12.10.2020 08:59 Uhr

Singende Soldaten-Ehefrauen: «Mrs. Taylor’s Singing Club»

Mit der Männerstrip-Komödie «Ganz oder gar nicht» landete der Regisseur Peter Cattaneo 1997 einen großen Hit. Nun bringt der Brite nach einer wahren Story Militärfrauen zum Singen. In «Mrs. Taylor's Singing Club» gibt Kristin Scott Thomas den Ton an.

Leonine/dpa

Stricken, Brot backen oder Stripper einladen? Das sind einige der Vorschläge von Soldaten-Ehefrauen zum Zeitvertreib auf einer Militärbasis in England, während ihre Männer in Afghanistan im Einsatz sind.

Am Ende lenken sich die besorgten Militärfrauen in der Komödie „Mrs. Taylor’s Singing Club“ mit Singen ab. Den Ton gibt dabei die unterkühlte Offiziersgattin Kate Taylor (Kristin Scott Thomas) an, die alles im Griff haben will.

Dabei legt sie sich mit der lockeren Lisa (Sharon Horgan) an, der Frau des zweiten Offiziers, der gewöhnlich die Aufgabe zufällt, das Damenprogramm auf der Basis zu leiten. Schiefe Töne gibt es damit gleich von Anfang an. Dank der Starbesetzung mit Scott Thomas (Oscar-nominiert für „Der englische Patient“, „Die dunkelste Stunde“) und der irischen Komikerin Horgan („Catastrophe“, „Game Night“) ist es ein unterhaltsames Werk, das die weitgehend vorhersehbare Story wettmacht.

Natürlich raufen sich die grundverschiedenen Alpha-Frauen am Ende zusammen. Doch bis dahin haben sie alle Hände voll zu tun, die versteckten Talente der Soldatengattinnen zu fördern. Klingt wie das „rituelle Geheul von einem Haufen Hexen“, seufzt Lisa nach der ersten Probe. Doch dann entdeckt die schüchterne Jess ihr Talent und die einsame Sarah trällert laut los.

Das Repertoire der Hobby-Sängerinnen wächst, von Beatles-Songs bis zu 80er-Jahre-Hits wie „Shout“ (Tears For Fears), „Time after Time“ (Cyndi Lauper) und „Don’t You Want Me“ (The Human League) – da würde man auch im Publikum gern lauthals mit einstimmen.

„Mrs. Taylor’s Singing Club“ ist ein Feelgood-Film mit vielen Klischees und wenig Platz für Überraschungen und Tiefgang. Die Ehefrauen machen den Mund auf, aber nur um zu Singen. Selten äußern sie ihre Ängste, erst Recht nicht Kritik am Kriegsdienst ihrer Männer. Der britische Regisseur Peter Cattaneo (56) legt den Damen einige Hürden in den Weg, doch nach Zoff und Rückschlägen folgt das große Finale in der Konzerthalle.

Vielleicht wären Stripper statt Singen doch vergnüglicher gewesen? Damit hatte Cattaneo schließlich vor über 20 Jahren großen Erfolg. Mit der witzigen und sozialkritischen Männerstrip-Komödie „Ganz oder gar nicht“ (1997) inszenierte er damals einen Überraschungs-Hit. Der vielfach preisgekrönte Film handelte von sechs arbeitslosen Männern, die eine Männerstrip-Show auf die Beine stellen und alle Hüllen fallenlassen, um einen Ausweg aus ihrer sozialen Krise zu finden.

In „Military Wives“, so der Original-Titel von „Mrs. Taylor’s Singing Club“, sind Männer nur Randfiguren. Greg Wise („The Crown“) spielt Colonel Richard, den Ehemann der stocksteifen Kate. Jason Flemyng mimt einen Offizier auf der Basis, der bei den ersten Chorproben noch Ohrschützer trägt, doch dann schnell den singenden Damen verfällt.

Die Wohlfühl-Story ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Tatsächlich starteten britische Soldaten-Ehefrauen 2010 einen „Military Wives“-Chor, der durch die BBC-Dokumentation „The Choir: Military Wives“ bekannt wurde. Es folgten eine Hit-Platte („Wherever You Are“) und Auftritte, unter anderem in der Londoner Royal Albert Hall. Inzwischen gibt es 75 Militärfrauen-Chöre in aller Welt mit über 2300 Sängerinnen, wie man im Abspann des Films erfährt.

Mrs. Taylor’s Singing Club, Großbritannien 2019, 112 Min., FSK ab 6, von Peter Cattaneo, mit Kristin Scott Thomas, Sharon Horgan, Jason Flemyng

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