„Roamers“ kommt ins Kino: Die erbärmliche Jagd nach Likes

"Roamers" kommt ins Kino: Die erbärmliche Jagd nach Likes
"Roamers" kommt ins Kino: Die erbärmliche Jagd nach Likes

© Camino Filmverleih

22.06.2021 22:50 Uhr

"Roamers" erzählt von der Sinnsuche einer digitalen Generation und begibt sich dabei auf die Reise ins Innere eines modernen Lebensentwurfs. Und der Film zeigt die Jagd nach Likes.

In einer Gesellschaft, in der alle Grundbedürfnisse längst gestillt sind, wird eine Utopie zum Lebensziel einer ganzen Generation: absolute Freiheit und Unabhängigkeit. Raus aus dem Hamsterrad des ewig Selben!

"Roamers" kommt ins Kino: Die erbärmliche Jagd nach Likes

© Camino Filmverleih

Follow your Likes – mit Spaß Geld scheffeln

Kein nerviger Arbeitsplatz, kein „Wofür das eigentlich alles?“, kein Leben mehr zwischen Staus, schlechtem Wetter und sich immer wieder ins-Wochenende-retten. Stattdessen ein selbstbestimmtes Leben als Weltbürger. Das Motto: Follow Your Likes, aus jedem Tag das Bestmögliche rausholen – und trotzdem ordentlich Geld verdienen!

„Wir sind eine Generation, die an Superhelden glaubt.“

Die sogenannte digitale Revolution und billiges Reisen machen’s möglich. Und so fluten Eindrücke dieses „freakin’ fantastic life“ die Feeds von Instagram & Co – und machen es ihren normalsterblichen Followern schwer, eine Rechtfertigung für das offenbar mittelmäßige Leben zu finden, das sie in der sogenannte „alten Welt“ millionenfach führen.

„Roamers“ begleitet sechs Protagonisten

Der Film „Roamers: Follow Your Likes“ begleitet unterschiedlichste Charaktere auf ihrem Weg durch Länder und Social-Media-Feeds dieser Welt. Zu sehen ist zum Beispiel der gefeierte Video-Blogger aus Palästina, der seinen lukrativen Posten bei PayPal zugunsten von möglichst viel Lebenserfahrung quittiert und mit seinen täglichen Videos das Netz erobert.

„Du wachst auf, schreibst, suchst nach Videoideen… sowas dauert Stunden!“

Außerdem die ehemalige Jung-Top-Managerin, die ihr Business in der Schweiz und ihre Ehe für das Abenteuer einer Weltumseglung aufgibt, und das argentinische Pärchen, das ihre bei IBM erworbenen Informatik-Skills einsetzt, um „on demand“ selbstproduzierte Porno-Videos online zu verbreiten und damit ihre Weltreise zu finanzieren.

"Roamers" zeigt, wie erbärmlich unser Leben als Follower ist. Ist es das wirklich?

© Camino Filmverleih

„Ich will, dass mein Leben nicht nur gut, sondern super ist.“

Und schließlich ein Immobilienmakler, der leidenschaftlich für eine sogenannte Nichtregierungsorganisation arbeitete und nach seiner plötzlichen Kündigung sein Leben selbst in die Hand nimmt. Um unabhängig zu sein, gründet er ein Onlinebusiness über das er hochpreisige Immobilien in der USA verkauft und sich damit ein luxuriöses Leben in Ländern wie dem Senegal finanziert. Begleitet wird er dabei gelegentlich von einer Freundin, die ihr Burnout als Anlass nimmt, einen von Diskriminierung geprägten Arbeitsalltag hinter sich zu lassen und mittels mobiler Erste-Hilfe-Trainings ihre eigene Chefin zu werden.

"Roamers" kommt ins Kino: Die erbärmliche Jagd nach Likes

© Camino Filmverleih

Digitale Nomaden auf Achse

Als „Digitale Nomaden“, die in Eigenregie zum Gestalter ihrer eindrucksvollen Lebensgeschichten werden, loten sie die Grenzen einer neuen Ära aus: zwischen persönlicher Freiheit und der Abhängigkeit von Algorithmen und W-LAN, zwischen Selbsterfüllung und Selbstausbeutung – auf der Suche nach Sinn und Halt in einer Welt, die immer mehr Möglichkeiten zu bieten und dabei aber auch immer fragmentierter scheint.

„Es ist kein Job, sondern ein Lifestyle. Wir wollen weder heiraten noch Kinder kriegen, wir wollen frei sein.“

Doch können die Protagonisten dem Hamsterrad tatsächlich entkommen und als „digitale Nomaden“ zu ihrer ersehnten Freiheit finden?

Dieser spannenden Frage geht die Regisseurin Lena Leonhardt in ihrem beeindruckenden Dokumentarfilm „Roamers“ nach. Doch: Wie frei ist man wirklich bei der täglichen Jagd nach Anerkennung und Likes? „Romaers“ führt indirekt vor Augen, wie erbärmlich eintönig unser Alltag als Follower ist. Doch ist er das wirklich …?

Kinostart ist am 22. Juli.