Sonntag, 21. Oktober 2018 19:38 Uhr

TV-Kritik Tatort „KI“: Maria und die ungehackte Empfängnis

Wenn künstliche Intelligenz so weit entwickelt ist, dass sie lernen und Gespräche führen kann – was unterscheidet sie dann noch vom Menschen? Dieser existenziellen Frage gehen Leitmayr und Batic im neuen München-„Tatort“ nach. Die Antwort hat mit Eis zu tun.

TV-Kritik Tatort "KI": Maria und die ungehackte Empfängnis

Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Künstliche Intelligenz und Gefahren aus dem Netz scheinen es denen bei der ARD angetan zu haben. Beim „Tatort“ wird die digitale Bedrohung mehr und mehr zum Lieblingsthema. Die neue Folge „KI“ aus München, die am heutigen Sonntag um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ist also schon Teil eines eigenen kleinen Genres innerhalb der Sonntags-Krimi-Reihe.

In ihrem 79. Fall müssen Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) das Verschwinden der 14-jährigen Melanie aufklären. Sie ist die Tochter eines Freundes von Batic, ihre Eltern liegen nach der Trennung im Clinch.

Darum geht’s

Gerade noch saß das Mädchen in seinem Zimmer – dann war es plötzlich weg. Schon als die Kommissare in Melanies Zimmer den Laptop mit der großen Aufschrift „Caution“ beschlagnahmen, ist klar: Auch hier kommt die Gefahr wieder aus dem Computer. Obacht!

TV-Kritik Tatort "KI": Maria und die ungehackte Empfängnis

Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Schnell wird klar: Maria, die neue Freundin des eigentlich so einsamen Mädchens, muss etwas über Melanies Verschwinden wissen. Schließlich haben sich die beiden bis zu sechs Stunden am Tag ausgetauscht – und standen auch zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in Kontakt.

Das Problem: Maria ist kein Mensch, sondern eine Stimme aus dem Computer, ein ausgeklügeltes Programm künstlicher Intelligenz, das eigentlich in einem Münchner Forschungszentrum weitgehend unter Verschluss gehalten werden sollte und doch irgendwie den Weg nach draußen gefunden hat – wahrscheinlich durch einen Hacker. „Nix mit Maria und der ungehackten Empfängnis.“ Man merkt dem streckenweise zähen Film an, wie sehr seine Macher sich auf diesen Satz gefreut haben.

TV-Kritik Tatort "KI": Maria und die ungehackte Empfängnis

Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Eine Stimme als Zeugin?

Die besonderen Umstände des Falles stellen Batic und Leitmayr vor schwierige Fragen wie: Kann eine Computerstimme eine Zeugin sein? Wie stellt man einer solchen Zeugin die richtigen Fragen? Und vor noch viel schwierigere wie: Was unterscheidet eine künstliche, lernfähige Intelligenz überhaupt noch vom Menschen? Leitmayrs Antwort darauf: „Sie weiß nicht, wie Erdbeereis schmeckt.“

Die Idee, zu den hochbrisanten Themen digitaler Bedrohungen einen Film zu machen, hatten vor den Münchnern schon andere „Tatort“-Macher: 2016 hatte Schauspieler Ken Duken in Stuttgart Angst vor „Big Data“. Kurze Zeit später, in der Bremer Episode „Echolot“, war die digitale Kopie des Mordopfers die Täterin. In der Neujahrs-Folge 2018 aus dem Saarland ging es laut Titel um „Mord ex Machina“ – und in Berlin vor rund einem Monat im Grunde auch. In „Tiere der Großstadt“ aus Berlin mussten die Ermittler nämlich die Frage beantworten, ob eine mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschine zum Mörder werden kann.

TV-Kritik Tatort "KI": Maria und die ungehackte Empfängnis

Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Der Fachmann findet’s realistisch

Beim Tatort „KI“ werde das Thema insgesamt realistisch dargestellt, sagt Florian Röhrbein vom Lehrstuhl für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme der Technischen Universität (TU) München, der als beratender Experte an diesem „Tatort“ mitgearbeitet hat, dem Bayerischen Rundfunk.

„Die Darstellung der Chancen und Risiken empfinde ich als sehr ausgewogen. Dazu gehört die Gefahr, dass eine KI als Person wahrgenommen werden kann, mit der man eine Beziehung aufbaut, obwohl sie letztlich doch nur Antworten wie im Rahmen einer Google-Suchanfrage liefert.“ (Britta Schultejans, dpa)

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