Milka Loff Fernandes und Monika Scheddin: Dos and Don’ts bei Freundschaften

dpadpa | 05.11.2021, 14:18 Uhr

Foto: IMAGO/ Eventpress

Freundschaften zu pflegen, ist gar nicht so leicht. Zu unterschiedlich sind die Erwartungen und nicht jeder gibt gleich viel. Die Autorin und die Ex-Viva-Moderatorin haben Tipps.

Freundschaft ist ein Geben und Nehmen? Nein, es ist auch ein Bekommen! Weil jeder Freundschaften braucht, sollten beide Parteien etwas dafür tun. Die Münchener Buchautorin Monika Scheddin („Connection“) coacht Menschen darin, gute Kontakte zu pflegen, und hat Tipps für schwierige Situationen in Freundschaften parat.

Zwei Autorinnen, ein verbindendes Thema

Auch die frühere Viva-Moderatorin Milka Loff Fernandes ist unter die Buch-Autorinnen („#selbstwert“) gegangen und schreibt über den gesunden Umgang mit sich selbst, der auch in einer Freundschaft sehr wichtig ist. Wir haben beide gefragt, wie sie in bestimmten Freundschaftssituationen reagieren würden.

In unserer Freundschaft melde ich mich immer. Vom anderen Part kommt nur ganz selten etwas. Wie geht man damit um?

Monika Scheddin: Das kennen wir alle. Es gibt Menschen, die richten Grillpartys aus, und es gibt Menschen, die kommen. Da kann man sich wünschen, dass der andere auch mal auf die Idee kommt einzuladen. Aber das funktioniert so nicht, denn da sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Es gibt nur wahnsinnig wenige Macher. Wenn jemand selbst dazu gehört, kann man ihn beglückwünschen, aber ihm raten, mit den Erwartungen runterzugehen. Wenn einem die Freundschaft viel wert ist, sollte man stattdessen akzeptieren, dass der andere eben jemand ist, der gern kommt, aber erwarten sollte man nichts.

Milka Loff Fernandes: Diese Situation kenne ich gut und habe schon ein-, zweimal gehört, dass ich der Part bin, der sich nicht meldet. Das hatte mitunter verschiedene Gründe. Zum Beispiel hatte ich das Gefühl, dass sich unsere Freundschaft überlebt hat. Lebensabschnittsgefährten soll es auch in platonischen Ebenen geben, heißt es. Ein anderer Grund könnte sein, dass einer Kinder hat, die die absolute und uneingeschränkte Aufmerksamkeit brauchen.

Nebel ist zu dicht

Loff Fernandes: Oder ein Part steckt gerade mitten in einer depressiven Episode und ist froh, wenn er es geschafft hat, aus dem Bett zu rollen, um sich Nudeln mit nix zu machen. Anrufen ist da gerade einfach nicht drin. Der- oder diejenige weiß schon jetzt, dass es ihm oder ihr vielleicht irgendwann total leidtun wird, aber im Moment ist der Nebel einfach zu dicht. In jeder der Situationen würde ich um Nachsicht bitten.

Wir verabreden uns, aber kurz vorher sagt der Freund oder die Freundin meist ab oder meldet sich gar nicht. Wie reagiere ich?

Scheddin: Da würde ich überlegen, ob es wirklich eine Freundin oder ein Freund ist. Oder eben eine Wunderkerze, die durch die Welt läuft und sich die besten Rosinen pickt. Sitzengelassen zu werden, macht wahnsinnig viel mit dem Selbstwertgefühl. Ich würde mich in einer solchen Situation darin üben, auch selbst mal Nein zu sagen, allein etwas zu unternehmen und damit zu rechnen, dass er oder sie absagt. Ich würde gucken, dass ich eine Liste mit To-Dos habe, sodass ich mich freue, wenn mir abgesagt wird.

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Smartphones machen flexibler

Loff Fernandes: Hier gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten. Entweder hat er oder sie schwerwiegende(re) Probleme oder er beziehungsweise sie, schert sich einen Dreck um mich. Im Ernst: Einige von uns erinnern sich vielleicht noch an eine Zeit, zu der man sich zum Scheibentelefon zu Hause in der Küche oder in eine Telefonzelle bemühen musste, um sich zu verabreden. Heute, mit der Dauerpräsenz unserer Smartphones, sind wir viel flexibler geworden. Und dennoch gilt bei Verabredungen als oberste Maxime: Niemand hat das Recht darüber zu bestimmen, wie ich meine Zeit verbringe.

Ich erzähle viel von mir, erfahre aber kaum etwas von Freundin oder Freund. Meist erfahre ich es nur auf Facebook oder Instagram.

Scheddin: Wenn ich bestimmte Dinge wirklich wissen will, dann sollte ich einfach danach fragen. Das hat etwas damit zu tun, dass es extrovertierte und introvertierte Menschen gibt. Die Extrovertierten reden gerne und viel. Den Introvertierten muss ich Angebote machen und Pausen anbieten.

Zuhörer und Mitteiler

Loff Fernandes: Was ist, wenn ich in einem solchen Fall einfach mal über längere Zeit die Klappe halte? Es gibt Leute, mich eingeschlossen, bei denen kriegt man nur schwer ein Wort rein. Schon gar nicht, wenn man eher zur stilleren Fraktion gehört. Die fühlen sich eventuell sehr wohl damit zuzuhören. Aber wenn ich ein aufrichtiges Interesse am Leben meines Gegenübers habe, dann macht es vielleicht Sinn, mich zu fragen, wie und wo ich ihr oder ihm den Raum geben kann, in dem auch sie beziehungsweise er das Gefühl hat, etwas von sich teilen zu können.

Unternimmt meine Freundin oder mein Freund etwas mit anderen, werde ich ignoriert. Kann es sein, dass ich der Person peinlich bin?

Scheddin: Auch das ist häufig der Fall. Es gibt Menschen, die sind immer mit einem oder zwei Leuten exklusiv. Man sollte sich aber nicht gefallen lassen, dass man ignoriert wird, sondern vielleicht hingehen und trotzdem Hallo sagen, aber dennoch akzeptieren, dass der oder die andere eben nur exklusiv mit den Menschen sein kann, mit denen sie oder er gerade unterwegs ist.

Vielleicht würde ich das sogar ansprechen und sagen, dass ich das Gefühl habe, ein Störenfried zu sein. Denn das ist den anderen oft gar nicht bewusst. Die wenigsten wollen uns absichtlich kränken.

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Selbstaufwertung durch Freunde

Loff Fernandes: Die Frage ist ja, ob ich mir selbst auch peinlich bin. Wenn ja, sollte ich mir diesen Umstand vielleicht etwas näher anschauen, um vielleicht am Ende dieser Reise festzustellen, dass ich unsere Freundschaft dazu benutzt habe, mich selbst aufzuwerten. Wenn nein, ist jetzt eventuell der richtige Zeitpunkt, um das Peinlichkeitspedal komplett durchzutreten. Man weiß ja nie, vielleicht findet sich in diesem neuen Kreis ja ein Mensch, der wirklich komplett auf derselben Wellenlänge schwingt.

Auf meine SMS kommt tagelang keine Antwort. Was kann ich tun?

Scheddin: Da kann ich einen heißen Tipp geben: anrufen! Wenn ich sofort „bedient“ werden will, dann ist das die beste Lösung. Viele haben Angst, dass sie stören könnten, aber es gibt ja bei jedem Handy eine An-Aus-Taste.

Loff Fernandes: Wie wichtig war meine SMS denn wirklich? Warum rufe ich nicht einfach an?

Wenn die Freundschaft nur noch nervt, würde man am liebsten „Schluss machen“. Aber das macht man nur in einer Beziehung, oder?

Scheddin: Ich weiß aus Erfahrung, dass das bei Freundschaften schlimmer ist als mit einem Mann. Ich finde, da kann man gut eine Pause einfordern. Und danach schauen, ob man weitermachen will oder nichts vermisst hat.