Wie Schokoladen-Hersteller in der Krise kämpfen

In der Confiserie Felicitas schreibt man schon mal «Frohe Ostern» auf die Schokoladentafeln.
In der Confiserie Felicitas schreibt man schon mal «Frohe Ostern» auf die Schokoladentafeln.

Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

29.03.2021 15:37 Uhr

Krisenzeit ist Schokoladenzeit. Brandenburger Chocolatiers sind stets auf der Suche nach neuen Ideen für ihre Kreationen.

Eine mit Schokolade ummantelte getrocknete Physalis, Mandeln in Salzkaramell oder Schokopizza – Brandenburger Schokoladenmanufakturen müssen in der Corona-Pandemie erfinderisch bleiben.

Zwei Beispiele sind die Lausitzer Confiserie Felicitas in Hornow (Spree-Neiße) oder die Chocolaterie in Himmelpfort (Oberhavel). Goedele Matthyssen etwa nascht auch viele Jahre nach Gründung ihrer Schokoladenfabrik in der Lausitz gern von der eigenen Schokolade. „Schokolade macht eben glücklich“, sagt die Chocolatier. Sie sei froh, dass derzeit alle gesund seien – Familie und Mitarbeiter. „Ich empfinde deshalb eine große Dankbarkeit. Nur wenn wir gesund sind, nur dann können wir weiter kämpfen, dass die Firma das durchhält“, sagt Matthyssen, die mit ihrem Partner Peter Bienstmann die Confiserie betreibt.

Mit kreativem Output durch die Krise

In der Corona-Pandemie war in Hornow Ideenreichtum gefordert. In der Zeit des Lockdowns hätte es in den Online-Shop investiert, der jetzt viel besser laufe, erzählt das belgische Paar, das sich vor 29 Jahren im Dorf Hornow (Spree-Neiße) in der Lausitz niederließ. Zudem hätten sie eine Abfüllmaschine für die Pralinen und Schokokreationen angeschafft – eine Erleichterung für die Mitarbeiter, die vorher in Handarbeit die kleinen Päckchen gefüllt hätten. Ein neu angeschaffter Dragierkessel überzieht Früchte oder Nüsse mit Schokolade. Etwa fünf Kilo Pralinen pro Stunde werden von den Mitarbeiterinnen hergestellt.

Essen die Menschen in der Krise besonders viel Schokolade? Der Bundesverband der Süßwarenindustrie verzeichnete im Corona-Jahr 2020 nur einen leichten Anstieg beim Verzehr von Schokolade. Pro Kopf stieg der Verbrauch nach Angaben des Verbandes auf 9,4 Kilo nach 9,2 Kilo im Jahr 2019. Sie habe mit einem höheren Anstieg gerechnet, sagt die Sprecherin des Verbandes, Solveig Schneider. Allerdings sei das Wetter beim Verzehr auch ein relevanter Faktor, und im Sommer hätten die Menschen doch eher Eis statt Schokolade gegessen.

Belastungsprobe für Schokoladenhersteller

Auch in Hornow sind die Folgen der Corona-Krise zu spüren. Von 69 Mitarbeitern ist etwa die Hälfte in Kurzarbeit. Großabnehmer seien wegen der Pandemie weggebrochen, beispielsweise ein Anbieter an Flughäfen wie dem BER. „Wir müssen im kommenden Jahr mit weniger Leuten mehr Geld verdienen“, sagt Bienstmann.

Im einem Nebenraum backt Schwiegersohn Jonny die Biskuitböden fertig. Der gelernte Koch ist mit seiner kleinen Familie aus Dresden wieder in die Heimat zurückgezogen. Pläne hat er trotz Krise genug. Eine Brasserie soll an der Schoko-Fabrik entstehen – die ersten herzhaften Gerichte mit Schokolade sind schon entworfen, etwa Kakaobohnen auf Kürbissuppe.

Glückliche Kunden und die eine Tafel Schokolade

Später steht Goedele Matthyssen vor der Verkaufsstelle in Hornow und empfängt ihre Kunden, von denen an diesem Vormittag vor Ostern viele auf der Suche nach Schoko-Geschenken sind. Die Verkaufsstelle ist offen, das Hygienekonzept funktioniert – Maskenpflicht, Abstand, der Laden ist groß genug. „Ich brauch‘ das“, ruft eine ältere Frau Matthyssen gleich am Eingang zu.

Schokopizza aus Himmelpfort (Oberhavel), belegt mit Nüssen, Früchten oder Gummibären – vor Corona konnten Besucher ihre Wunschpizza selbst belegen, nun übernehmen das die drei Mitarbeiterinnen der Chocolaterie im Ort. „Wenn wir größere Aufträge haben, knüppeln wir alle drei und sind zum Schluss glücklich, wie wir das alles geschafft haben“, erzählt Chefin Sylke Wienold, die ihren Betrieb klein und familiär betreibt. Mit mehr als 700 Schokoladen-Produkten lässt das Angebot trotzdem keine Wünsche offen. Zu Ostern kommen Schoko- Eier, -Hasen oder -Schafe aus der süßen Masse dazu. Am beliebtesten seien aber immer noch die Tafeln Schokolade, berichtet die 53-Jährige, die ihr Geschäft in Himmelpfort bis Ostern geöffnet hat. Danach will sie erst wieder aufmachen, wenn sich die Corona-Lage entspannt habe.

Die Zeit des harten Lockdowns hat die ehemalige Informatikerin und heutige Schokokoladenherstellerin genutzt, um einen „Click-und-Collect-Shop“ auf die Beine zu stellen. Wie in einem Katalog können sich die Kunden ein Angebot auf der Webseite zusammenstellen und die süßen Köstlichkeiten anschließend abholen. Noch werde es nicht so angenommen, dass man davon leben könne, sagt Wienold. Bleibt noch die Frage an sie, ob Schokolade beim Glücklichsein hilft. Sie lacht. „Ich sage meinen Kunden immer: Schauen Sie mich an, na klar macht Schokolade glücklich.“