26.10.2020 18:48 Uhr

Julian Reim: „Ich meine, man hat Matthias Reim als seinen Vater …“

Wenn man den Namen Julian Reim das erste Mal hört, dann schreit einen vor allem der Nachname Reim an. Ja, ganz genau! Dieser Newcomer ist der Sohn von Rock- und Schlagersänger Matthias Reim (62).

imago images / Eibner

Doch Julian Reim hat nicht vor sich auf dem Nachnamen seines berühmten Papas auszuruhen, sondern will es selbst schaffen. Mit seinen beiden ersten Singles „Grau“ und Euphorie“ konnte er schon beachtliche Erfolge vorweisen. Mit Klatsch-tratsch.de hat der sympathische Sänger über seine Musik, Papa Matthias Reim und seine Pläne gesprochen.

Wie bist du denn dazu gekommen Schlager zu machen?
Ursprünglich komme ich ja aus der elektronischen Musik, ich habe viel produziert und Remixe gemacht.

Hast du auch mal aufgelegt?
Ich habe immer dran gedacht, aber ich kam einfach nicht dazu. Ich habe mein Abi gemacht und bin dann ins Tonstudio geflüchtet und habe mich dann erstmal in dem dunklen Raum nur um Musik gekümmert. Aber ich wollte auch immer singen, ich wollte immer Texte schreiben und ich habe dann erstmal versucht auf Englisch Texte zu schreiben, aber das war nie echt. Dann habe ich gedacht “Ich versuche es mal in meiner Muttersprache.” Ich meine, man hat Matthias Reim als seinen Vater, und er schreibt unfassbare Texte und ich wollte mich nicht in eine Konkurrenz Situation mit ihm bringen.

Für mein Ego ist es unglaublich wichtig Musik zu machen, aber ich wollte es lange Zeit nicht ausprobieren, weil ich Angst hatte: Was ist wenn ich nicht so gut bin? Oder wenn ich es einfach nicht kann? Und irgendwann habe ich mich dann getraut und da hat auch mein Papa gesagt: “Ey Julian, schreib doch mal auf deutsch. Ich möchte wissen, wie du auf deutsch denkst.” Und dann habe ich mich dazu getraut und ich war positiv überrascht, wie viel mehr Wert ich in die Worte gelegt habe. Im Englischen klingt alles toll was du sagst, es kann absolut sinnfrei sein und es klingt trotzdem toll.

Im Deutschen musst du es hinkriegen, eine schwere Sprache mit Wert zu füllen; ästhetisch klingen zu lassen, während die Sprache schwierig zu händeln ist. Und trotzdem muss, wenn du im Deutschen einen Satz sagst, er Bedeutung haben. Du kannst keine leeren Worte sagen, im Englischen kannst du leere Worte sagen. Das war so mächtig in meinem Kopf, dass ich mir gedacht habe: wenn ich deutsch schreibe, muss deutsch funktionieren.

Julian Reim: "Ich meine, man hat Matthias Reim als seinen Vater ..."

Foto: BrauerPhotos/BMC-Dominik Beckmann

Was hat dein Vater zu deinen ersten Gehversuchen gesagt?
“Ja endlich.” Mein erster Song, den ich auf deutsch geschrieben habe, war “Grau”. Und ab da ging es dann so; es klappt, ich kann das. Und da ich diese Sprache vorher noch nicht gebraucht habe für Musik, da kamen die Worte wie von selbst. Ich hab dann die Musik weiterkomponiert und hatte dann so viele Sachen, die ich eigentlich sagen wollte.

Hast du von deinem Vater auch so Tipps bekommen wie beispielsweise: „Arbeite nicht mit dem und dem zusammen?“
Nee, sowas weniger. Ich rufe schon an, wenn ich Fragen habe, sowas wie “Kann die Nummer funktionieren?” und “Was sollte ich als nächstes machen?” Wenn ich mal so eine Blockade habe. Während Corona habe ich gefragt: “Wie soll ich das händeln?” Und er hat gesagt: “Das weiß ich auch noch gar nicht, wie ich das händeln soll.”

Gibt es denn irgendwelche Tipps, die du ihm dann geben kannst?
Ich wünschte. Ich kann mir als Produzent seine Mixes anhören. Ab und zu habe ich dann Kleinigkeiten wie die Lead-Gitarre ein bisschen von links nach rechts pendeln, sonst höre ich deine Stimme nicht. Meist sind das technische Dinge, aber ich frage ihn, wenn es um berufliches geht, sehr oft um Rat. Aber es sind eher solche Fragen wie: “Ich habe jetzt das gemacht. Was soll ich jetzt tun?” Er hat das alles schon hinter sich, er hat da Routine drin und für mich ist das alles das erste Mal.

Was war dein abgefahrenstes Fan-Erlebnis?
Ich bin ja immer noch ein Newcomer, also mit so wenig Live-Shows… Vielleicht nach dem Schlager-Boom, dann warten sie da und das ist ja auch sympathisch. Es sind halt wirklich Hardcore-Fans, und das ist ja auch schön. Man fühlt sich dann wertgeschätzt. Das ist ja nur das was du siehst, dann kannst du halt nur assoziieren, wie fühlen die Leute, die ich nicht sehe? Jetzt in der Corona-Zeit fand ich es einmal uncool, als Leute vor meinem Hotel gewartet haben und dann nach Bildern winken. So, danke Leute, dass ihr hier seid und mich unterstützt, aber ich kann keine Autogrammkarten unterschreiben, ich kann nicht deinen Edding nehmen, und wenn wir ein Foto machen, dann stehe ich 1,5 Meter dahinter.

Wenn es dann irgendwo veröffentlicht wird ohne Maske…
Ja klar, natürlich wäre es auch super blöd, wenn andere das so sehen würden, dass man sich keine Gedanken drüber macht, denn das ist halt nicht so. Aber es ist halt auch so: Ihr kennt mich, aber ich kenne euch nicht. In einer globalen Pandemie kann ich leider nicht kuscheln, das tut mir leid. Ich mache ja super gerne Bilder, aber jetzt nur mit Abstand. Also Corona noch nicht unterschätzen.

Hast du irgendwelche Instagram-Nachrichten, die du mal bekommen hast?
Es gibt einen Unterschied dazwischen, einmal gibt es ja so unzählige “Hey”, “Hi”, “Hallo” und so weiter. Aber was die Leute nicht vergessen dürfen, ich lese mir das ja durch, also schreibt bitte nichts absolut bescheuertes. Auch wenn ich mal nicht antworte, wenn du mir eine wirklich schöne Nachricht schreibst, ich hab da schon Sachen gelesen, wo ich dachte “Wow, da hab ich jemanden wirklich bewegt.”

Antwortest du denn darauf?
Selten, deswegen sag ich es jetzt: Ihr wisst dann, dass ich es sehe, aber ich kann nicht auf jede Nachricht selbst antworten. Ich bin introvertiert, ich bin am liebsten für mich. Dafür habe ich einfach nicht die Kapazität.

Das kostet ja auch viel Zeit …
Genau, und dazu bin ich auch einfach zu introvertiert. Klar, ich lese das, aber ich gehe lieber ins Studio oder vor die Playstation, ich treffe mich mit Freunden und Familie. Da kapsel ich mich ein bisschen ab. Und dann mit all diesen sozialen Medien, da habe ich nicht die soziale Batterie für. Ich meine, auf einige habe ich geantwortet. Da war eine, die meinte dann irgendwie “Hey Julian, dein Song hat meiner Welt den Glitzer zurückgegeben.” Da habe ich nur geantwortet: “Wie geil hast du das formuliert, bitte?!” Das ist nämlich genau das, was ich damit wollte; dass jemand sich so fühlt. Danke.

Was sind deine restlichen Pläne für das Jahr?
Wir haben jetzt die dritte Single fertig und jetzt machen wir auch erstmal die “Euphorie”-Probe fertig – ich meine, ich liebe diesen Song so sehr – und dann bereiten wir uns darauf vor die nächste Single in die Startlöcher zu kriegen und dann wird es ein Winter-Release. Der Song ist so schön. Ich freue mich wirklich drauf, also wenn ihr das hört, das ist etwas was ihr von mir wirklich nicht erwartet hättet.

Dann freust du dich darauf, wenn die Konzerte wieder anfangen und du vor Publikum bist?
Ich würde gerne mal anfangen vor Publikum, denn ich hatte zwei Live-Auftritte und ich bin Studio-Musiker: Ich hab zwar mein Leben lang gesungen, aber ich hatte immer Kopfhörer auf und war vor meinem Computer. Ich würde so gerne mal dieses Gefühl haben, wenn ein paar Menschen einen dabei anschauen.

Also einfach Bühnenerfahrung sammeln?
Ich würde einfach gerne anfangen, endlich mal den Teil von diesem Job zu leben, wenn man wirklich mit diesen Menschen connected und die sich entscheiden dazu: “Ich kauf jetzt eine Karte nur um dich zu sehen.” Das ist irgendwie das krasseste, was ich mir vorstellen kann.