Sonntag, 29. März 2020 17:20 Uhr

Klan: „Die Fassade steht – eigentlich prügeln wir uns nur!“

Julian Mathieu

Es schien als sei 2020 das große Jahr für dir Brüder Michael und Stefan Heinrich und ihrer Band Klan. Ihr Song „Baby Baby“ gilt unter Pop- und Indie-Fans als der heiße Scheiß der Stunde.

Doch dann brach die große Corona-Krise über der Welt zusammen. Aber davon wollen sich die singenden Brüder nicht bremsen lassen und machen einfach weiter – und zwar von Zuhause!

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von KLAN (@klanmusik) am Mär 18, 2020 um 1:33 PDT

Wie kommt euer Name eigentlich zu Stande?
Wir sind Brüder und haben anfangs nach einem Namen gesucht – und der war noch frei. (lacht)

Die Namens-Story um euer neues Album „Winterseite“ ist aber spektakulärer …
Wir kommen aus einem sehr kleinen Dorf aus Sachsen – zwischen Dresden und Leipzig. Da wohnen nur 300 Leute, da gibt es sogar noch so Hochlandrinder und es gibt genau zwei Straßen. Eine heißt Winterseite und die andere Sommerseite.

Hat das „Halbum“ – wie ihr es nennt – in Sachen Winter noch eine tiefere Bedeutung?
Wir hatten Songs geschrieben und wollten es so rausbringen. Dann ist aber immer die Frage, wie man das in einen Körper herausbringt. Da steht man dann vor Fragen wir: Man hat 14 Songs – Bilden die jetzt ein Album ab? Für mich sind alle Songs so unterschiedlich, dass ich voll lust habe alles in verschiedenen Songs zu erzählen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von KLAN (@klanmusik) am Mär 12, 2020 um 2:04 PDT


Dieses Aufteilen in zwei Seiten mit Winter-und Sommerseite hat dann die Möglichkeit geboten das Ganze in kleinere Grüppchen zu teilen. Mit der Winterseite haben wir ein „Halbum“ gemacht, mit dem man ganz gut durch den Winter kommen kann. Selbst wenn man ein bisschen für Winterdepression anfällig ist. Man kennt das ja, wenn die Sonne zu wenig scheint und man Vitamin D-Mangel hat. Ich glaube, dass die Winterseite einem da Kraft geben kann.

Ihr habt es eben angesprochen. Ihr seid Brüder: Wie ist es als Familie zusammen Musik zu machen? Wie schafft es ihr es private Streitereien aus dem beruflichen Alltag zu trennen?
Die Fassade steht – eigentlich prügeln wir uns nur. (lacht) Nein, es geht in beide Richtungen. Wir merken sehr viele Synergien, weil wir so ein blindes Verständnis haben. Auf der anderen Seite haben wir Probleme, die wir mit anderen Menschen nicht haben. Beim Streiten geht es irgendwie tiefer. Man weiß wie man den anderen trifft. Da kennt man sich manchmal vielleicht sogar zu gut.

Eure aktuelle Single „Baby Baby“ wird gerade mega gehypt. Kommt dieser Erfolg überraschend für euch?
Es geht. wir haben ja die ganze Zeit daraufhin gearbeitet. Es ist lustig da selbst darüber zu sprechen, weil man es selbst ja irgendwie anders wahrnimmt, wie es draußen wahrgenommen wird. Das heißt: wir fühlen uns noch immer als die Typen, die wir vor dieser Nummer waren. Es ist aber spannend was das auf längere Sicht mit einem macht. Ob man irgendwann gar keine Freizeit mehr hat. Gerade ist es einfach schön das zu sehen und die Reaktionen darauf zu bekommen. Das ist sehr geil und dafür arbeiten wir die ganze Zeit.

Wovon handelt der Song?
„Baby Baby“ handelt vom Scheitern, vom sich überwinden und dem offenen Umgang damit. Für mich war Inspiration ein Typ aus meiner alten Fußballmannschaft, der mit Abstand der schlechteste Spieler war. Ich habe mich vor gut einem Jahr mit meiner alten Mannschaft getroffen und von denen spielt kaum noch jemand. Aber dieser Typ spielt immer noch. Es ist krass zu sehen, wie er sich durchgebissen hat.

Wann seid ihr denn das letzte Mal gescheitert?
Jeden Tag, würde ich sagen und zwar an unserer Verständigung. Als Brüder zusammenzuarbeiten ist nicht immer einfach. Wir haben Tage, an denen wir wirklich abbrechen müssen, weil wir uns zerstritten haben. Dann müssen wir am nächsten Tag wieder von vorne anfangen und uns überwinden. Wir müssen uns dann wieder in den Arm nehmen und neu durchstarten.

Worüber könnt ihr euch gut streiten?
Um alles, was sich nicht direkt um uns dreht.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von KLAN (@klanmusik) am Mär 24, 2020 um 1:57 PDT

Lasst uns über das „Baby Baby“-Video reden. Wie kam es zu der Titanic-Szene?
Wir haben vor drei Musikvideos damit gestartet, dass wir uns immer eine legendäre Filmszene ausgesucht haben, die wir zu zweit nachspielen. Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir daraus eine Reihe gedreht haben. Bei „Baby Baby“ geht es ja um das Scheitern, sich öffnen und über das sich nackig machen. Dafür ist diese „Titanic“-Szene, in der Jack Rose zeichnet. Stefan steht und liegt nackt vor mir und es war einfach eine schöne Szene für diesen Inhalt. Es geht um Überwindung und Stefan musste sich dabei auch überwinden.

Das muss ja ganz schön intensiv gewesen sein, da nackt vor dem ganzen Team zu drehen …
Stefan hat das Eis am Anfang ganz gut gebrochen. Er hat als das Filmteam kam schon gleich nackt die Tür geöffnet. (lacht) Er wurde ganz kurz ausgelacht und dann war es extrem professionelles Arbeiten. (lacht).

Das Video kommt ja echt gut an. Allerdings habe ich schon mehrere Kommentare darunter wie den hier gesehen: “Ihr seid zwar Brüder aber warum spüre ich da diese sexuelle Spannung?“ Was denkt ihr euch bei solchen Kommentaren?
(lacht) Ich kann das total nachvollziehen. Wir wissen ja auch, dass das ein schmaler Grad zum cringeigen Gefühl ist. Was machen die? Es kann aber auch spannend sein. Das ist glaube ich auch das, wo wir reinwollen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von KLAN (@klanmusik) am Feb 18, 2020 um 1:08 PST

Was war eure abgefahrenstes Fan-Erlebnis?
Was ich voll niedlich fand war die Einladung von zwei Frauen – die sich wohl informiert hatten und 50 Meter von Michaels Wohnung in einem Cafe gewartet haben. Die haben gefragt, ob wir am Freitag mit ihnen etwas unternehmen möchten. Das war zwar cool, aber auch etwas über die Schwelle. Ich hätte es zwar in Erwägung gezogen, aber wir hatten leider keine Zeit. 

Lasst uns über eure seltsamsten DM’s bei Instagram reden …
Es war ja schon immer so, dass wir öfter als ziemlich gay wahrgenommen wurden und Leute aus der LGBTQ-Szene dachten, dass wir ebenfalls schwul sind. Aber auch auf der anderen Seite gab es annahmen. Wir haben sogar einen ziemlich fiesen Shitstorm bekommen, weil wir ein Foto auf dem wir uns umarmt haben – oder irgendwas gemacht haben, dass stabile HipHop-Jungs vielleicht nicht machen – gepostet haben.

Da haben dann Leute, die uns überhaupt nicht kannten, gefragt ob wir schwul sind und haben lauter Kotz-Smileys darunter gesetzt und uns gesagt wir sollten zum Arzt gehen. Das war echt krass.

Das könnte Euch auch interessieren