40 Menschen am Tag am Set gewesen. Nichtsdestotrotz bleibt es fraglich, ob dieser Film das Risiko wirklich wert war.