Netflix stürzt ab in Deutschland und das ist jetzt der beliebteste Streamingdienst

Ena ReziEna Rezi | 22.04.2022, 18:44 Uhr
Paar vor Fernseher schockiert mit Popcorn.
Paar vor Fernseher schockiert mit Popcorn.

Foto: Shutterstock (Antonio Guillem)

Bittere Zeiten für Netflix: Wegen der Inflation und den steigenden Preisen des Anbieters, verliert die Plattform über zwei Millionen Kunden und steht somit hinter Amazon Prime. Mit Werbung will Netflix dagegensteuern und schießt sich damit womöglich selbst ins Bein.

Bislang galt er als Gewinner der Coronakrise: Der weltgrößte Streamingdienst Netflix hat 200.000 Kunden wegen der Sanktionen in Russland verloren.  Dafür läuft es für Amazon Prime immer besser – ist Netflix dem Untergang geweiht?

Netflix stürzt ab in Deutschland und das ist jetzt der beliebteste Streamingdienst

Justwatch

Amazon Prime hängt Netflix ab

Auch wenn Netflix nicht unbedingt für seine High-Quality Produktionen bekannt ist und die dortige Film-Auswahl auch an VHS-Wühltische auf Dorfflohmärkten erinnert, erfreute sich der Streaming-Gigant immer an vielen Abonnenten. Doch damit ist jetzt Schluss!

Prime Video hat Netflix als Marktführer in Deutschland abgelöst. Der Abstand beträgt zwar nur +1%, aber zeigt auch den generellen Trend, dass Netflix Abonnenten verloren hat, wie eine aktuelle Analyse von „Justwatch“ zeigt. Netflix hat auch mittlerweile seine Sättigungsgrenze erreicht: Der Dienst kommt dort auf gut 221 Millionen Abonnenten weltweit.

Die Menschen können sich Streaming nicht mehr leisten

Der unangefochtenen Nummer eins im Abo-basierten Streaming-Geschäft im Silicon Valley stehen die harten Zeiten aber erst noch bevor: Netflix rechnet in den nächsten zwei Monaten damit, weitere zwei Millionen Kunden zu verlieren.

Laut Medien- und Tech-Reporter Dan Petterson ist die Inflation – unter anderem ausgelöst durch den Ukraine-Krieg – Schuld an der aktuellen Situation. Die Leute können sich die Abonnements schlicht und ergreifend einfach nicht mehr leisten.

Netflix stürzt ab in Deutschland und das ist jetzt der beliebteste Streamingdienst

Justwatch

Netflix stürzt ab in Deutschland und das ist jetzt der beliebteste Streamingdienst

Justwatch

Filmproduktionen sind für Netflix zu teuer

Um große Filme mit bekannten Schauspielern, wie beispielsweise „Army of the Dead“ mit Matthias Schweighöfer (41), muss Netflix in Vorklasse gehen. Der Film kostete die Produktion 100 Millionen US-Dollar.

Dieses Geld muss Netflix vor Ausstrahlung der Produktion und Filmcrew auszahlen, ohne dabei zu wissen, wie viel der Film einspielen wird. Es findet quasi ein „Buy-Out“ statt.

„Dadurch zahlen die Streaming-Anbieter am Ende unter Umständen mehr als ein traditionelles Studio, wo erst am Ende, wenn der Film in die Kinos kommt, die Einnahmen aufgeteilt werden“, wie Dan Petterson feststellt.

Es gibt zu viele Anbieter auf dem Markt

Dazu kommt, dass das Angebot an Streaming-Anbietern einfach utopisch ist: Disney+, Amazon Prime, Sky, Netflix, Hulu, HBO, AppleTV – die Liste ist unendlich. Die Nutzer:innen müssen immer öfter abwägen, welchen Anbieter sie bezahlen möchten.

Eine nervige Angelegenheit! Was man auf Netflix nicht findet, gibt’s auf Amazon Prime, dann aber wieder nicht für Prime Mitglieder. Disney+ ist eh nur was für Kinder, aber manchmal findet man genau den Film, den man anschauen mag – und wieder tritt man in die Abo-Falle.

Die Konkurrenz unter den Streamern schert die Nutzer wohl einen feuchten Kehricht – verständlich, dass immer mehr sich dazu entscheiden, ihr Abonnement zu kündigen, wenn die guten Filme sowieso nicht darin beinhaltet sind. Und Netflix ist von allen Anbietern am teuersten: Umgerechnet knapp 20 Euro im Monat kostet das größte Abo-Paket.

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Netflix will bald Werbung schalten

Doch Netflix ist ja nicht von Gestern – was auf YouTube schon klappt, muss ja auch bei Netflix klappen! Es will jetzt ein zusätzliches werbefinanziertes Abo-Modell anbieten, für das man weniger bezahlt, Serien und Filme aber dann durch Werbung unterbrochen werden.

Das Trügerische an der Sache: Netflix hat eigentlich geschworen, niemals Werbung zu schalten, vor allem um seine Nutzer-Daten zu schützen. Wenn aber ab jetzt Werbung geschaltet wird, die auf den User abgestimmt sein soll, muss Netflix die Daten herausgeben.

Eine andere Maßnahme gegen den Abo-Rückgang: Das Teilen von Accounts soll zukünftig verboten werden, wie Netflix-Chef und Co-Gründer Reed Hastings (61) mitteilte: „Es handelt sich hier um 100 Millionen Haushalte. Die mögen unseren Dienst. Wir müssen dafür nur irgendwie Geld bekommen.“

Das Netflix-Schnorren bei Freunden hat nun leider ein Ende.

Auch für deutsche Kunden wird Netflix teuerer

Auch bei den Abo-Preisen in Deutschland wird sich in den kommenden Wochen einiges ändern. Die Pakete werden höchstwahrscheinlich teuer – um vermutlich zwei bis drei Euro. Damit wären sie auf US-Niveau. Angeblich muss Netflix nachjustieren und sich der Konkurrenz anpassen.

Witzhaft wenn man überlegt, dass der Streaming-Anbieter mit 221 Millionen Kunden in aller Welt internationaler Spitzenreiter ist. Zum Vergleich: Disney Plus kommt auf 129 Millionen Abonnenten.

Netflix-Nutzer lachen sich schlapp

Die User des Streaming-Giganten amüsieren sich derweil auf Twitter & Co. prächtig über die Preiserhöhungen. So schreib ein User: „Dass Netflix Abonnenten verliert, ist gut, denn es könnte sie endlich dazu motivieren, wirklich gute Sendungen zu machen.“

Auch haben sich mittlerweile die lustigsten Memes aus der Streaming-Misere entwickelt, die an dieser Stelle niemandem vorenthalten werden sollten:

Die Prognose scheint eindeutig: Netflix verliert immer mehr Nutzer durch unüberlegte Maßnahmen. Die wichtige Frage die sich stellt: Stampft der Gigant dadurch noch mehr unnötige Konkurrenz aus dem Boden, oder entschließt er sich, doch wieder sehbaren Content zu produzieren? Wir sind gespannt.