01.03.2020 20:25 Uhr

Hollywoodstar John Cena über Filme, Wrestling und Heldentaten

imago images / MediaPunch

Vom Show-Kampf zur Schauspielerei – diesen Schritt haben bereits Dwayne “The Rock” Johnson und Hulk Hogan erfolgreich gewagt. Auch John Cena hat Hollywood-Luft geschnuppert und Spaß an dem Job vor der Kamera gefunden. Er findet sogar, dass es gar keinen großen Unterschied macht, denn Wrestler und Schauspieler sind sich eigentlich sehr ähnlich: Beide wollen ihr Publikum unterhalten. Ob eine Rückkehr zur WWE nun für ihn ausgeschlossen ist, verriet der 42-Jährige im exklusiven Interview.

In seinem neuesten Film, „Chaos auf der Feuerwache„, zeigt John Cena, wie man ein Feuer bekämpft und gleichzeitig auf Kinder aufpasst. Eines hat er mit seinem Charakter Jake Carson übrigens gemeinsam: Beide haben als Kind nie geweint…

Hollywoodstar John Cena über Filme, Wrestling und Heldentaten

imago images / ZUMA Press/Paramount Pictures

In „Chaos auf der Feuerwache“ sind Sie ein Feuerspringer, also Teil einer Elite-Einheit der Feuerwehr, die bei Bränden vorausgeschickt wird und direkt über dem Brandgebiet mit Fallschirmen abspringt. Was für ein spezielles Training mussten Sie dafür absolvieren?
Diese Feuerspringer sind so speziell trainiert, dass ich das mit einem zweijährigen Vollzeittraining nicht mal annähernd beherrschen könnte. Das Lustige an diesem Film ist aber, dass wir solch einen furchtlosen Helden auf einem ganz anderen Gebiet zeigen, bei dem er komplett versagt: dem Babysitting!

Was haben Sie von den Feuerspringern gelernt?
Alles über ihren Job zu erfahren war phänomenal. Die Tatsache, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzen, um Naturkatastrophen zu bekämpfen, ist unglaublich. Sie springen bei extremen Wetterbedingungen, aus geringer Höhe ab, um Waldbrände zu bekämpfen. Die einzigen Vorräte, die sie haben, sind die, die sie am Körper tragen. Sie haben keine Ahnung, wie lange sie dort sein werden und sie haben keine Ahnung, wie lange es hinterher dauern wird, sich davon zu erholen. Sie schlafen in ihrer Kleidung, denn wenn es zum Einsatz kommt, müssen sie innerhalb von 45 Sekunden fertig sein, um in den Hubschrauber zu springen.

Als Wrestler haben Sie doch sicherlich den gleichen Mut und würden so einen Sprung wagen?
(Lacht) Ich könnte mir nicht in meinen wildesten Träumen vorstellen, als Feuerspringer bei einem Waldbrand aus dem Heli zu springen. Was diese Männer machen, ist unglaublich. Manchmal verbringen sie 72 Stunden, manchmal sogar bis zu einer Woche in der Mitte eines Feuers. Nein danke. Ich würde mir das nicht zutrauen. Sie sind schlichtweg eine einzigartige und außergewöhnliche Art von Menschen. Die meisten von ihnen haben sogar eine ärztliche Ausbildung. Falls sie sich bei einem Sprung verletzen, die Schulter auskugeln oder etwas bricht, müssen sie sich selbst verarzten, um dann weiterzukämpfen.

Hat Ihnen Ihre Wrestling-Karriere bei der Schauspielerei geholfen?
Auf jeden Fall. Wir alle erzählen Geschichten, auch bei WWE geht es darum: Der ständige Kampf zwischen Gut und Böse. Bevor ich meine Schauspielkarriere startete, hatte ich keine Perspektive, was wahrscheinlich eher eine negative Bilanz war. Doch jetzt ziehe ich bei jedem Film etwas aus meiner Wrestling-Erfahrung. Ich muss mich jetzt nicht mehr vor den Leuten beweisen, die in der dritten Reihe sitzen, sondern vor der Kamera. Also geht es eigentlich wirklich nur um Feinheiten. Klar war es am Anfang ein schwieriger Übergang, aber ich bin dankbar dafür, dass ich viel davon mit in mein Leben des Filmemachens genommen habe.

Dürfen Sie denn jetzt überhaupt noch für die WWE kämpfen?
Wenn ich für ein Filmprojekt eingetragen bin, dann nicht. Aber wenn ich keinen Film anstehen habe, auf jeden Fall. Ich werde immer in der WWE involviert sein, sei es als Trainer, Mentor oder Kämpfer. WWE ist meine Familie.

Hollywoodstar John Cena über Filme, Wrestling und Heldentaten

John Cena 2005. Foto: imago images / ZUMA Press

Haben Sie sich auch schon mal außerhalb der WWE geschlagen?
Den letzten, nicht professionellen Kampf, den ich hatte, war mit meinem Bruder, als ich 15 Jahre alt war (lacht).

Wenn Sie sich selbst auf der großen Leinwand sehen und die Leute lachen hören, wie sind diese Momente für Sie?
Ich glaube das sind meine Lieblingsmomente. Vor allem wie in diesem Film, wenn ich ein Kind und einen Erwachsenen zusammen lachen höre. Das sind die Momente, in denen mir klar wird, dass sich meine harte Arbeit auszahlt. Denn mal ehrlich, wir drehen die Filme für das Publikum. Wenn ich meinen eigenen Film drehen würde, würde ich diesen mit meinem iPhone machen und mir hinterher auch darauf anschauen (lacht).

Glauben Sie, dass wir in 2020 lustige Filme brauchen, um uns von unserem harten Leben abzulenken?
Wir können uns über Probleme, aber auch über positive Dinge unterhalten. Doch worüber ich mir hundertprozentig sicher bin ist, dass es noch Familien gibt, die es schön finden gemeinsame Sachen zu unternehmen. Wir haben mit diesem Film eine Plattform für sie geschaffen. Hier müssen sie ihre Kinder nicht vorher abliefern, hier kann die ganze Familie zusammen gehen und auch gemeinsam lachen. Und ist es nicht das, was wir brauchen: Lachen?

Hollywoodstar John Cena über Filme, Wrestling und Heldentaten

Foto: Doane Gregory

Was ist die größte Heldentat, die Sie je vollbracht haben?
Wir müssen keine Helden sein, um nett zueinander zu sein. Öffne deine Augen und helfe den Leuten, die um dich herum sind. Damit können wir alle zum Helden werden. Wenn du jemanden auf der Straße siehst, der ein Problem hat, geh auf ihn zu und biete deine Hilfe an. Sei nett zu deinen Mitmenschen. Ich glaube, das ist genau das, was wir vergessen haben oder versuchen zu ignorieren. Das heldenhafteste, was ich je getan habe, war, mich mit mir selbst wohl zu fühlen und mich denen zu öffnen, die ich liebe.

Sie sind ja sehr engagiert, die Träume kranker Kindern zu erfüllen.
Ja. Ich habe bis jetzt mit meiner ‘Make-A-Wish’-Organisation über 600 Wünsche erfüllt. Und ich denke gar nicht daran aufzuhören. Täglich möchte ich neue Wünsche erfüllen.

Wie kamen Sie dazu?
2002 wurde ich gefragt, ob ich ein Kind treffen könnte, das für diesen einen Tag bei uns war, um so viele Wrestling-Stars zu sehen, wie möglich. Ich willigte ein, wusste aber nicht, welchen Hintergrund das alles hatte. Sie erklärten mir dann, dass dieses Kind extrem krank sei und die meisten Kinder von dieser Organisation nicht überleben. Sein einziger Wunsch war es, uns kennenzulernen. Ich war vollkommen geschockt hinterher. Von diesem Moment an war mir klar, dass es keine größere Ehre gibt, als einem kranken Kind einen Wunsch zu erfüllen, vor allem wenn dieser Wunsch ist, mich kennenzulernen.

Und seitdem sind Sie aktiv mit dabei?
Genau. Andy Fickman, der Regisseur von diesem Film, unterstützt diese Organisation auch. Deshalb haben wir ein Mädchen eingeladen, dessen größter Wunsch es war, einmal bei einem Film-Dreh dabei zu sein. Aber das war uns nicht genug: Wir haben uns kurzerhand dazu entschieden, sie im Film mitspielen zu lassen.

Wirklich?
Ja. Sie ist das Mädchen im Spielzeugladen, das in die Einkaufswagen schaut, die wir durch den Laden schieben. Ich bin voller Elan und Freude, wenn ich diese Geschichte erzählen kann, denn ich war es, der hinterher die glücklichen Augen des Mädchens sah.

Das Mädchen war sehr krank, richtig?
Diese Organisation ist dazu da, Wünsche von Kindern zu erfüllen, die lebensbedrohliche Krankheiten haben. “Make a Wish” glaubt an die Kraft der Hoffnung. Wir haben den Film vor neun Monaten gedreht und das Mädchen war gestern auf der Premiere des Films und sah toll und kräftig aus. Das ist die Bestätigung dafür, dass die Macht der Hoffnung nicht unterschätzt werden sollte.

Im Film haben Sie alle Hände voll zu tun mit Kindern. Was für ein Kind waren Sie?
(Lacht) Ich war ein schreckliches Kind, total ungezogen. Ich glaube, das ist der Grund wieso ich mich jetzt so anstrenge, offen und ehrlich zu sein und versuche, meiner Familie meine starke Liebe zu zeigen.

Waren Sie ein weinerliches Kind?
Das war ich auf keinen Fall. Ich wuchs mit vier Brüdern und einem Vater, der extrem männlich war, auf. Wenn ich geheult hätte, hätten sie mich alle ausgelacht. Erst als ich 15 Jahre alt war, fiel mir auf, dass ich wirklich niemals geweint habe (lacht). Aber vielleicht kann ich deshalb jetzt meine Gefühle stärker zeigen…

Interview: Rachel Kasuch