31.05.2020 18:50 Uhr

Barbie Breakout über „The Diva in Me“, Claudia Obert und Selbstliebe

Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Ab morgen startet auf TVNOW eine neue Makeover-Reality-Show namens „The Diva in me“, in der drei schillernde Dragqueens die Mission haben das Leben von fünf Frauen zu verbessern.

Ganz egal, ob Selbstzweifel oder Unsicherheiten: Barbie Breakout, Sheila Wolf und Kelly Heelton nehmen die Damen unter ihre Fittiche und verhelfen ihnen zu neuem Glanz. klatsch-tratsch.de sprach mit der Berliner Drag Queen Barbie Breakout über die Show, Body Positivity und ihren Special Guest Claudia Obert.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Barbie Breakout (@barbiebreakout) am Mai 28, 2020 um 11:21 PDT

Hey Barbie, stell dich bitte in 1-2 Sätzen vor …
Mein Name ist Barbie Breakout, ich bin Drag Queen, Aktivistin und Buchautorin und schminke und frisiere seit über zwei Jahrzehnten die Menschheit. FunFact: 1. Ich podcaste seit kurzem! „Tragisch, aber geil“ und „2old2dieyoung“ gibt es beide bei Spotify und iTunes. 2. Ich bin seit über 13 Jahren die persönliche MakeUp-Artistin von Barbara Becker 3. Ich bin HIV-positiv und finde es wichtig, dass immer wieder darüber gesprochen wird.

Barbie Breakout über "The Diva in Me", Claudia Obert und Selbstliebe

V.l.: Barbie Breakout, Kelly Heelton, Sheila Wolf. Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Wie bist du zu „The Diva In Me“ gekommen?
Durch eine Email. Ich wurde ganz normal angefragt und zu einem Casting eingeladen. Eine der Produzentinnen verfolgte mein Treiben wohl schon etwas länger und hat sehr gepusht, dass ich überhaupt in die Auswahl komme. Ich hatte kurz vorher auch das „Shopping Queen„-Special mit Guido gedreht (kommt am 14. Juni auf VOX). Das ist ja die selbe Senderfamilie wie TVNow. Vielleicht hat auch das ein bisschen geholfen.

Wie können Drag Queens Frauen helfen? 
Ich bin Feministin. Ich weiß, dass Frauen in unserer Gesellschaft immer noch in vielen Bereichen benachteiligt werden. Dazu kommt ein immer größerer Druck durch unerreichbare Beauty-Standards in den sozialen Medien. Viele Frauen geben da einfach auf. Drag Queens haben irgendwann ihre eigene Verwundbarkeit in Stärke transformiert und diese Superpower können wir an Frauen weitergeben.

Ich selbst bin ein gutes Beispiel. Ich habe in den letzten Jahren ganz schön zugenommen, aber durch Drag habe ich immer wieder die Möglichkeit, mich absolut atemberaubend sexy und schön zu fühlen. Drag gibt dir die Möglichkeit, dich selbst neu zu erfinden und dich dann mit dir selbst wieder neu anzufreunden, weil du dich daran erinnern kannst, dass du stark bist und schön und unzerstörbar.

Es geht in der Sendung auch darum, die Diva in jeder Frau herauszukitzeln. Was macht deiner Meinung nach eine Diva aus?
Der Begriff „Diva“ wird in den letzten Jahren oft mit Starallüren und Zickigkeit in Verbindung gebracht. Ich denke da eher an Frauen, die „Larger than Life“ sind, die etwas Besonderes haben, an Frauen wie die [Maria] Callas, Aretha [Franklin] oder Jessye Norman.

Was könnt ihr den Frauen in der Sendung langfristig auf den Weg mitgeben?
Viele Menschen glauben, Make-Up sei immer nur Skin Deep, das wischt man danach weg und damit ist alles verschwunden. Das stimmt aber nicht. Es kann dich verändern, dich mal wieder in einem neuen Licht zu sehen und zu sehen, dass in dir mehr steckt, als vielleicht dein Übergewicht, deine Depression oder dein Frust Zuhause.

Barbie Breakout über "The Diva in Me", Claudia Obert und Selbstliebe

TVNOW / RTL Studios

Was wir unseren Frauen mitgeben können, ist – glaube ich – die Erkenntnis, dass auch aus dem tiefsten, dunklen Sumpf immer etwas Schönes wachsen kann und dass es sich lohnt, sich seinen Kampfgeist nicht trüben zu lassen, nur weil das Umfeld keinen Bock auf dein Licht oder deinen Spirit hat.

Was ist deine Superpower in der Show?
Abgesehen von meiner Pinselfertigkeit, habe ich mich eigentlich hauptsächlich darauf konzentriert, unsere Mädels zu verstehen und mich reinzufühlen, wo die sich gerade so befinden und was wir ihnen an Rat mit auf den Weg geben können.

Was war dein Lieblingsmoment? Was hat dich am meisten berührt? 
Es gab sehr viele, sehr schöne Momente während des Drehs. Viele der Frauen haben mich mit ihrer Entwicklung einfach weggeblasen. Da steht morgens eine Frau vor dir, die vor Selbstzweifeln nur so strotzt. Du kannst ihr ansehen, wie sie bei allem, was wir ihr sagen, darauf wartet, dass da etwas Böses hinterherkommt. Weil sie das so gelernt hat. Und abends steht sie dann auf der Bühne und strahlt wie eine Sonne, will die Klamotte nicht mehr ausziehen und strotzt vor Selbstbewusstsein.

Barbie Breakout über "The Diva in Me", Claudia Obert und Selbstliebe

TVNOW / RTL Studios

Am meisten berührt hat mich jedoch Ramona, eine junge Mutter mit Depressionen, die mit sich schon sehr aufgeräumt war, als sie bei uns ankam und versucht, anderen Menschen mit dem gleichen Leidensweg zu helfen. Ich schlage mich selbst seit über 20 Jahren mit Depressionen herum und versuche, anderen Betroffenen zu helfen, indem ich offen und ohne Scham darüber spreche. Das ist nicht immer einfach. Dass sie das in einem schon so jungen Alter schafft, hat mich tief beeindruckt, da liefen auch bei mir ein paar Tränen. Und ihre Verwandlung war irre. Wir stehen noch in Kontakt, die Show hat ihr Leben tatsächlich nachhaltig verändert und ich bin sehr stolz auf sie.

Natürlich könnt ihr nicht überall sein und euch um alle Frauen kümmern, die euch gerne an ihrer Seite hätten. Was rätst du Frauen, die mit Unsicherheiten und Selbstzweifeln zu kämpfen haben? 
Ich rate Frauen gerne zuerst, allen Leuten auf Instagram und überall sonst zu entfolgen, die ihnen das Gefühl geben, nicht hübsch, schlank oder perfekt genug zu sein. Dafür sollten sie sich Leute suchen, die sie inspirieren und sie dazu anregen, sich besser zu fühlen, anstatt schlechter. Und ich kann es nicht oft genug sagen: wir alle müssen uns Momente nehmen, die nur für uns da sind, die wir aber auch bewusst für uns nutzen. Ob man jetzt einen Job und drei Kinder hat, oder alleine auf der Couch vor der Glotze liegt, wir sollten versuchen, jeden Tag ein kleines Date mit uns selbst einzubauen.

Das kann eine Meditation sein, ein Hautpflegeritual, oder einfach ein paar Minuten sitzen in der Sonne, ohne Handy, ohne Geschrei, und dann mal nach innen spüren. Wie geht es mir heute eigentlich wirklich? Was fehlt? Wo drückts? Das ändert schon viel, wenn man lernt, sich wieder selbst zu spüren und sich zuzuhören. Dann passieren andere Dinge von ganz alleine.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Barbie Breakout (@barbiebreakout) am Sep 24, 2019 um 12:10 PDT

In der dritten Folge seid ihr auf Claudia Obert getroffen. Wie war die Begegnung? Und welchen Ratschlag hast du für sie?
Claudia ist ein Phänomen für sich. Ein sehr Sympathisches. Wir haben an dem Tag mit ihr sehr viel gelacht. Ich finde, Claudia macht alles richtig. Es gibt kein Gesetz, was uns vorschreibt, dass man als Frau eine Sehnsucht nach Romantik und der großen Liebe haben muss. Ich finde es ok, wenn sie sagt, dass sie lieber Sex will. Ich meine, herausgehört zu haben, dass da wohl alte Wunden sind und ein gebrochenes Herz, das nie wirklich geheilt ist, aber Claudia feuert ja alle paar Sekunden einen neuen Spruch raus. Da ist es sehr schwer, zu unterscheiden, was davon jetzt echt ist und was nur ein Witz. Ich finde sie gut so, wie sie ist. Sie hat das Herz am rechten Fleck und das zählt.

Was für eine Erwartung hast du an die Show? 
Ich hoffe, dass die Leute sehen, mit wie viel Liebe wir da rangegangen sind und dass die Mädels sich auch jetzt noch schön fühlen, wenn sie sich im Fernsehen sehen. Ich glaube, dass es in Deutschland an der Zeit ist, Dragqueens das machen zu lassen, was wir schon seit Jahrhunderten immer wieder tun. Wir helfen und kämpfen für eine bessere Welt. Das war schon immer so, auch wenn die bissige Bösartigkeit mancher Kolleginnen das oft vergessen lässt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Barbie Breakout (@barbiebreakout) am Apr 7, 2020 um 3:40 PDT

Ich wünsche mir, dass die Sendung viele weitere Formate inspiriert und sich viele Menschen daheim inspiriert fühlen, ihr Leben zu verbessern, sich selbst ein Bisschen Glanz zurückzuerobern. Und ich hoffe natürlich auf eine weitere Staffel.

Hattest du im Vorfeld irgendwelche Bedenken?
Natürlich gab es Bedenken. Wir haben angefangen zu drehen, als es mit Corona gerade losging. Deswegen durften wir unsere Schützlinge nie umarmen, es gab kein Publikum bei der Show. Nur jeweils ein Familienmitglied war erlaubt. Ich hatte natürlich Sorge, dass uns das das Genick bricht, dass es am Ende ein komisches Gefühl hinterlässt, dass die Distanz, die ja nur körperlicher Natur war, im Fernsehen dann aussieht, als wäre das eine gewollte, emotionale Distanz. Aber dem ist nicht so, man sieht uns auch so an, wie wir unsere Ladies gefeiert haben und ich glaube, sie hatten auch immer das Gefühl, dass wir sie im Arm hatten, wenn auch eben nicht körperlich.