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Sonntag, 23. Juni 2019 18:29 Uhr

Seth Rogen in unserem Interview: „High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Studiocanal

Vor der Welt bloßgestellt, kämpft er trotzdem um seine große Liebe… So sehen wir Seth Rogen an der Seite von Charlize Theron in der Komödie „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, die seit Donnerstag im Kino läuft.

Seth Rogen in unserem Interview: "High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Studiocanal

Obwohl der Film das Publikum vorrangig zum Lachen bringen soll, schneidet er einige brandaktuelle Themen an, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen sollen. Das war dem 37-Jährigen, der die Hauptrolle des Fred Flarsky spielt, aber ebenso als Produzent hinter der Kamera stand, extrem wichtig.

Wir traf Seth Rogen im Four Season Hotel in Los Angeles und sprachen mit ihm über Politik, Scham und Privatsphäre. Schon im Hotelgang schallt uns die laute Lache des Komikers entgegen, ansteckend und unvergesslich.

In „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ stehen Sie ja nicht nur vor, sondern neben Charlize Theron auch als Produzent hinter der Kamera. Wann entstand die Geschichte zum Film?
Wir haben acht lange Jahre daran gearbeitet. Uns war es wichtig, dass wir eine zeitgemäße, aber gleichzeitig auch eine zeitlos Geschichte erzählen. Etwas, das heute aktuell ist, man aber auch noch in 20 Jahren anschauen kann und sich dabei denkt, dass die Geschichte gut gealtert ist. Nicht so wie ich (lacht). Die Zuschauer sollen sich mit der Story auseinander setzen können. Das ist heutzutage enorm wichtig. Genau deswegen haben wir auch Themen angeschnitten, die zur Diskussion nach dem Film anregen sollen.

Sicherlich ist ein Diskussionspunkt die Politik. Wir sehen, wie Sie wegen der politischen Einstellung ihres Freundes hadern, ihn deshalb aber nicht verurteilen und ihm nicht die Freundschaft kündigen.
In der heutigen Zeit passiert das leider viel öfter, als es uns sicherlich lieb ist. Doch nicht jeder hat das Glück, nach einer politischen Auseinandersetzung noch einen Freund zu haben.

Seth Rogen in unserem Interview: "High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Studiocanal

Sprechen Sie aus Erfahrung?
Als ich von Kanada nach Amerika zog, fand ich mich in einem großen Konflikt mit mir selbst wieder. Sogar mit den Amerikanern, die komplett links eingestellt waren. Mir war klar, dass ich entweder keine Freunde in Amerika finden werde, oder ich meine Einstellung ändern muss – und zwar gewaltig. Ich habe gelernt, dass man mit einer Person befreundet sein kann, die andere politische Ansichten hat als man selbst.

Hollywood ist im allgemeinen ziemlich links eingestellt.
Wichtig ist für uns, dass die Zuschauer nicht denken, dass wir einen politischen Film gedreht haben. Wir wollten lediglich die Punkte anschneiden, die uns heutzutage täglich beschäftigen. Wie zum Beispiel, dass wir einen Präsidenten haben, der aus einer unkonventionellen politischen Abstammung kommt und wir haben die Medien, die sich täglich in die Politik einmischen. Und wir Leute, die die Privatsphäre ihrer Mitmenschen nicht beachten.

Seth Rogen in unserem Interview: "High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Studiocanal

Apropos Privatsphäre. Fred wurde zum Opfer eines Hackerangriffs. Haben Sie Angst, dass Ihnen das auch passieren könnte?
Gott sei Dank bin ich in einer Welt aufgewachsen, in der wir keine extrem privaten Sachen auf unseren Handys gespeichert hatten. Bei mir würden Hacker höchsten Hundefotos finden. Meine privaten Dinge hebe ich woanders auf (lacht).

Beeinflusst die Angst vor Enthüllungen Ihr Leben?
Ganz und gar nicht. Ich lebe mein Leben ganz normal und tue Dinge, von denen sicherlich einige Leute schockiert wären. Es gibt nichts, was ich nicht tun würde, nur weil ich berühmt bin. Wenn Sie sich das Beispiel Jeff Bezos anschauen. Er ist der reichste Mann der Welt und nicht einmal er hat es geschafft, seine privaten Momente für sich zu behalten. Sein Privatleben beherrschte vor Kurzem die Medien, eine Schlagzeile jagte die nächste. Doch nach gefühlten 30 Sekunden war das alles schon wieder vorbei und keiner sprach mehr davon. Wenn vor 40 Jahren eine ähnliche Schlagzeile über die „Lehman Brothers“, die damals die reichsten Männer der Welt waren, in den Nachrichten gewesen wäre, wäre sicherlich die gesamte amerikanische Wirtschaft zusammen gebrochen (lacht). Heutzutage nehmen wir solche Schlagzeilen auf und vergessen sie so schnell wie möglich wieder.

Seth Rogen in unserem Interview: "High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Studiocanal

Das stimmt allerdings.
Meine Frau und ich unterhalten uns ständig darüber, dass Scham systematisch aus unserer Gesellschaft beseitigt wird. In naher Zukunft werden die beschämendsten Momente eines jeden Menschen auf Knopfdruck abrufbar sein. Was du privat machst, wird nicht mehr privat bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn wir in ein paar Jahren einen Menschen kennenlernen, wir innerhalb von ein paar Sekunden die privatesten Sachen über ihn herausfinden oder ihm per Video dabei zusehen können, wie er auf der Toilette sitzt (lacht).

Ein weiteres wichtiges Thema, das Sie im Film anschneiden, ist unsere Umwelt. Leben Sie denn umwelbewusst?
(zögert) Na ja, ich könnte sicherlich mehr machen. Aber ich recycle und fahre ein Elektroauto. Das ist so gut wie ein Muss, wenn du in Hollywood leben willst (lacht). Hier wirst du sofort auseinandergenommen, wenn du nicht deinen Teil zum Umweltschutz beiträgst – was ich für richtig halte. Wenn ich Vancouver besuche, stehen auf einmal 15 Mülleimer vor mir (lacht). Ich weiß nie, wo was reinkommt. Bananenschale hier, Brot dort. Hier in Amerika haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Ich bin auf jeden Fall hundertprozentig dafür.

Seth Rogen in unserem Interview: "High zu spielen ist ein Albtraum“

Foto: Ivan Nikolov/WENN.com

Im Film machen Sie sich mächtig über andere Leute, berühmte Leute, witzig. Bekommen Sie deswegen keinen Ärger?
Ich mache das seit zehn Jahren und glauben Sie mir, die meisten Leute sind nicht besonders glücklich darüber (lacht). Aber das macht mir nichts aus. Es gibt eben Leute, die den Spaß nicht verstehen und sich darüber beschweren.

Wirklich, wer zum Beispiel?
Jon Favreau. Er ist ein guter Freund von mir. Doch vor ein paar Jahren machte ich in „Funny People“ einen Witz über ihn. Er beschwerte sich hinterher, dass er diesen Witz verletzend fand und vor allem nicht lustig (lacht). Aber mittlerweile hat er sich wieder beruhigt.

In einer Szene nehmen Sie zusammen mit Charlize Theron Ecstasy. Wie schwer ist es, eine Szene zu drehen, in der Sie „high“ sind?
Um ehrlich zu sein, sehr schwer. Diese Szenen beanspruchen extrem viel Energie. Jemand, der betrunken oder high ist, versucht sich ständig so zu verhalten, als wäre er nüchtern. Andersrum ist es wirklich schwer, denn vor allem die Leute, die Ecstasy einwerfen, verändern ihr Verhalten und das nachzuspielen ist sehr schwer. Es soll ja natürlich aussehen und nicht mechanisch. High zu spielen ist ein Albtraum…

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