11.10.2020 21:39 Uhr

Julian Reim über den „Konkurrenzkampf“ mit Schwester Marie Reim

Wenn man den Namen Julian Reim das erste Mal hört, dann schreit einen vor allem der Nachname Reim an. Ja, ganz genau! Dieser Newcomer ist der Sohn von Rock- und Schlagersänger Matthias Reim (62).

Fotos: Anelia Janova & imago images / STAR-MEDIA

Dieser große Name bringt Vor- und Nachteile, erklärt der sympathische 24-Jährige im Interview mit klatsch-tratsch.de. „Ich konnte bei meinem Vater sehen, dass man als Musiker sehr erfolgreich sein kann. Das ist ja nicht selbstverständlich.“ Nun möchte es Julian selbst wissen und ist seit gut einem Jahr im Musikbusiness unterwegs.

Wovon handelt deine neue Single “Euphorie”?
“Euphorie” handelt von dem Gefühl, wenn man aus einer dunklen Zeit kommt, wo es einem nicht so gut geht. Unter diesen Umständen hat man aber endlich gelernt man selbst zu sein, was halt nicht selbstverständlich ist. Ich hatte in meinem Leben schon viel zu oft solche dunklen Momente. Ich bin eher introvertiert und kann zwar mit Freunden drüber reden, aber trotzdem, dieses Gefühl wieder rauszukriegen …

“Euphorie” habe ich am Ende einer Beziehung geschrieben und kurz davor und kurz danach auch noch geschrieben. Ich habe einfach gemerkt, wie befreit ich mich dann gefühlt habe, indem ich mich nicht mehr verstellen musste und wusste: Es ist gut so, wie es ist, und ich muss mich nicht mehr verstellen. Diese Freude, die ich dabei gefühlt habe, die kann jeder auch deutlich in der Musik hören.

Was versetzt dich sonst so in Euphorie?
Erstmal natürlich Musik. Ich liebe Produzieren und Komponieren. So richtig ausrasten und euphorisch werde ich dann im Tonstudio auf Mallorca mit meinem Produzenten, der ist auch mein bester Freund. Wenn wir es geschafft haben aus einer meiner Demos, meiner Vorproduktion, meiner Idee, etwas zu basteln aus man anfängt diesen Song rauszuhören. So, wir haben’s!

Wo wir noch Tage davor stehen können, so mit Arbeit und Rumgefummel. Aber wenn der Song da ist, und du runter ins Studio gehst und du anfängst einfach abzudancen. Jede Änderung, die du reinmachst, ist so: „Ja genau, man!!! Ja!!!“ Dann ist dann wirklich so euphorisch.

Also ganz mit Leidenschaft bei der Arbeit …
Das gehört dazu. Ich habe leider noch nicht so viel Bühnenerfahrung, aber das, was ich bisher mitgekriegt habe – okay, das waren halt auch gigantische Highlights. Es war ja Schlagerchance (Leipziger Wettbewerb) – das fand ich schon geil. Dann zum Schlagerboom eingeladen zu werden, vor dieser Menschenmasse zu stehen und sie buhen dich nicht aus, sondern sie jubeln, und die Leute können dann den Text mitsingen teilweise.

Hast du bei deinen Auftritten noch Lampenfieber?
Lampenfieber doch. In den fünf Minuten vor dem Auftritt realisiere ich eigentlich nie genau, was eigentlich passiert. So, du tauchst einfach in der Stadt auf, gehst ins Hotel, ich brauche eigentlich gar nicht drüber nachzudenken, was dann noch den Tag so passiert, aber dann, wenn du vor oder hinter der Bühne wartest, so kurz davor bist und auf ein Zeichen wartest, auf die Bühne zu gehen, dann kommt das Adrenalin an. Du denkst dir so “Verdammt. Kann ich das? Mach ich das?” und dann kommt das “Go!” und dann kannst du nicht mehr nachdenken. Dann machst du einfach nur. Und das macht so einen Spaß!

Dann arbeitest du automatisch quasi?
Genau, ich erinnere mich auch eigentlich nie daran, was ich gemacht habe. Ich komme runter von der Bühne und frage “Wie war ich?”, da kommt dann “Geiler Move.” und ich frag nur “Welcher Move?” Es ist immer ein bisschen wie in Trance.

Deine Schwester Marie macht auch Musik. Habt ihr da ein bisschen Konkurrenzdenken?
Sehr schwierige Frage. Eigentlich überhaupt nicht. Ich wünschte, ich könnte da jetzt was interessantes sagen, aber wir leben ein, zwei S-Bahn-Stationen auseinander und wir sehen uns eigentlich jede Woche wenn wir Zeit haben. Spielen uns neue Songs vor, neue Ideen, reden über Liebe und Zeugs, witzeln rum, wenn es halt irgendein Problem gibt, dann tauschen wir Tipps aus. Wir konnten uns schon viel weiterhelfen.

Wie oft hat man das, dass ein Geschwisterchen den selben Job ausübt? Ich meine, ich habe ein halbes Jahr Vorsprung. Sie hat ja jetzt auch ihr Album draußen und mehrere Singles und wir beide machen den Job aus Liebe zur Musik. Wenn man dann sieht, dass ein Familienmitglied – wir haben ja sogar mehrere – diesen Job genauso liebt, wie du selbst, dann ist das toll. Man wünscht sich nur das Beste. Ich meine, es ist Familie.

Da ist Konkurrenzdenken auch ein bisschen fehl am Platz …
Ja, dann würde man aber auch ein furchtbarer Mensch sein, wenn man seiner Schwester das nicht gönnt.

Wobei das ja auch ein bisschen ein Ansporn sein kann, wenn man so denkt …
Ein Ansporn auf jeden Fall. Man möchte ja auch erfolgreich werden, aber es ist eher ein Miteinander statt Gegeneinander.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Julian Reim (@julianreim_official) am Feb 14, 2020 um 3:45 PST

Könntet ihr euch denn vorstellen mal gemeinsam einen Song rauszubringen oder arbeitet ihr vielleicht schon dran?
Wir sind absolute Newcomer. Marie existiert im Fernsehen und halt in dieser Branche seit einem halben Jahr und ich seit einem Jahr. Ich habe bisher zwei Singles draußen, arbeite daran meine dritte rauszubringen und Marie hat ihr erstes Album draußen. Wir sind so neu, wir möchten uns erstmal etablieren. Wir sind trotzdem ehrgeizige Musiker, die natürlich sich selbst erstmal etablieren wollen, bevor man drüber nachdenkt, mit der Familie ein Duett zu machen. Wir sagen nicht Nein dazu, aber wir sagen auf jeden Fall: Nicht jetzt.

Es gibt ja in den letzten Jahren immer mehr junge Leute, die Schlager machen. Was meinst du steckt dahinter?
“Schlager” ist ein unfassbar spezifisches Wort für eine Musikszene, die so vielseitig und groß ist. Ich finde, eigentlich müsste man da mehrere Worte finden, um das zu unterteilen, denn unter Schlager fällt Volksmusik, oder selbst Stereoact zählen als Schlager.

Ich habe mich auch immer gefragt, wie es sein kann, dass Künstler wie Ben Zucker, Matthias Reim und Christin Stark; alles rockigere Künstler – ebenfalls unter den Begriff Schlager fallen – wie Kerstin Ott oder Pietro Lombardi: Was ist denn dann eigentlich “Schlager”? Die einzige Antwort, auf die ich gestoßen bin: Die Schlager-Fans; die Menschen entscheiden was Schlager ist. Du kannst etwas Schlager nennen, so sehr wie du möchtest, aber wenn die Schlager-Fans das nicht als Schlager akzeptieren, dann ist es kein Schlager.

(DA)

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