Donnerstag, 16. November 2017 13:15 Uhr

Oliver Kalkofe rechnet mit TV-Bossen ab

Oliver Kalkofe reagiert auf die Aussagen des Pro7-Chefs über das TV-Publikum. In einer Telefonkonferenz hatte sich der ProSieben-Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling Anfang der Woche unglücklich über das TV-Publikum privater Sender geäußert und diese regelrecht beleidigt.

Oliver Kalkofe rechnet mit TV-Bossen ab

Foto: Becher/WENN.com

Laut ‚Meedia.de‘ sagte Ebeling in Englisch u.a.„All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Home-Run. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like. Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“

Nun schlägt einer, der selbst seit mehreren Jahrzehnten vor der Kamera steht, zurück: Oliver Kalkofe, der selbst ‚Die schlechtesten Filme aller Zeiten‘ bei Tele 5 betreut, stellt klar: „Die Aussage ist äußerst daneben. Andererseits aber auch sehr zu begrüßen, denn versehentlich ist hier mal die seit Langem vorherrschende ehrliche Meinung über die Zuschauer rausgerutscht. Fett und arm steht ja sinnbildlich für faul und dumm – und so wird der Großteil des Publikums bei den Privatsendern eingeschätzt. Hinter der Hand wird dort schon ewig über die blöden Zuschauer gespottet, die all den billigen Mist schauen, den man ihnen vorsetzt – nur sollte das nie an die Öffentlichkeit dringen.“

Zuschauer sollte man nicht unterschätzen

Und weiter: „Es würde generell helfen, den Zuschauer nicht zu unterschätzen. Netflix, Amazon, Sky, HBO und andere Streaming-/PayTV-Dienste tun das nicht und haben deshalb gigantischen Erfolg. Denn zu ihnen kommen die Menschen, die Inhalte suchen und sich vom Free TV verarscht fühlen.“

Doch Ebeling rechnet offenbar nicht mit einer Konkurrenz auf Seiten von Netflix und Co. Im Interview mit der ‚Bild‘-Zeitung hebt Kalkofe hervor: „Die Privatsender um RTL und Sat.1 herum haben viele Jahre alles getan, mit billigen und oft unterirdisch schlechten Programmen die Messlatte immer tiefer zu legen. Wer ein paar Wochen nur Scripted Reality schaut, kann sich irgendwann gar nicht mehr auf komplexer erzählte Serien oder Filme einlassen. So wurde das Publikum langfristig verblödet. Und wer nicht darauf angewiesen ist, kehrt dem Fernsehen den Rücken und geht zu anderen Anbietern. Wenn die TV-Macher ihre Zuschauer derart verachten wie offensichtlich Herr Ebeling das seine, wird sich das Fernsehen auf Dauer selbst abschaffen.“

Ein Sprecher der ProSiebenSat.1 Media SE teilte zu der Aussage dem Branchenmgazin ‚DWDL.de‘ mit: „Wir möchten einordnen: Die im Englischen getroffene Bemerkung im Analysten-Call war eine zugespitzte Aussage im Zusammenhang mit einer provokanten Frage durch einen französischen Analysten. Es ging bei der Bemerkung darum, die gerne von Analysten verwendeten Stereotypen eines TV-Zuschauers in englischer Sprache zu reflektieren. Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden. Die reine Textaussage spiegelt weder die Historie noch die Tonalität der Aussagen wider.“ So kann man es auch sehen.

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