01.11.2020 18:14 Uhr

Matthias Reim über Corona, seine Ex Michelle und die Kinder

Eigentlich hätte Matthias Reim in den letzten Monaten genügend Gründe dafür gehabt, den Erfolg seines aktuellen Albums MR20 in aller Ruhe zu genießen, doch dann kam Corona und machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

imago images / Eibner

Im Gespräch mit Klatsch-tratsch.de verriet der 62-Jährige wie sich sein Leben durch die weltweite Pandemie verändert hat und warum er niemals an einer Realityshow teilnehmen würde.

Wovon handelt deine neue Single “Nächster Sommer”?
Der Song handelt von Sehnsüchten, von Träumen und von Dingen, die man zurückhaben will, weil sie schön waren. Wie man auch im Video sehen kann, geht es zurück zum Feiern, zum Konzerte spielen. Es kann aber auch das Wiedersehen einer Sommerliebe sein. Ich habe es extra relativ offengelassen, habe aber den Lockdown emotional beschrieben. Ganz nach dem Motto: So, es reicht! Wir machen den Laden jetzt dicht!

Du hast es mit dem Lockdown eben angedeutet: Was ist dein persönliches Fazit zu 2020?
Es war ein Jahr, wie es das einfach noch nie gegeben hat. Für viele Menschen war es eine wirtschaftliche Katastrophe. Darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Ich hatte plötzlich grauenhaft viel Zeit. Also gab es für mich nur eine Frage: Was mache ich mit dieser Zeit? Ich habe die gewonnene Zeit genutzt, um Songs zu schreiben und zu produzieren – endlich einmal ohne Zeitdruck. War quasi rund um die Uhr in meine eigene Welt eingesperrt. Die bestand aus meiner Familie und meinem Studio.

Du hast also die Chance in der Krise erkannt …
Genau, Corona ist auch eine Chance. Es sind ja Dinge gekommen, nach denen wir uns gesehnt haben oder zumindest ich mich: Zeit! Aber auch die Möglichkeit, Dinge zu überdenken und sich Fragen zu stellen wie: Was machst du eigentlich da draußen? Wie sehen deine Konzerte aus? Ist das gut genug? Ist es das, was du abliefern möchtest? Ich habe Zeit gehabt mir alles anzuhören, umzuplanen, habe meine Band erneuert.

Wir werden uns künftig mehr Zeit nehmen, um uns auf Tourneen vorzubereiten. Wir wissen zwar nicht wann es wieder losgeht, aber wir werden einsatzbereit sein. All das, worüber ich normalerweise aus Zeitmangel hinweggesehen habe, werde ich anpacken. Man sollte sich nicht von dem aktuellen Blues unterkriegen lassen, sondern jetzt richtig anpacken, denn so eine Chance wie jetzt bekommt man nie wieder.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Matthias Reim (@reim.matthias) am Mär 25, 2020 um 9:32 PDT

Corona hat die Musik-und Unterhaltungsbranche sehr hart getroffen. Die Situation bringt Leute dazu Dinge zu machen, die sie normalerweise nie gemacht hätten. Beispielsweise an Realityshow-Formaten mitmachen. Ist das eine Sache, die du dir auch vorstellen könntest?
Never Ever! Niemals! Ich bin Musiker und kein Darsteller. Ich muss mich nicht irgendwo für Geld zum Affen machen. Ich bin Gott sei Dank – auch wirtschaftlich – nicht in der Situation, dass ich nur ansatzweise darüber nachdenken würde.

Schaust du selbst solche Formate?
Nein, ich gucke überhaupt gar kein Fernsehen. Die Zeit, die Leute abends nutzen zum Fernsehen, die verbringe ich im Studio und fühle mich pudelwohl. Das ist meine kreative Zeit. Durch social Media bekomme ich die ganzen Sachen vom Sommerhaus, Bachelor und wie sie nicht alle heißen, immer nur am Rande mit. Jeder soll machen, was er möchte, aber ich bin Musiker. Meine Aufgabe ist es Musik zu machen und wenn es wieder geht, Hallen und Arenen zu füllen. Das ist mein Weg nach unfassbar vielen verkauften Platten und Konzerten.

Deine Kinder Julian und Marie starten gerade beide im Musik-Biz durch. Welche Ratschläge hast du ihnen mit auf den Weg gegeben?
Ich habe ihnen gesagt, dass sie nur erfolgreich werden können – und da hilft ihnen auch Papas Nachname nichts – wenn sie eigenständig sind. Ein Künstler muss eine eigene musikalische Identität haben und das würde ich jedem sagen. Außerdem vorsicht mit Trash-TV! Die Anfragen werden kommen, aber den Stempel wird man nicht mehr los. Wenn es euer Wunsch ist ernsthaft Musiker oder – von mir aus auch – Schlagersänger zu werden, dann geht diesen Weg nicht, auch wenn das schnelle Geld lockt. Don’t do it!

Wird es irgendwann einen Familiensong geben?
Das schließe ich nicht aus. Ich kann mir alles vorstellen – aber erst – wenn Marie und Julian sich als eigenständige und akzeptierte Künstler etabliert haben. Ganz egal ob als Konzert oder Fernsehsendung – das könnte alles reizvoll sein. Ich möchte aber, dass sie dann anerkannt sind als eigenständige Musiker und nicht, dass es heißt: “Ach guck! Papa hat die mitgenommen! Sonst wären die nicht da.” Sie haben aber einen Vorteil: Wenn sie sich etabliert haben, dann kann ich große Türen aufmachen.

Vor wenigen Wochen ist das neue Album „Anders ist gut“ von Michelle erschienen. Hast du schon reinhören können?
Ich habe ihre erste Single gehört und das Video angesehen und ich find es sehr gut. Eines der besseren Songs und ein tolles Video. Ich kann nur sagen: Respekt! Gut gemacht!

Wie gefallen dir der neue Look und die Haarfarbe?
Joa, weiß ich nicht. Ich kenne sie als Blondine. Ich müsste mich da noch dran gewöhnen. Frauen müssen sich immer wieder neu erfinden. Das brauchen wir Männer Gott sei Dank nicht!

Was sind deine Pläne für das restliche Jahr?
Ich habe aktuell nur ein Ziel, das ich gerade vorbereite: Wenn sich 2021 wieder die Bühnen und das Leben öffnen, möchte ich dann besser und vorbereiteter denn je auftreten. Damit beschäftige ich mich im Moment sehr. Die Zukunft der Musiker ist ganz klar das Live-Geschäft. Ich kann Konzerte spielen und die Menschen werden kommen. Ich kann sie auch dazu bringen in den nächsten 20 Jahren zu kommen, also muss ich etwas abliefern, das massiv gewachsen ist. Vor allem nach so einer langen Pause. Die Leute werden voller Erwartungen sein und die möchte ich nicht enttäuschen. Durch Corona habe ich jetzt auch die Zeit das vorzubereiten.

Machst du aktuell auch mehr Sport?
Ja, sonst habe ich ja jedes Wochenende 2,5 Stunden auf der Bühne gespielt und das ist ja wirklich Sport. Das macht ja etwas mit dem Körper. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, deshalb mache ich jetzt gnadenlos viermal die Woche in meinem Gym – ich habe zum Glück mein eigenes – mit einem Personal Trainer Sport. Ich ziehe dann da wirklich hart durch, auch wenn ich manchmal absolut keinen Bock darauf habe mich aufzuraffen.

Hast du einen großen inneren Schweinehund?
Nein, weil ich inzwischen weiß, dass ich – wenn ich 10 bis 12 Minuten in meinem kleinen Sportstudio bin – so gute Laune kriege und mich freue, dass ich es gemacht habe. Ich mache erst 10-15 Minuten Cardio-Training um warm zu werden. Dann geht es an die Mucki-Maschinen und durchziehen. Beine und Oberkörper, weil es das ist, was man am meisten sieht. A) muss ich beweglich bleiben und und B) möchte ich im Alter von bald 63 auf der Bühne nicht wie ein alter Mann aussehen.

Was hörst du so beim Training?
Ich höre immer das gleiche! “Ordinary Man” – das Album von Ozzy Osbourne. Ich kenne das in- und auswendig, weil es seit Februar bei mir in Dauerschleife läuft.