23.07.2020 23:16 Uhr

Streamingtipp „Midsommar“: Das Böse unter der Sonne

So viele nette Menschen: Eine Gruppe junger Amerikaner gerät in den Bann eines nordischen Natur-Rituals. Ari Asters Thriller raubt dem Zuschauer viele Gewissheiten - und stellt sie blutig auf den Kopf.

©CourtesyofA24

Seit rund 100 Jahren gibt es Horrorfilme, und eines schien bisher abgemachte Sache: Das Böse ist am mächtigsten in der Dunkelheit und am schwächsten im Hellen. Ari Asters Thriller „Midsommar“ zieht den Zuschauern diese Gewissheit unter den Füßen weg.

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Darum geht es

Überhaupt wird alles auf den Kopf gestellt. Wenn Sie diesen Film bei Sky oder Amazon streamen: Machen Sie sich darauf gefasst, dass gerade in den nettesten Menschen die übelsten Abgründe lauern.

Worum geht es? Studentin Dani gilt in der Clique ihres Freundes Christian als lästiges Anhängsel, immer nur mit Problemen behaftet. Eigentlich will Christian die Beziehung beenden. Doch als in Danis Familie ein entsetzliches Unglück passiert, bringt er es nicht übers Herz und nimmt sie widerwillig mit zu einem Skandinavien-Trip.

Remake von 1973er Thriller

Der Kommilitone Pelle hat die ganze Clique von US-Studenten eingeladen, in seine abgelegene schwedische Heimat zu kommen. Dort wird die Sonnenwendfeier Midsommar gefeiert – diesmal mit einem Fest wie zuletzt vor 90 Jahren. Die jungen Amerikaner sind fasziniert, nicht nur wegen der ausgeteilten Drogen. Bald allerdings merken sie, dass auch sie Teil eines schrecklichen Rituals zu werden drohen.

„Midsommar“ ist in weiten Teilen ein sehr gekonntes Remake des britischen Underground-Kultfilms „The Wicker Man“ von 1973, der in Großbritannien recht geläufig, den meisten Deutschen hingegen völlig unbekannt ist.

Die Frage, warum die Neuinterpretation von Ari Aster („Hereditary – Das Vermächtnis“) aus dem Jahr 2019 so tief gemein ist und den Zuschauer so packt, ist gar nicht so einfach zu beantworten.

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Galerie

Eindrucksvoller Film

Da ist das gekonnte Spiel mit Licht und Dunkelheit: Ein Film, der in Finsternis mit einem Schocker beginnt, dann in sonnenbeschienener Idylle harmlos zu werden verspricht – bis klar wird, dass das Schlimmste noch bevorsteht und am helllichten Tag passiert. Da ist die Fokussierung auf die Verliererin Dani, die immer tiefer in einen Strudel aus Drogenrausch und heidnischen Ritualen gerät. Und da ist Asters großes Geschick, alles, was noch kommen wird, unauffällig am Bildrand einzuführen. Ein eindrucksvolles Stück Horror. (Christof Bock, dpa)

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