Samstag, 9. Mai 2020 18:25 Uhr

The Naked and Famous im großen Corona-Interview

Larsen Sotelo

Die Indiepop-Pioniere von The Naked and Famous wollten nach einer kurzen Verschnaufpause eigentlich mit Pauken und Trompeten  zurückkehren, doch dann kam Corona dazwischen und legte die ganze Welt lahm.

So müssen auch Alisa Xayalith und Thom Powers Zuhause in Selbstisolation auf das Ende der Pandemie warten. Mit klatsch-tratsch.de sprach das Duo über ihr neues Leben, Corona und damit verbundene Veränderungen.

Krank oder gesund?
AX: Gesund
TP: Wir sind alle nur eine Diagnose von „gesund“ entfernt. Glücklicherweise kann ich gerade über nichts Körperliches klagen. Ich bin am Leben.

Was ist in Eurem Alltag jetzt anders?
TP: Da wir beide aus unseren Heimstudios arbeiten, hat sich um ehrlich zu sein nicht so viel für uns verändert. Wir sind zwar keine superreichen Promis, aber wir wissen wie privilegiert wir sind. Unsere Gedanken sind bei all denen, die gerade vor einer ernsten Krise stehen. Da wir wissen, durch was für eine schwere Zeit Menschen im medizinischen Bereich gehen, können wir uns nicht beschweren. Dieses Video, in dem all diese Promis „Imagine“ singen, war wirklich das Mindeste, was sie leisten konnten, um auf diese Problematik hinzuweisen. Außerdem ist es eine subtile Erinnerung daran, dass Ironie in Hollywood kein geschätztes Gut ist. Immerhin geht es hier um Weltstars, die aus ihren Villen posten, dass wir „alle im selben Boot sitzen“. Aber sind wir mal ehrlich: Nein, das tun wir nicht.

AX: Wie Thom eben schon erwähnt hat, hat sich für uns nicht viel verändert, da wir viel von Zuhause arbeiten. Eine Sache, die sich aber verändert hat, ist aber die, dass ich meine Freunde nicht sehen oder umarmen kann. Allerdings habe ich jetzt halt die Option mir einen Kaffee to go zu holen und an den Strand zu gehen.

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Wie schätzt Ihr die Situation für Kunst und Kultur ein?
AX: Die Kunstwelt befindet sich momentan im Stillstand. Es ist beinahe so, als ob jeder lernen würde mit ihr in einer Fernbeziehung zu sein. Wir leben in einer Zeit der Fülle und einer komischen Art der „Wegwerf-Kreativität“ mit Dingen wie TikTok. Wenn ich das Bedürfnis nach etwas mit Sinn und Beständigkeit habe, dann widme mich meinen Lieblingsplatten, Büchern und Filmen. All diese Dinge, bei denen sich Zeit gelassen wurde, um sie fertigzustellen. Diese Dinge wurden handverlesen. Ich hoffe, dass die Menschen nach dieser Pandemie eine neue Wertschätzung für richtige Kunst, die nicht aus der Mikrowelle kommt, empfinden.

TP: Die Streaming-Zahlen sind signifikant runtergegangen. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Menschen Musik gerne als kleine Rettungsinsel in ihrem sonst stressigen Alltag nutzen. Morgens beim Pendeln oder in einer einsamen Mittagspause. Es ist sehr schwer die langfristigen Auswirkungen vorauszusagen. Die Wirtschaft hat schon immer eine Auswirkung darauf gehabt wie Musik kreiert und konsumiert wurde.

Die traditionellen Musikstudios werden definitiv leiden und das könnte sich als Dämpfer auf weitere Platten auswirken, die gemacht werden. Ich habe gelesen, dass das neue Album von Fiona Apple mit einem kostenlosen Programm namens „Garageband“ gemacht wurde. Bei der meisten Kunst ist das Medium nicht ganz so wichtig. Die Emotionen, der Intellekt und die Auswirkung auf das Publikum sind im Resultat das, worauf es ankommt.

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Wie können Künstler in Krisen ihre Reichweite sinnvoll nutzen? Wie nutzt ihr eure?
TP: Die Antwort ist ja wohl offensichtlich. Alle Personen von öffentlichem Interesse sollten ihre Plattformen dafür nutzen, um auf Experten zu verweisen. Wir müssen aktiv auf falsche Informationen, Aberglauben, Voreingenommenheit und fragwürdige Theorien achten. Falls ihr einige dieser Worte nicht kennt, dann solltet ihr ihre Bedeutung lernen und sie in euer Leben lassen.

Ich denke, wir haben unseren Teil erledigt, in dem wir wichtige News geteilt haben und die Menschen darum gebeten haben sich an die vorgegebenen Regeln zu halten und auf sich aufzupassen. Wenn es jetzt darum geht irgendwelche Idioten davon abzuhalten sich Desinfektionsmittel zu spritzen, dann geht das über unsere Möglichkeiten hinaus. Wenn jemand mit handfesten Beweisen nichts anfangen kann, dann sind wir auch am Ende unseres Lateins. Ich meine welche Beweise sollen wir liefern, um sie vom Gegenteil zu überzeugen?

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von The Naked And Famous (@thenakedandfamous) am Mai 8, 2020 um 10:25 PDT

Gibt es Dinge, die Ihr schon immer mal machen wolltet und für die ihr jetzt Zeit bleibt?
AX: Mehr Bücher lesen und weniger Zeit auf den Bildschirm starren. Mehr schlafen, mehr malen und gärtnern. Ich telefoniere auch häufiger mit meiner Familie.

TP: Es gibt zwar viele Dinge, die ich gerne machen würde, die ich aber trotzdem nicht mache. Ich denke, das ist eine global empfundene Ironie: Ich habe alle Zeit der Welt, aber im Moment nicht annähernd genug Motivation oder Disziplin.

Noch genügend Nudeln und Klopapier im Haus?
AX: In meinem Haushalt benutzen wir nur das, was wir wirklich brauchen.

Was habt ihr als letztes mit euren Handys fotografiert?
AX: Meinen Hund Ginger. Unsere erste Single „Sunseeker“ ist übrigens über sie. Jedenfalls hat sie mich heute morgen im Bett – als ich aufwachte – angestarrt.

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