„The House Of The Rising Sun“ – Eric Burdon wird 80

Der britische Musiker Eric Burdon wird 80.
Der britische Musiker Eric Burdon wird 80.

Hans Klaus Techt/epa apa/dpa

05.05.2021 12:15 Uhr

The Animals gehörten zu den wichtigsten Vertretern der British Invasion. Doch auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs brach die Band auseinander. Eric Burdon wurde zu einer Art Stehaufmännchen des Rock'n'Roll.

„There is … a hooooouse … in New Orleaaaanss!“ – wer den 60er-Jahre-Ohrwurm „The House Of The Rising Sun“ einmal gehört hat, bekommt ihn nicht mehr aus dem Kopf.

Mit ihrer Bluesrock-Adaption des uralten Folksongs stürmten die Animals aus dem englischen Newcastle 1964 weltweit die Hitparaden. Doch das Lied, ein Nummer-Eins-Hit in Großbritannien und den USA, war auch ein Grund dafür, dass die Band kurz darauf zerbrach. Sänger Eric Burdon, der am 11. Mai seinen 80. Geburtstag feiert, ärgert sich darüber bis heute.

„Ich bekomme ein komisches Gefühl, wenn ich die alten Animals sehe“, sagt Burdon in dem Dokumentarfilm „Eric Burdon: Rock’n’Roll Animal“ des österreichischen Regisseurs Hannes Rossacher, der vor einem Jahr TV-Premiere hatte. „Und mein Gedanke ist: Wow! Ich kann nicht glauben, dass wir das komplett verbockt haben.“ Seine markante, raue Stimme zeugt von der langen Rock’n’Roll-Karriere, in der Burdon einige Rückschläge wegstecken musste und trotzdem nie aufgab.

Geboren wurde er inmitten des Zweiten Weltkriegs, am 11. Mai 1941 in der Arbeiterstadt Newcastle upon Tyne. Seinen zweiten Namen Victor hatte er einer Aktion der Stadtverwaltung zu verdanken, die jungen Müttern 25 Pfund gab, wenn die ihren Neugeborenen patriotische Namen gaben. Wegen des Staubs und der Luftverschmutzung habe er als Kind häufig Asthmaanfälle gehabt, berichtete Burdon, der seine Jugend im zerbombten Newcastle in seiner Autobiographie als Albtraum beschrieb. Einziger Lichtblick waren Musik, Filme und früh viel Alkohol.

Ein Auftritt von Louis Armstrong im Fernsehen war für den kleinen Eric eine Offenbarung, Jazz ist bis heute eine seiner Leidenschaften. „Ich war verrückt nach Musik“, erzählte er in Rossachers Film und erinnerte sich an den Anfang seiner Bühnenkarriere. „Jemand im örtlichen Jazzclub hat mir ein Mikrofon in die Hand gedrückt und ich durfte einen Song singen. Bald wurden es zwei Songs am Abend. Und irgendwann stand ich eine halbe Stunde auf der Bühne.“

1962 formierten sich die Animals mit Burdon als Leadsänger. Ein Jahr später waren sie die Hausband des angesagten Club-A-Go-Go. Edelfan Sting, der auch aus Newcastle stammt, erinnerte sich in „Rock’n’Roll Animal“ an die spannende Zeit in den 60er Jahren: „Eric und die Animals waren für Newcastle, was die Beatles für Liverpool und die Stones für London waren. Das Vorbild für die Beat Generation.“

Die Mitglieder der Animals sahen nicht so gut aus wie andere Bands. Der junge Burdon, ausgestattet mit der ausdrucksstarken Baritonstimme eines älteren Mannes, lächelte auf der Bühne kaum. Aber die Animals waren wild und wurden als authentisch und ehrlich wahrgenommen.

Ein erster Plattenvertrag in London ließ nicht lange auf sich warten. Und schon die zweite Single war jener unsterbliche Song über das Haus in New Orleans. Weitere Hits waren „I’m Crying“ und das durch Nina Simone berühmte „Don’t Let Me Be Misunderstood“. Burdon quasi auf den Leib geschrieben war „We Gotta Get Out Of This Place“, denn er hatte damals die Nase voll von Newcastle. „Ich musste raus.“ Erst Jahre später lernte der Musiker, der heute im kalifornischen Ojai lebt, die alte Heimat zu schätzen. Mittlerweile kommt er häufig zu Besuch.

Vielleicht war es die Working-Class-Attitüde die dazu führte, dass die Band sogar hinter dem eisernen Vorhang 20 Konzerte in Polen gab, noch bevor die Rolling Stones dort spielten. Wo das Quartett aus Newcastle auftrat, war die Hölle los. Doch während die Beatles immerhin bis 1970 musizierten und die Stones heute noch aktiv sind, war bei den Animals schon nach rund vier Jahren alles aus.

Keyboarder Alan Price verließ die Gruppe als erster, kurz darauf folgte Schlagzeuger John Steel. Price erklärte 2011 im Interview der Zeitung „Independent“, er sei ausgestiegen, weil er den Erfolg und inbesondere die Belagerung durch hysterische Fans als beängstigend empfunden habe. „Ich hatte einen Nervenzusammenbruch“, sagte er.

Doch es lag wohl auch an finanziellen Streitigkeiten, die sich um den größten Hit drehten. Price ließ sich damals als alleiniger Urheber für die Verwertungsrechte von „The House Of The Rising Sun“ eintragen und kassierte als einziges Bandmitglied die Tantiemen. Das nimmt ihm Burdon bis heute übel, zumal ihn das Kultlied seit den 60er Jahren begleitet. „Das ist der eine Song, den ich jedes Mal singen muss“, sagte er 2019 im „Forbes“-Interview, „sonst würde ich nicht lebend aus dem Konzertsaal rauskommen.“

Burdon zog nach Kalifornien, machte unter dem Namen Eric Burdon and the Animals mit anderen Musikern weiter, bevor sich auch diese Formation 1968 trennte. Er tat sich mit der amerikanischen Funk-Band War zusammen. Auf Youtube findet man einen schweißtreibenden Auftritt der Kombo von 1970 in der deutschen Kultsendung „Beat Club“. Burdon und War waren die letzten Musiker, die mit seinem Kumpel Jimi Hendrix auf der Bühne standen, bevor der legendäre Gitarrist in London starb.

Über die Jahre trat Eric Burdon vereinzelt sogar wieder mit den Originalmitgliedern der Animals auf, doch die Reunions waren stets von kurzer Dauer. Seit 2008 hält Drummer Steel die exklusiven Rechte am Bandnamen. Wieder mal zog Burdon den Kürzeren. Doch auch davon ließ sich der stoische Bluesrocker, der heute weißes Haar hat und sich am liebsten mit Sonnenbrille und Lederjacke zeigt, nicht die Leidenschaft an der Musik und am Singen verderben.

„Ich bin immer noch hier“, stellte er 2019 in dem Film über ihn klar. Trotz Lungenproblemen, die eine Folge des Smogs und des Staubs sind, den er als Kind permanent einatmen musste, ist er noch gut bei Stimme. Die Mitglieder seiner aktuellen Band hat der Sänger, der in dritter Ehe mit der Amerikanerin Marianna verheiratet ist, über das Internet gefunden. 2019 ging Eric Burdon mit ihnen auf Abschiedstour. Angeblich. Denn dass es seine letzten Konzerte waren, ist schwer vorzustellen – wahrscheinlich auch für Eric Burdon selbst.