Sonntag, 10. Mai 2020 18:25 Uhr

Jazzy Gudd über das Ende von Eule, „Berlin – Tag & Nacht“ und Männer

Mischa Lorenz

Knapp zwei Jahre lang war Sängerin Jazzy Gudd (30) einer der Stars der RTL2-Reality-Seifenoper „Berlin – Tag & Nacht“. Als Sängerin Eule suchte sie im TV-Format nach dem großen Glück und veröffentlichte auch unter dem Serien-Namen im realen Leben ihre Musik.

Ihr Ihr Debütalbum schafte es vor zwei Jahren sogar auf den Platz 5 der deutschen Albumcharts. Heute hat Jazzy Gudd den Namen Eule aber abgelegt und will unter ihrem bürgerlichen Namen so richtig durchstarten.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von JAZZY GUDD (Offizielle Seite) (@jazzygudd) am Apr 29, 2020 um 8:15 PDT

Wie oft wirst du noch als Eule begrüßt?
Immer eigentlich. (lacht) Die eingefleischten Fans haben ja mitbekommen, das sich den Namen Eule komplett abgelegt habe und nur noch als Jazzy Gudd unterwegs bin. Die ganz krassen Fans haben mich schon vorher Jazzy genannt. Für die war es etwas Besonderes. Ich glaube, die haben sich dadurch etwas abgegrenzt gefühlt. Wenn ich aber irgendwo bin und Autogramme gebe, dann wollen die Leute immer noch ganz oft das Eule-Autogramm.

Wirst du auch manchmal mit Eulen-Lauten begrüßt?
Das passiert zum Glück eher selten. Das ist aber ein Insider-Running-Gag von den Jungs aus meiner Band oder von Freunden. (lacht)

Wie kam der Name Eule eigentlich zustande?
Das ist eine echt gute Frage. Ich habe den Namen von den Drehbuch-Autoren von „Berlin – Tag & Nacht“ bekommen. Ich glaube, die wollten einfach einen coolen, extrem alternativen Spitznamen für meine Rolle. Ich habe im Nachhinein mal gefragt und da wurde mir gesagt, dass Eule ursprünglich die Einzelgängerin, die Musikerin sein, die viel nachts in ihrem kleinen VW-Bus unterwegs ist. Immer auf Reisen und immer alleine. Eulen sind auch – soweit ich weiß – auch nicht so die geselligsten Tiere. Die sind viel allein unterwegs – außer die paaren sich gerade. (lacht)

Das war wohl der Ursprungsgedanke, aber das wurde nie so richtig erzählt. Ich durfte aber nie etwas dazu sagen, weil immer offen gehalten wurde, ob dazu noch was erzählt wird. Mir kam der Name aber ganz recht, weil ich Eule im echten Leben auch als Künstlername nutzen konnte und so die Schnittstelle schaffen konnte. So konnten mich dann die Leute, die mich und meine Musik in der Serie gesehen haben, mich dann auch schneller finden. Wie viele setzen sich heute noch damit auseinander wie Schauspieler im Privatleben eigentlich heißen? Die Wenigsten! Deshalb war das auch ganz cool.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von JAZZY GUDD (Offizielle Seite) (@jazzygudd) am Mär 7, 2020 um 3:47 PST

Warum hast du dann deinen Namen gewechselt?
Eigentlich mag ich den Namen Eule total gerne und ich fand es auch schön, was ich dieser Figur alles mit auf den Weg geben konnte.  Ich habe mich da auf der musikalischen Ebene sehr eingebracht. Das Problem war aber, dass ich nach meinem „Berlin- Tag & Nacht“-Aus nur noch damit in Verbindung gebracht wurde. Damit meine ich nicht nur Fans und potenzielle Hörer, sondern auch viele aus der Musikindustrie: Labels, Veranstalter und andere Künstler. Immer wenn mein Name fiel hieß es dann immer: „Ist das nicht die Grünhaarige von ‚Berlin – Tag und Nacht‘?“ Das war aber total abwertend gemeint. Ich hatte immer das Gefühl: So toll die Zeit bei BTN war, dass mir auch extrem viele Steine in den Weg gelegt wurden, die ich jetzt Step by Step aus dem Weg schaffen muss.

Mir war wichtig klar zustellen, dass mir schon bewusst ist, dass sie Leute Eule lieben – für das, was sie aus der Sendung kennen. Aber am Ende habe ich Eule das Leben eingehaucht. Ich habe die Songs geschrieben. Es ist nicht so, als ob ich etwas geschenkt bekommen habe. Das ist schon meine Mache. RTL 2 hat halt gesagt: „Das finden wir geil, da springen wir mit rein. Wir haben Bock das mit dir zu machen.“ Ansonsten kam das super viel Input von meiner Seite. Eule ist, was das musikalische angeht, 1:1 Jazzy. Mir war wichtig, dass das den Leuten klar wird und dass die Leute, wenn sie meinen Namen hören, nicht immer nur an „Berlin Tag und Nacht denken. Mir ist aber auch klar, dass das immer ein Teil von mir sein wird.

Warum bist du damals bei „BTN“ ausgestiegen?
Das hatte mehrere Gründe. Zum einen war es schwierig die Musik mit einer Daily-Soap unter einen Hut zu bringen. Ich habe wirklich fünf Tage die Woche gedreht. Man war ständig eingespannt und hat dann auch einen Exklusiv-Vertrag. Das heißt auch dass du rein vertraglich auch schon mal nicht alles machen durftest, was du willst. Alles hat sich nur in diesem RTL2-Dunstkreis abgespielt und es war mir halt wichtig auch Menschen darüber hinaus zu erreichen. Das war dann aber gar nicht so einfach, weil ich nicht so mal zu Pro7 oder Sat1 hätte gehen können, weil die sagen: „Ne, die wollen wir nicht. Die ist ein RTL2-Gesicht.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von JAZZY GUDD (Offizielle Seite) (@jazzygudd) am Jan 18, 2020 um 1:52 PST

Das hat es mir schwer gemacht andere Menschen außerhalb von RTL2 mit meiner Musik zu erreichen. Das war einer der Hauptgründe. Die Zeit und die Kreativität, die man sonst in seine Musik fehlte ganz oft, weil man die gebraucht hat um täglich einer Rolle Leben einzuhauchen. Auch wenn mir das Ganze sehr viel Spaß gemacht hat und ich ein gewissen Talent habe, muss ich auch offen sagen, dass ich keine Schauspielerin bin. In erster Linie bin ich Musikerin und kann mir durchaus auch vorstelle mal wieder was im schauspielerischen Bereich zu machen, aber nicht über Jahrhunderte hinweg in einer Daily-Soap. Ich möchte dann auch weiterziehen, den Absprung schaffen und sehen welche Möglichkeiten es noch für mich gibt.

Was du wahrscheinlich auch öfter gefragt wirst: Kannst du dir vorstellen, da irgendwann wieder mitzumachen?Lustigerweise haben die mich angerufen und gefragt. Aktuell nicht. Aktuell finde ich das widersprüchlich. Ich meine, ich habe letztes Jahr angekündigt: Eule gibt’s nicht mehr. Riesen Abschlusskonzert und, und, und… und jetzt springe ich da wieder rum. Weiß ich nicht. Wie glaubhaft bin ich denn dann noch? Also super schöne Zeit, aber “Berlin Tag&Nacht” ist halt was, was darauf abzielt, dass man länger dabei ist. Für einen Gastauftritt, klar, vielleicht über einen kurzen Zeitraum, ein paar Wochen, drei, vier Monate von mir aus, aber mehr auch eigentlich nicht und auch nicht in naher Zukunft.

Eine Person aus “Berlin Tag&Nacht”, die einem die ganze Zeit ins Auge springt, ist Anne Wünsche. Da sind ja ihre Kinder und ihr Privatleben auch immer Thema. Verfolgst du das irgendwie? Hast du Kontakt zu ihr?
Also, Anne Wünsche habe ich ja nie kennengelernt. Die ist gegangen, bevor ich gekommen bin. Bei uns gibt’s gar keine Überschneidung. Und ja, ab und an bekommt man mal zufällig was mit, was gerade irgendwie im Gespräch ist. Witzigerweise ist Denise Temlitz, die neue Freundin von ihrem Ex, eine ehemalige Freundin von mir, wir waren zu Schulzeiten befreundet.

Sind auch immer noch cool miteinander, haben aber keinen engen Kontakt. Deshalb bekomme ich eher über diese Seite mit, was da gerade abgeht. Mit den Kindern und dem Vater und Anne macht da angeblich irgendwas.. aber so richtig interessieren tut mich das ehrlich gesagt nicht. Ich bin nicht der Typ, der sowas in der Öffentlichkeit ausschlachten würde und ich bin auch nicht so scharf darauf das alles zu sehen. Meistens überfliege ich das dann kurz und widme mich dann Themen, die ich eher spannend finde.

Wovon handelt deine neue Single “Okay”?
Also bei “Okay” geht es um eine Trennung, die ich verarbeite, aber auch um Menschen, die mich irgendwie zwischenmenschlich ein Stück weit enttäuscht haben, also nicht so für mich da waren, wie ich mir das gewünscht hätte und irgendwie, so ein Stück weit auch das Gefühl, die taffe Starke, die man so oft ist, bleiben zu müssen und diese Fassade nicht bröckeln lassen zu dürfen. So ein kleines Gefühlschaos, was da in der Songwriting Session hochkam, weil ursprünglich ging es halt wirklich um dieses Thema “Ey du bist doch ein starkes Mädchen, da kommst du doch schnell drüber hinweg”, so larifari Sprüche, bei denen man sich nicht ernst genommen fühlt.

Das war das Hauptthema. Als der Song dann entstanden ist, floss da natürlich noch so viel aus der alten Beziehung, aus der Trennungsphase und generellen Empfindungen mit rein. Da dachte ich mir dann immer: “Warum, nur weil ich 90% der Zeit immer stark bin und durchziehen, warum darf ich denn keine schwachen Momente haben?” Das ist so das Grundthema vom Song.

Dieser Song kommt ja aus einer sehr privaten Angelegenheit, du meintest, es geht um die Trennung, wie ist es denn dann den Song immer und immer wieder zu hören und zu performen? Gewinnt man dann Abstand dazu oder wie ist das?
Ne, Abstand nicht, aber es wird leichter. Ich hab den Song letztes Jahr im Januar geschrieben und dann war ich im März 2019 auf Tour und habe den dort auch sofort gesungen, weil der mir einfach super wichtig war und ich ganz viel damit auch verarbeitet habe und da war das noch ziemlich krass für mich. Jedes Mal, wenn ich den Song gesungen habe, habe ich auch alle gebeten ihre Handys wegzupacken, weil es so voll der Seelen-Striptease für mich war. Ich wollte halt dabei kein Handy die ganze Zeit ins Gesicht gehalten bekommen und da war das schon krass. Es gab ein paar Momente, wo ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin.

Gerade bei dem Köln-Konzert, mein Exfreund kommt aus Düsseldorf, und bei der ersten Tour war er mit seiner kompletten Familie dabei und ein Jahr später spiele ich wieder in Köln und wir sind nicht mehr zusammen, die Familie ist auch getrennt. Und dann singe ich da dieses Lied und da war ich schon echt hart an meinen Grenzen und kurz davor loszuheulen, habe auch am ganzen Körper gezittert. Das hat das Publikum auch gemerkt. Jetzt wird es immer leichter für mich. Aber es ist trotzdem immer so, dass diese Emotion noch super stark nach oben kommt. Auch beim Videodreh kam das hoch, also die Tränen kann man nicht so easy faken.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von JAZZY GUDD (Offizielle Seite) (@jazzygudd) am Jan 13, 2020 um 11:03 PST

Es war schon so, dass ich da in dieser Emo drin war. Das haben aber generell viele Künstler so. Ob du jetzt schauspielerst oder singst, du versetzt dich immer wieder in diese Emotion rein, aber es ist nicht mehr so schmerzhaft und kann dich auch nicht mehr so krass überrollen, wenn man es ne Weile gemacht hat.

Wie lang wart ihr denn zusammen?  Und hast du eine Reaktion von ihm auf den Song bekommen?
Ich weiß nicht, ob er den Song gehört hat. Wir haben keinen Kontakt mehr. Wir waren fast drei Jahre zusammen und er hat sich relativ unerwartet von mir getrennt. Es war so eine Nacht und Nebelaktion und ich wusste überhaupt nicht, was passiert ist und er hat mir auch nicht wirklich erklärt, was eigentlich los war und wieso er sich trennt.

Dabei gab es ganz lange Funkstille und er ist Fragen erst mal krass ausgewichen, weshalb es so schwer war für mich mit der Trennung klar zukommen, als dann das Nötigste geklärt war, also was wir mit der Wohnung machen. Wir haben ja zusammen gewohnt. Dann stand ein gemeinsamer Urlaub an: wie regeln wir das und danach, als das alles geklärt war, war dann auch totale Funkstille und Kontaktabbruch. Ich weiß also nicht, ob er den Song gehört hat. Ich weiß nicht, wenn er ihn hört, ob er mitkriegt, dass es um ihn und um uns geht, auch wenn die eigentliche Message ist: “Ey, es ist okay mal nicht stark zu sein und auch mal traurig und verzweifelt zu sein. Das gehört dazu, du musst jeder Emotion Platz lassen. Keine Ahnung ob er den hört, kennt und was er dazu sagt.

Hast du das Gefühl, wenn du jetzt Männer kennen lernen wollen würdest, dass deine Bekanntheit die ganze Sache schwer macht?
Schwierige Frage. Also, ich weiß nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es das nicht schwer macht, aber ich habe auch noch keine heißen Date-Phasen eingeschlagen, als dass ich das wirklich gut bewerten könnte. Jetzt kann ich dazu eigentlich noch gar nichts sagen, weil ich einfach noch nicht am Rumdaten bin. Klar, lerne ich immer Menschen, auch mal einen Mann kennen, aber ich habe superlange gebraucht, um mich von der alten Beziehung erstmal zu distanzieren und das zu verarbeiten, als dass ich da irgendwie Interesse für einen anderen Mann gehabt hätte in der Zwischenzeit.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von JAZZY GUDD (Offizielle Seite) (@jazzygudd) am Dez 24, 2019 um 3:47 PST

Kannst du dich noch an dein abgefahrendsten Fan-Erlebnis erinnern?
Die machen ständig irgendwelche komische, abgefahrenen Sachen. Die sind alle bekloppt, die Jazzy und Eule-Fans, aber auf superpositive Art und Weise. Es gibt so ein Video, was die geschnitten haben, das geht irgendwie neun Minuten mit Audios unterlegt, wo die mir alle Nachrichten hinterlassen haben, was sie mir schon immer mal sagen wollten. Das fand ich super super süß.

Es gab ein Mädchen, die hat mir zum Geburtstag einen Song geschrieben und den vor der Kamera performt. Das fand ich auch super niedlich. Es gibt immer Fans, die in Österreich wohnen und mit Fans, die hier in Dresden oder Leipzig wohnen, befreundet sind. Die sorgen dann dafür, dass die Österreicher mit zu dem Meet&Greets kommen können oder zu einer Convention, wo ich am Start bin, und dann überraschen mich da Fans, die ich sonst nicht sehen würde.

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