22.09.2020 23:00 Uhr

Rosa von Praunheim über „Arschf…“ und einen Film über Rex Gildo

Rosa von Praunheim gilt als einer der entscheidenden Köpfe der deutschen Schwulenbewegung. Wenn ihn jemand als "schwul" oder "Arschficker" beleidigen will, reagiert er auf seine ganz eigene positive Art.

imago images / Becker&Bredel

Filmemacher Rosa von Praunheim empfiehlt, verletzend gemeinte Wörter positiv umzudeuten. „Meine Strategie ist: Wie immer dich deine Feinde nennen, klau ihnen die Worte, wandle sie um zu stolzen Wörtern und gehe nach vorn“, sagte der 77-Jährige der „Berliner Zeitung“. „Wenn mich jemand Arschficker nennt, sage ich: Ja, es ist was Wunderbares, probier es mal!“

„Schwul“ war ein Schimpfwort

Auch „schwul“ sei einst ein Schimpfwort gewesen. In seinem berühmten Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971 habe er versucht, es „so oft wie möglich zu verwenden, um es umzudrehen zu einem Wort des Stolzes“. Auf die Bemerkung der „Berliner Zeitung“, dass er wohl einfach keine Lust auf die Opferrolle habe, erwiderte „der Vater der westdeutschen homosexuellen Emanzipationsbewegung“: „Genau. Aber es ist mir auch zu akademisch, sich über Begriffe zu streiten. Ich bin ein alter weißer Mann, vielleicht kann ich da gar nicht mehr mitreden.“

Rosa von Praunheims Film über Rex Gildo

Rosa von Praunheim arbeitet derzeit an einem Film über Schlagerkönig Rex Gildo (1936 – 1999). Der hatte am seines Todes am 26. Oktober hatte in einem Möbelhaus in Bad Vilbel einen desaströsen Auftritt hingelegt. Am Abend sei er dann aus dem Badezimmerfenster im zweiten Stock seiner Münchener Wohnung gesprungen. Die Umstände seines Todes waren nie geklärt worden. Gildos Lebensmotto: „Der Schlager ist mein Leben, und solange die Fans mich lieben, mache ich weiter.“

Im Interview mit dem Blatt verriet von Praunheim dazu: „Ich habe ungefähr 15 Projekte, die noch nicht finanziert sind. Als nächstes mache ich ein Dokudrama über Rex Gildo. Dann bereite ich einen großen Film über eine Domina vor, die hier im Haus wohnt.“

„Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs“

Ferner schreibe er gerade den Roman „Hasenpupsiloch“. Da geht es um vier alte Frauen, die im Stile der Oma-gegen-Rechts-Bewegung durch die Welt ziehen und versuchen, Diktatoren umzunieten. Trump, Erdogan, Orban und Putin. Das wäre doch vielleicht eine Lösung.“

Am 2. Oktober hat Rosa von Praunheims neues Stück „Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs“ Premiere im Deutschen Theater in Berlin. Angekündigt wird ein wilder und musikalischer Ritt durch die deutsche Geschichte. „Wo sich Hitler und Friedrich der Große begegnen, kommen die allerintimsten Fragen auf den Tisch“, heißt es auf der Theater-Website.

© dpa-infocom, dpa:200922-99-656619/2, KT

(PV)

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