Samstag, 21. September 2019 22:30 Uhr

Nurejew: „Er war ein Idol, ganz klar. Und ein riesiges A***“

Foto: Alamode Filmverleih

Eines ist unumstritten: Rudolf Nurejew war ein absoluter Ausnahmekünstler. Doch was macht es mit einer Seele, wenn man schon als Kind in der russischen Provinz als „weiße Krähe“, sprich als verschlossener und einzelgängerischer Außenseiter gilt? Rudolf Nurejew hat daraus einen Willen entwickelt, der ihn zum Ziel gebracht hat. Der, der viel zu spät seine Ballettprofessionalisierung begann, wurde der herausragendste Tänzer des 20. Jahrhunderts.

Geboren in der transsibirischen Eisenbahn, aufgewachsen in bettelarmen Verhältnissen und keine Spur von Hochkultur im näheren Umfeld. Sein Lebensweg schien geebnet, doch Nurejew ist vorzeitig abgebogen.

Nurejew: "Er war ein Idol, ganz klar. Und ein riesiges A***"

Rudolf Nurejew 1964. Foto: imago images / United Archives International

Beruhend auf wahren Ereignissen, erzählt Regisseur und Darsteller Ralph Fiennes in seinem Film „Nurejew – The White Crowe“ die unglaubliche Geschichte der sowjetischen Ballettlegende Rudolf Nurejew. Gedreht auf 16mm leben in atmosphärischen Bildern die bewegten 60er Jahre wieder auf. Louis Hoffman („Dark“) spielt die Rolle von Nurejews Lover Teja Kremke.

Die Rolle Nurejews interpretiert eindrucksvoll der ukrainische Weltklasse-Balletttänzer Oleg Ivenko. Das Drehbuch stammt von David Hare („Der Vorleser“). Kinostart ist am 26. September.

Darum geht’s

Paris in den 1960er Jahren: Der Kalte Krieg befindet sich auf seinem Höhepunkt und die Sowjetunion schickt ihre beste Tanzkompanie in den Westen, um ihre künstlerische Stärke zu demonstrieren. Das Leningrader Kirow-Ballett begeistert die Pariser Zuschauer, aber ein Mann sorgt für die Sensation: der virtuose junge Tänzer Rudolf Nurejew. Attraktiv, rebellisch und neugierig, lässt er sich vom kulturellen Leben der Stadt mitreißen. Begleitet von der schönen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) streift er durch die Museen und Jazz-Clubs der Stadt, sehr zum Missfallen der KGB-Spione, die ihm folgen.

Nurejew: "Er war ein Idol, ganz klar. Und ein riesiges A***"

Foto: Alamode Live

Doch Nurejew genießt den Geschmack der Freiheit und beschließt in Frankreich politisches Asyl zu beantragen. Ein höchst riskantes Katz- und Mausspiel mit dem sowjetischen Geheimdienst beginnt…

Hauptdarsteller Oleg Iwenko über Nurejew

Der in der Ukraine geborene Balletttänzer Oleg Iwenko (23) sprach jetzt über seine Rolle. „Er war ein Idol, ganz klar“, sagte der 23-Jährige im Interview mit ‚Mannschaft.com‘. „Aber es ist nicht so, dass ich übermässig vertraut war mit seiner Biografie. Ich hatte lediglich ein vages Bild von Nurejew im Kopf, und je mehr ich mich auf den Film vorbereitete, desto mehr veränderte sich das.“

Nurejew: "Er war ein Idol, ganz klar. Und ein riesiges A***"

Foto: Alamode Filmverleih

Dazu erklärte Iwenko, seit 2014 Solotänzer an der Staatsoper in Kasan im Südwesten Russlands: „Vorher wusste ich – wie wahrscheinlich alle – von Nurejew vor allem, dass er ausser einem Ausnahmetänzer in erster Linie ein riesiges Arschloch war. Er war ein sehr schwieriger Mensch, oft unmöglich im Umgang. Aber je länger ich in seiner Haut steckte und quasi seine Erfahrungen durchlebte, desto mehr begriff ich, wie schwierig seine Situation für ihn war. Und warum er sich so verhielt, wie er es tat. Er war einfach niemand, der nach aussen zeigen konnte, was er durchmachte und wie es ihm ging. Seinen Gefühlen verschaffte er nur durch Grobheit und Ruppigkeit Luft.“

Nurejew: "Er war ein Idol, ganz klar. Und ein riesiges A***"

Foto: Alamode Filmverleih

Übrigens: In Russland wurde der Film zensiert. Dort wurde Berichten aus dem Sommer zufolge eine Szene entfernt, in der Nurejew mit seinem ersten Freund, einem ostdeutschen Mann (Louis Hofmann), nackt im Bett liegt. Bereits während der Dreharbeiten habe man „Druck gemacht, um besser eine alternative Szene mit bekleideten Schauspielern zu drehen.

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