Sonntag, 7. April 2019 20:15 Uhr

The Cranberries über den Tod von Dolores und das Ende der Band

Nach dem tragischen und zugleich mysteriösen Tod von Sängerin Dolores O’Riordan Anfang letzten Jahres veröffentlichten die verbliebenen Mitglieder von The Cranberries nun ihr Abschiedsalbum, das den bezeichnenden Titel „In the End“ trägt. klatsch-tratsch.de-Musikexperte Dennis traf sich mit der irischen Band zum allerletzten Interview als Band.

Foto: Dennis Agyemang

Foto: WENN.com

Was ist das Konzept von eurem neuen Album?
Also, wir haben mit dem Schreibprozess begonnen, bevor Dolores gestorben ist. Als sich alles beruhigt hatte gingen wir durch, was wir bis dahin erarbeitet hatten und dachten, dass es ein starkes Album sein würde. Und wir entscheiden uns – nachdem wir mit Dolores Familie gesprochen hatten – dafür, das Album zu Ende zu bringen. Das ging alles ganz schnell, in zwei oder vier Wochen. Wir waren im Studio bei den Aufnahmen und wir dachten, es wäre ein gutes Ende für die Band. Es soll auch eine Würdigung von Dolores Arbeit sein. Ich glaube, wir haben das erreicht.

Also wird das definitiv das letzte Album? Gibt es sonst noch Aufnahmen?
Nicht, dass wir wüssten. Es gab einige Stücke, die nicht zu Ende geschrieben waren, aber wir setzten die Ansprüche an dieses Album sehr hoch. Wir wollten einen sehr guten Sound und fertige Songs. Also es gab Versatzstücke von Songs, die konnten wir aber nicht für das Album verwenden.

Also, es werden nicht postum noch mehrere Alben wie bei 2Pac auftauchen? (lacht)
Nein, nein (lacht) so wird es nicht sein.

Könntet ihr euch vorstellen, mit einer anderen Sängerin zu arbeiten?
Nein. Nein absolut nicht.

Oder vielleicht selber zu singen?
Nein, das will definitiv keiner hören (lacht). Die Dusche ist der einzige Ort, an dem wir singen. Da ist die Musik richtig laut aufgedreht, so dass man die Stimme nicht hört. (lacht) Wir können nicht singen.

Quelle: instagram.com

Was habt ihr nach der Band geplant?
Das ist schwer zu sagen. Wir waren alle so fokussiert darauf, dieses Album rauszubringen, dass wir darüber noch nicht nachgedacht haben. Aber jetzt, wo wir in Interviews öfter danach gefragt werden, denken wir mehr darüber nach. Aber ich denke, unsere Einstellung ist es, erst an den Punkt zu gelangen, an dem dieses Album veröffentlicht ist und dann zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Ich denke, nach dem Jahr Arbeit, das in diesem Album steckt – ich weiß nicht, wie das bei den anderen Jungs ist,  aber ich werde mir erstmal ein paar Monate ruhe gönnen, bevor wir wieder zusammenkommen. Dann kann man schauen, was man macht.

Dolores sagte, es wäre einfacher für sie Musik zu schreiben, wenn es ihr nicht gut ging. Warum?
Das Schreiben ist für sie eine Möglichkeit gewesen, alleine mit ihren Gedanken zu sein. Sie fand es einfacher zu schreiben, wenn sie etwas sehr bewegte. Und das ist auch bei diesem Album so, wir konnten die Musik gar nicht schnell genug zu ihren Texten schreiben, weil in den letzten Jahren so viel in ihrem Leben passierte, dass sie eine Menge zu sagen hatte. So ging sie immer vor, sie fand es einfacher … Wenn sie eine schwere Zeit hatte, persönlich oder emotional, fiel es ihr leichter zu schreiben. Das ist es, was sie mit diesem Zitat meinte. Sie war nie in der Stimmung zu schreiben, wenn sie eine gute Zeit hatte.

Temptation Island

Foto: Dennis Agyemang

Erinnerst du dich an den Moment, an dem du von ihrem Tod erfahren hast?
Ja, wir waren alle zu Hause. Ich erinnere mich, dass mich ihr Bruder anrief. Es war so zehn vor eins an diesem Montag. Ich habe immer wieder gefragt: „Was meinst du?“ Ich konnte es einfach nicht begreifen. Ein oder zwei Tage vorher redet man noch mit dem Menschen. Es ist ein ganz normaler Montag und dann erfährt du so etwas. Ich rief dann sofort die Jungs an. Wir waren alle ziemlich geschockt. Wenn man in seinen Vierzigern ist, dann denkt man, dass man noch ein langes Leben vor sich hat und dann erfährt man so was … Das ist schrecklich aufzunehmen.

Mit welchen Gedanken denkst du an eure Karriere zurück? Was war dein Lieblingsmoment mit der Band?
So gibt es so viele. Als wir von Dolores Tod erfuhren, da kamen all die alten Erinnerungen aus den frühen Tagen hoch. Wie wir geprobt haben, an unsere erste Tour, das erste Album. Da gibt es viele Erinnerungen. Wir hatten viel Spaß, es gab diese starke Energie. Damals war das alles neu. Wir bereisten die Welt. Wir hatten eine fantastische Zeit und alle haben es genossen.

Ihr habt in der langen Zeit sicherlich einige verrückte Leute getroffen…
(lacht) Wir hatten nicht genug Zeit Leute zu treffen … Wir haben es immer wertgeschätzt, dass wir so viel Fans hatten. Manchmal fiel es uns nur schwer uns in sie hinein zu versetzen. Ich erinnere mich an Situationen, in denen wir Autogramme gaben und Leute weinend und zitternd zusammengebrochen sind. Wir fühlen uns geehrt und glücklich, wenn wir Leidenschaft und Emotionen in Menschen wecken. Es gab Leute, die auf dem Weg zu unserem Konzert einen Autounfall hatten und sich dann selbst aus dem Krankenhaus entließen, um uns zu sehen. Dolores hatte aber viel mehr Fans, als wir anderen. Es gab einen Typen, der hatte ein Tattoo von ihr, sie unterschrieb dann darunter und beim nächsten Mal war das Autogramm eintätowiert. Im letzten Jahr haben wir viele Leute gesehen, die Dolores- Tattoos hatten.

Könnt ihr das Gefühl beschreiben, wenn ihr  „Zombie“ heute zu hört?
Ich höre ihn mir nicht oft an. Es ist, als würde man ein Fotoalbum aus einer bestimmten Zeit anschauen, es bringt einen dahin zurück.

Ihr habt den Moment, als ihr den Song aufgenommen habt in Interviews als „magisch“ beschrieben. Was war dabei für euch so besonders?
Besonders für uns war der Ort, an dem „Zombie“ geschrieben wurde. Wir hatten eine kleine Hütte, die war kleiner als der Raum hier, da haben wir geprobt. Es war eiskalt …Wir haben ihn auch zuerst live gespielt, damals waren wir noch in Limerick.

In eurer Zeit als Musiker sind einige gekommen und gegangen. Gibt es jemanden, von dem ihr gerne ein Comeback sehen würdet?
Ich würde R.E.M. gerne wieder sehen. Wir waren große Fans von ihnen und es war eine große Ehre mit ihnen zu spielen.

Quelle: instagram.com

Was sind eure Pläne für das restliche Jahr?
Wir machen Promo für das Album. Die nächsten Wochen sind wir in Europa unterwegs, danach in den Staaten, unter Umständen auch Südamerika, dann Kanada. Sie halten uns beschäftigt.

Wenn ihr das Angebot für eine Hologram-Tour bekämt, würdet ihr das machen?
Nein. Um Gottes Willen.

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