Dienstag, 22. Oktober 2019 21:39 Uhr

Michelle Williams im Interview: „Diese Erfahrung hat mein ganzes Leben verändert“

imago images / ZUMA Press

Michelle Williams ist bekannt dafür, gerne düstere und tragische Charaktere zu spielen. Auch für ihren neuen Film „After the Wedding“ (seit 17.10. im Kino), einem Hollywood-Remake aus dem Jahr 2006, schlüpfte sie in solch eine Rolle.

Isabel führt ein einfaches Leben in Indien und leitet dort ein Waisenhaus, das auf Spenden angewiesen ist. Selbst abgeneigt von jeglichem Reichtum, reist sie nach New York, um sich dort mit Theresa (Julianne Moore) zu treffen, die der Einrichtung eine extrem hohe Summe zukommen lassen will. Doch ihre Spende ist alles andere als großherzig, sondern an eine Bedingung geknüpft…

Michelle Williams im Interview: "Diese Erfahrung hat mein ganzes Leben verändert"

© Telepool 2019

Warum sie die Rolle trotz Einspruch ihres Agenten angenommen hat und warum ihr Indien so sehr am Herzen liegt, hat Michelle Williams klatsch- tratsch.de im Interview in New York verraten.

In „After the Wedding“ stehen Sie neben Julianne Moore vor der Kamera. Wie war das für Sie?
Ich hatte noch nie das Vergnügen mit Julianne zu arbeiten. Aber als wir einander vor längerer Zeit vorgestellt wurden, fühlte ich mich sofort zu ihr hingezogen. Sie hat eine tolle Aura. Es war großartig, aber gleichzeitig auch eine Herausforderung mit ihr zu drehen. Wie kann man mit einer Frau arbeiten, die man privat so sehr respektiert, im Film aber unbedingt ausstechen will? (lacht)

Dann war es bestimmt umso schwerer für Sie, sich auf diese emotionalen Szenen vorzubereiten?
Richtig. Sie können sich das in etwa so vorstellen: Ich kenne das Drehbuch und meine Zeilen in- und auswendig, habe mich auf diese schweren Szenen bestens vorbereitet, weiß genau, wann sie stattfinden. Ich bin bereit und warte nur noch auf den Startschuss. Der Rest der Welt scheint stillzustehen, mein gesamter Fokus liegt nur auf diesem Moment. Dann ist es endlich soweit. Sobald die Szenen abgedreht sind, fällt ein riesiger Stein von meinem Herzen. Ich habe es geschafft, die Szenen sind im Kasten (grinst).

© Telepool 2019

Wie haben Sie reagiert, als Sie die Anfrage bekamen, ein Teil des Films zu sein?
Schnell!  (lacht) Wenn man eine E-Mail von Julianne Moore bekommt, antwortet man sofort. Ich ließ alles stehen und liegen, habe mir umgehend das Drehbuch durchgelesen und gleich zugesagt. Mein Agent ist fast ausgeflippt (lacht). Er sagte mir, auch wenn man eine Rolle unbedingt spielen will, sagt man nicht sofort zu. Aber das war mir egal. Ich wollte um jeden Preis mit Julianne vor der Kamera stehen.

Was muss man Ihrer Meinung nach mitbringen, um es in Hollywood zu schaffen?
Ich bin von Natur aus dickköpfig. Das hilft, wenn man Schauspielerin werden will. Du musst dich damit abfinden können, abgelehnt zu werden und gleichzeitig dein Selbstbewusstsein zu behalten. In dieser Branche gibt es einen klitzekleinen Spalt und genau durch den musst du es schaffen zu schlüpfen. Wenn du zu langsam oder zu stark mit dir selbst beschäftigt bist, knallt die Türe zu und deine Chance ist vorbei.

Wie waren die Dreharbeiten in Indien?
Gleich mal vorab: es war kein echtes Waisenhaus in Indien. Die Kinder, die im Film mitgespielt haben, hatten alle Eltern, die am Set dabei waren. Aber ich kenne das echte Leben dort. Ich war mit meiner Tochter Mathilda vor zehn Jahren in Indien. Damals hat uns dieser Besuch so sehr mitgenommen, dass wir auf jeden Fall wieder zusammen hin wollten. Umso mehr haben wir uns beide gefreut, dorthin zurückzukehren. Die Dreharbeiten waren extrem hart. Es war Monsun-Zeit, was bedeutet, dass wir extremen Regen, extreme Luftfeuchtigkeit und extreme Hitze hatten. Aber das Gute ist: extreme Umstände bringen die Leute oft noch näher zusammen. Ich habe mich in alle Kinder am Set verliebt und sie sich in mich. Am Ende der Dreharbeiten konnte ich ein ganzes Lied in ihrer Sprache singen, obwohl ich sie gar nicht spreche. Das ist eine Erinnerung, die ich mein Leben lang nicht vergessen wäre.

© Telepool 2019

Was haben Sie über Indien gelernt?
Die Armut, die in diesem Land herrscht, ist unbegreiflich. So etwas gibt es bei uns in Amerika nicht. Allein diese Erfahrung zu machen, hat mein ganzes Leben verändert. Gleichzeitig habe ich mich in die Kultur verliebt. Die Musik und die Tänze… unbeschreiblich. Vor allem aber wollte ich, dass meine Tochter lernt, wie viele Menschen auf der Welt in Armut leben müssen. Wir können wieder nach Hause zurückkehren, aber für diese Leute ist es ihre Realität. Wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen, sondern müssen die Umstände anderer Länder wahrnehmen und helfen, wo wir können. Deshalb finde ich es extrem wichtig, in Länder wie Indien zu reisen. Klar können wir Bücher darüber lesen, aber erst wenn man vor Ort ist, fühlt man die Kultur und sieht mit eigenen Augen, was Armut wirklich bedeutet.

Was ist das größte Opfer, das sie selbst jemals gebracht haben?
(überlegt lange) Ich habe gelernt, dass man mit Geben selbst etwas bekommt. Je mehr ich spende und helfe, desto besser fühle ich mich.

Michelle Williams im Interview: "Diese Erfahrung hat mein ganzes Leben verändert"

imago images / APress

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren