13.10.2020 20:15 Uhr

„Verplant“: Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Sie sind untrainiert und unaufhaltsam, und sie haben einen ehrgeizigen Plan: Vom thüringischen Heiligenstadt in der Mitte Deutschlands aus wollen Otti und Keule entlang der alten Seidenstraße bis nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) im Süden Vietnams fahren. Alles mit dem Fahrrad, 15 Länder wollen sie dabei durchqueren.

Foto: ImFilm

Aber wer sagt eigentlich, dass eine Weltreise mit dem Rad nur mit akribischer Vorbereitung und gestählten Muskeln funktioniert? Die beiden zeigen, dass geht auch anders – und starten vergleichsweise unfit im extrem heißen Rekordsommer 2018 auf ihren brandneuen Rädern ganz tapfer von Heiligenstadt aus Richtung Saigon.

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Foto: ImFilm

Mit dem Drahtesel 10 Monate unterwegs

Der Weg führt sie über den Balkan ans Schwarze Meer, durch die Türkei, den Iran, Zentralasien und China bis zu ihrem Ziel Vietnam. Nicht immer läuft alles glatt.

In den 10 Monaten ihrer Tour bezwingen sie Wüsten und Berge, schreiben Briefe an den Präsidenten von Turkmenistan um an die begehrten Transitvisa zu kommen, und müssen auf 3.000 Metern Höhe bei -30°C aufs Außen-Plumpsklo.

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Foto: ImFilm

(Fast) nichts läuft nach Plan

In China haben sie in der Provinz Xinjiang mit dem extremen Polizeistaat sowie den nicht weniger extremen Wetterbedingungen zu kämpfen, müssen ihre Pläne über den Haufen werfen und auf eine Alternativroute ausweichen.

Diverse Fahrrad- und sonstige Pannen später kommen sie trotz aller Widrigkeiten im Mai 2019 nach 13.000 Kilometern im Sattel und über 70.000 erklommenen Höhenmetern in Saigon an, glücklich, und mittlerweile ziemlich fit.

Warum solche Strapazen?

Warum macht man sowas? Otti und Keule erklärten im Presseheft zum Film: „Das werden wir ziemlich häufig gefragt. Dabei ist die Antwort denkbar einfach und unsere Motivation für so eine Reise gar nicht mal mit so hehren Zielen, wie der Suche nach dem Sinn oder nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens, verbunden. Wir sind einfach nur zwei Typen, die gerne die eigenen Grenzen infrage stellen und neugierig sind, wie die Dinge in anderen Teilen der Welt so laufen.“

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Foto: ImFilm

Galerie

Lobgesänge auf’s Fahrrad

Weiter erklärten sie: „Und auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag, aber das Fahrrad eignet sich dabei erstaunlich gut um voranzukommen. Man reist zwar langsamer als mit anderen Verkehrsmitteln, ist aber trotzdem flexibel und kann in aller Ruhe Land und Leute kennenlernen. Und dabei muss man nicht mal Superman sein, die allerbeste Ausrüstung haben oder zahlreiche Fremdsprachen sprechen. Eine gesunde Portion Neugier und ein bisschen Lust auf Blödsinn reichen eigentlich aus.“

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Foto: ImFilm

„Verplant“ ist kein Film voll malerischer Sonnenuntergänge, philosophischer Erkenntnisse und ultimativer Lebensweisheiten. Es ist ein Film über zwei ganz normale Typen,die sich mit viel Galgenhumor und einer wunderbar selbstironischen Art nicht aus der Ruhe bringen lassen, und die mit viel Spaß an der Sache immer wieder ihren inneren Schweinehund bezwingen, um ihr großes Ziel zu erreichen. Das ist sympathisch und macht Spaß!

Geplanter Kinostart ist am 07. Januar 2021!

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Foto: ImFilm

Das ist Tobias „Otti“ John

Otti wurde 1988 im thüringischen Eichsfeld geboren und hat seine Hassliebe zum Radfahren im Alter von etwa 5 Jahren auf einem orangen Sperrmüllfahrrad entdeckt. Seit er 16 ist bestätigten Touren durch Holland, Frankreich und weite Teile Europas und Asiens diese liebevolle Abneigung vielfach. Tobias hat in Göttingen Betriebswirtschaft studiert, ist im öffentlichen Dienst beschäftigt und lebt in Heilbad Heiligenstadt. Gemeinsam mit Waldemar und Matthias spielte er bereits in einer Band, bestritt zahlreiche Reisen und lernte die beiden zu schätzen – genauso wie sein Fahrrad.

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Tobias „Otti“. Foto: ImFilm

Das ist Matthias „Keule“ Schneemann

Keule wurde 1989 als dritter von vier Brüdern im thüringischen Eichsfeld geboren. Zwischen Abitur und Studium setzte er sich zum ersten Mal für mehr als einen Tag auf sein Fahrrad und durchquerte mit Tobias und Waldemar halb Europa. Hat in Jena Mathematik, Informatik, Linguistik und Deutsch als Fremdsprache studiert und anschließend knapp zwei Jahre in Saigon gelebt, um dort die Kunst des Mopedfahrens direkt von den Besten zu erlernen. Er kehrte im Sommer 2018 nach Deutschland zurück – nur damit er vier Wochen später wieder in Richtung Saigon aufbrechen konnte. Natürlich auf zwei Rädern und diesmal wieder – genauso wie 2008 – ohne Motor.

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Matthias „Keule“. Foto: ImFilm

Eine lange Freundschaft

Regisseur Waldemar Schleicher, Otti und Keule wachsen im thüringischen Heiligenstadt auf, wo sie von der 5. Klasse an zusammen zur Schule gehen. Richtig Freunde werden sie erst kurz nach dem Abitur, als sie 2008 eine große Fahrradtour durch Europa unternehmen. Danach werden sie gemeinsam kreativ: sie spielen in einer Band, drehen ein paar Musikvideos und Kurzfilme.

Doch langsam geht jeder seinen eigenen Weg. Bodenständige Berufsausbildung, Studium und Arbeit nehmen immer mehr Platz in ihrem Leben ein, und Gelegenheiten für Projekte zu dritt werden immer rarer.

"Verplant": Otti und Keule strampeln mit dem Fahrrad nach Vietnam

Vl.nr.: Otti, Waldemar, Keule. Foto: ImFilm

2018 ändert sich das mit der Idee, wieder eine große Reise zu machen: Tobias und Matthias fahren mit dem Fahrrad von Deutschland nach Vietnam und halten ihre Tour mit der Kamera fest. Waldemar begleitet die beiden auf den jeweils ersten und letzten 1.000 Kilometern – zu Hause wertet er ihre Aufnahmen aus.

So ist jetzt, anderthalb Jahre nach Ende der Reise, „Verplant“ entstanden – ihr erster gemeinsamer Langfilm.

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