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Samstag, 9. Februar 2019 12:38 Uhr

Weltpremiere „Der goldene Handschuh“: Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.

Die Berlinale ist voller Kontraste. Fatih Akin stellt heute in der deutschen Hauptstadt seinen neuen Film vor, der gruselig klingt: „Der Goldene Handschuh“. Es ist ein brutaler Thriller mit Schockszenen allererster Güte.

Weltpremiere "Der goldene Handschuh": Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Fatih Akin mit seinem 23-jährigen Hauptdarsteller Jonas Dassler. Foto: bombero int./ Warner Bros. Ent./Boris Laewen

Der Hamburger Regisseur Fatih Akin stellt heute im Berlinale-Wettbewerb seinen neuen Film „Der Goldene Handschuh“ vor. Grundlage sind die Geschichte des realen Serienmörders Fritz Honka und der Kriminalroman von Heinz Strunk. Das Ganze spielt im Hamburg der 70er Jahre. Jonas Dassler („Das schweigende Klassenzimmer“) spielt die Rolle von Honka, der seine Opfer unter anderem in der St.-Pauli-Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ kennenlernte.

„Der Goldene Handschuh“ erzählt die wahre Geschichte des berüchtigten Hamburger Serienmörders Fritz Honka, der zwischen 1970 und 1974 vier Frauen ermordete, zerstückelte und die Leichenteile jahrelang in seiner Wohnung aufbewahrte. Fatih Akin stand für die Verfilmung des Bestsellers von Heinz Strunk als Regisseur hinter der Kamera und verfasste das Drehbuch.

Entstanden ist sein erster Horrorfilm.

Weltpremiere "Der goldene Handschuh": Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Foto: Warner Bros.

Der Horrorfilm ist nicht totzukriegen

Warum Horror? Dazu Fatih Akin in der Pressemitteilung des Verleihers: „Man redet zurzeit viel über die durch die Streaming-Dienste ausgelöste Krise des Kinos. Aber ein Genre funktioniert mit großer Beständigkeit: der Horror. Ich habe das immer sehr gern gesehen, weil ich mich auch gern grusele. Stephen King hat einmal gesagt, das Gruseln sei eine Form, um mit dem Tod und der Vergänglichkeit umzugehen. Wenn man ständig darüber redet, würde man wahnsinnig werden. Deshalb gibt es vielleicht diese Form von Katharsis. Der Horrorfilm bietet den Zuschauern die Möglichkeit, sich ihren Ängsten zu stellen. Angst ist ein sehr starkes Gefühl, es passiert etwas mit deinem Körper, wenn du das spürst. Wenn du das aber im Kino erlebst, wo es nicht gefährlich, sondern vergänglich ist, kann das vielleicht sogar Glückshormone freisetzen. Man erlebt Angst, aber man überlebt sie eben auch.“

Weltpremiere "Der goldene Handschuh": Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.

Welche Horrorfilme haben Fatih Akin in dieser Hinsicht beeinflusst? „Dass ich überhaupt beim Kino gelandet bin, hat viel mit ,Zombie‘ von George Romero zu tun. Ich war acht Jahre alt, mein Bruder elf, meine Mutter war nicht da, mein Vater hat im Akkord gearbeitet. Eine andere Familie hat auf uns aufgepasst, sie hatten eine Videothek. Mein Bruder wollte Horrorfilme sehen, ich musste sie mitgucken. Da habe ich ,Zombie‘ gesehen, und es hat mich sehr verstört. Aber als am Ende des Films die Namen der Mitwirkenden aufgetaucht sind, hat mir das klargemacht, dass dieser Schrecken von Menschen gemacht worden war. So habe ichangefangen, mich mit dem Medium zu beschäftigen. Als ich dann Heinz Strunks Roman „Der Goldene Handschuh“ gelesen habe, ist mir das Sozialdrama aufgefallen und die historische Reise, aber eben auch das Motiv Serienmörder.“

Weltpremiere "Der goldene Handschuh": Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.

„Ein kurzer Film über das Töten“

Akin habe mit seinem Film versucht, diese Geschichte als Horror zu erzählen. „Man will die Zuschauer verängstigen. Wie muss ich die Kamera positionieren, wie muss ich schneiden, um das zu erreichen? Aber ich habe natürlich ein Gewissen, es geht ja auch um Menschenwürde. Deshalb wollte ich die Morde nicht als reine Unterhaltung erzählen, ich will da nichts zelebrieren. Zu meinen Vorbildern zählen Krzysztof Kieslowskis ,Ein kurzer Film über das Töten‘. Das ist viel grausamer als die ,Saw‘-Filme oder die von Quentin Tarantino. Das schafft auch Michael Haneke mit seinen verstörenden Filmen wie ,Caché‘ oder ,Funny Games‘. Daran habe ich mich ebenso orientiert wie an ,Der Glöckner von Notre Dame‘, sowohl die Fassung von 1939 von William Dieterle mit Charles Laughton als auch die von 1956 von Jean Delannoy mit Anthony Quinn.“

Weltpremiere "Der goldene Handschuh": Fatih Akin will uns Angst einjagen!

Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.

Weiter sagte Akin über seine Filmvorbilder: „,Freaks‘ von Tod Browning hat zu Recht für viel Aufsehen gesorgt. Er hat mit Laien, mit entstellten Menschen, gedreht. Der Film war teilweise verboten, dabei hat er nur die Realität dargestellt. Und die kann einem immer noch mehr Angst einjagen als der konventionelle Horrorfilm. Auch in meinem Film sieht man nicht wirklich die Splatter-Elemente, die man in jeder ,Walking Dead‘-Folge zu sehen bekommt.“ Das erreicht einen nämlich nicht mehr wirklich, so Akin weiter, „weil es nur noch Cartoons sind“.

„Ich wollte im Kopf der Zuschauer Bilder erzeugen, die auf der Leinwand gar nicht da sind. Das war die filmische Herausforderung. Mit einem filmischen Genre zu flirten ist der rote Faden meiner Arbeit seit ,Kurz und schmerzlos‘ aus dem Jahr 1998.“ (KT mit dpa)

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