Samstag, 27. April 2019 20:46 Uhr

Ilira über das Leben als Außenseiterin und Feminismus

Schon jetzt wird Ilira (25) als die neue Pop-Sensation 2019 gefeiert, doch hinter der hübschen Kosovo-Albanerin, die in der Schweiz aufwuchs, verbirgt sich mehr als Null-acht-fünfzehn-Pop im rosa Kleidchen. Mit ihrer Musik verkörpert sie die neue Generation starker Frauen in der Musik-Industrie. Klatsch-tratsch.de traf sie zum Interview.

Ilira über das Leben als Außenseiterin und Feminismus

Foto: Karla Wagner

In deiner Insta-Story hast du heute morgen einen dramatischen Zwischenfall in einem Laden gepostet. Was ist da genau passiert ?
Ich war in einem Laden und dann war das so, dass ich einige Artikel gekauft habe und die Kassiererin mich einfach so gefragt hatte, ob ich überhaupt genug Geld habe, um den Einkauf zu bezahlen. Das war natürlich richtig verwirrend und ich habe dann versucht mit EC-Karte zu zahlen, aber leider hatte ich kein Guthaben mehr. Mir war das super peinlich.

Ich habe gelesen, dass du tatsächlich vier Oktaven beherrschst. Ist das jetzt schon so auf einem Opern Niveau?
Ich war tatsächlich ein Jahr auf der Klassik-Schule und habe dadurch intensiv in Chören gesungen, obwohl ich jetzt nicht unbedingt gläubig bin und da war ich in der Sopran-Gruppe. Aber ich habe viel durch das Ausprobieren gelernt.

Würdest du dich selbst als „Mariah Carey 2.0“ einstufen?
Ne, also mit Mariah kann ich mich nicht vergleichen. Sie kann wesentlich mehrere Oktaven treffen.

Was hat es mit dem Song “Get off my dick” auf sich?
Das war jetzt so die erste Singel, bei der ich mich wirklich mal getraut haben etwas zu machen, worauf ich Bock habe, ohne dass ich jetzt darüber nachgedacht habe, was den Leuten gefallen könnte. Ich habe den Song mit meinem Songwriter geschrieben, als ich in einer Lebensphase war, wo mir von vielen außenstehenden Personen viel eingeredet wurde. Ich hatte viel Struggle mit vielen Leuten und ich musste das irgendwie rauslassen. Ich hatte keinen Bock mehr den Leuten einen Gefallen zu tun und immer für jeden da zu sein und das Beste für alle zu wollen, wenn viele aber nicht das Gleiche für mich tun. Ich habe dann alles, was mir auf der Seele lag aufgeschrieben. Die ganze Wut, die ich hatte, habe ich einfach in diesen Song reingepackt.

Du bekommst ja von vielen Medien so einen feministischen Stempel aufgedrückt. Geht dir das auf die Nerven?
Ne, also Feminismus bedeutet für mich nicht nur, dass ich für die Frauen einstehe, sondern, dass ich Equality will. Das soll jetzt nicht so rüber kommen, als ob ich nur für die Frauen bin. Ich bin generell für die Menschheit, für die, die sich irgendwie nicht in die Gesellschaft eingliedern können. Ich versuche mit meinen Songs, Leute anzusprechen, die ein bisschen rebellischer sind und gegen den Strom schwimmen. Feminismus kann man mir auf jeden Fall sehr, sehr gerne aufdrücken und das nehme ich auch mit Stolz an. Denn ich glaube, dass ich feministisch bin.

Ilira über das Leben als Außenseiterin und Feminismus

Foto: Karla Wagner

Siehst du dich selbst als Außenseiterin?
Ja, ich bin immer und überall der Außenseiter. Mittlerweile in Berlin habe ich gelernt, dass das cool ist, Außenseiter zu sein. Aber ja, ich bin sowas von der Außenseiter.

Wenn du mal im „Promi-Big-Brother“-Haus wärst, würdest du dann auch diese Rolle einnehmen?
Ja. Ich glaube, ich würde mich voll zurückziehen, wenn ich da in diesem Haus wäre. Ich würde mir so ein Zelt im Garten bauen, damit ich da meine Ruhe hätte.

Was ist so die letzte Sache, die du gelernt hast, selbst zu machen? So nach dem Motto „Do it yourself“…
Mein Business. Was meine Karriere und meine Musik angeht, da kann mir keiner reinreden. Ich nehme Ratschläge von vielen Leuten an, ich bin aber am Ende die, die die ganze Mühe da reinsteckt. Ich nehme aber auch gerne handwerkliche Sachen in die Hand und probiere selber herum. Ich versuche das auch immer im Studio, weil ich dann am glücklichsten bin.

Wie ist es denn mit deiner Zusammenarbeit mit Alle Farben gekommen?
Mein Songwriter, mein Produzent und ich haben von einer Plattenfirma eine Anfrage gekriegt. Die haben nach einem Songwriter gesucht und wir haben denen dann ein Demo zugeschickt. Der Refraint mit dem Kinder-Chor stand schon. Soweit ich weiß sollte der Song eigentlich von Sigrid gesungen werden. (Anmerkung der Redaktion: Kennt man von ihrem Hit „Perfect Strangers“) Sie fanden aber meine Stimme so klasse, dass ich auch singen sollte, und dann hatte ich das Ding im Kasten.

Was hat sich so seitdem in deinem Leben verändert?
Voll viel. Also seit „Fading“. Die Leute kennen das einfach, die Leute erkennen mich auch auf den Straßen. Auch die Leute im Business haben ab dem Song angefangen mich anzuerkennen.

Ist daraus auch eine Freundschaft entstanden?
Ja, auf jeden Fall. Durch diesen Song hatte ich die Chance Franz besser kennen zulernen und seine Story, wie krass er gehustlet hat. Wir waren ja auch für das Video zusammen in L.A. und da haben wir uns dann besser kennengelernt. Er ist auf jeden Fall ein cooler Typ.

Du bist jetzt auch beim diesjährigen Lollapalooza-Festival bestätigt worden. Was bedeutet es dir dabei zu sein, und auf wen aus dem Line-Up freust du dich besonders?
Ich freue mich unfassbar auf Billie Eilish. Die ist ja gerade so ein bisschen der Anti-Popstar. Ich freue mich auf jeden Fall sie zu sehen. Ich habe gehört die Leute gehen krass ab bei ihr. Aber da gibt es einfach so viele. Das ist einfach das beste Festival, als Popsängerin in Deutschland. Ich gehe da jedes Jahr mit meiner Schwester hin und zuletzt dachte ich mir: Wenn es nächstes Jahr nicht klappt, dass ich selber dort auftrete, dann höre ich auf. Das bedeutet mir auf jeden Fall sehr viel.

Du bist albanischer Abstammung, richtig?
Kosovo und Albanien, ja.

Ilira über das Leben als Außenseiterin und Feminismus

Foto: Karla Wagner

Es ist auffallend, dass sich momentan in den Charts extrem viele Sängerinnen mit albanischen Roots tummeln. Rita Ora, Ava Max, Dua Lipa, Era Istrefi, Bebe Rexha … Nur um ein paar Namen zu nennen.  Ist da irgendwas besonderes im Wasser oder woran liegt das?
Das Wasser dort ist auf jeden Fall nicht gerade das Beste.(lacht) Ich sage dir ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was es ist. Ich glaube, es hat vielleicht mit unserer Geschichte zu tun. Wir hatten ja viele Bürgerkriege und Genozide und mit Serbien hatten wir es auch nicht einfach. Und generell waren wir immer so ein Staat, der politisch sehr angegriffen wurde. Ich glaube, dadurch haben wir gelernt, Zuflucht in der Musik zu finden. Das haben so auch schon unsere Großeltern und Eltern gemacht, weil es dabei half Licht in diese düsteren Zeiten zu bringen. Das hat sich genetisch irgendwie weiterentwickelt. Ich spreche ja viel mit albanischen Musikern und die sagen alle: „Unsere Eltern haben uns das so ein bisschen in die Wiege gelegt.“ Also die Passion für die Musik, nicht unbedingt das Talent. Ich glaube, das hat tatsächlich ein bisschen mit unserer Geschichte zu tun. Also, das ist meine Wahrnehmung. Ich glaube wirklich, dass Musik das Allergrößte für uns war, unsere einzige Freude.

Aber ist dir das aufgefallen, dass das im Moment schon auffallend viel ist?
Ja, wir haben halt swag! (lacht)

 

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