24.11.2020 13:11 Uhr

Modelleisenbahn als Hobby liegt wieder im Trend

In der Corona-Krise haben viele Menschen wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbys zu widmen. Davon profitiert auch die Modelleisenbahnbranche.

Daniel Karmann/dpa

Seit mehr als 20 Jahren baut der Sänger Rod Stewart
schon an einer riesigen Modelleisenbahn. Im vergangenen Jahr
präsentierte er das Ergebnis stolz in einer Fachzeitschrift. Auch
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist seit langem bekennender
Modelleisenbahn-Fan.

Es gab Zeiten, da war das Hobby etwas aus der Mode gekommen. Doch in den vergangenen Jahren haben viele ihre alte Eisenbahn im Keller wiederentdeckt oder sind neu in die Modellbauwelt eingestiegen. Gerade in Corona-Zeiten erweist sich das Hobby als krisenfest.

Ein Hobby mit Höhen und Tiefen

Bis unter die Decke türmen sich bei Eisenbahn Dörfler in Nürnberg
nostalgische Dampflokomotiven, moderne ICE-Züge, unzählige Häuser,
Figürchen und winzige Tiere. 10.000 verschiedene Produkte hat das
Traditionsgeschäft in der Innenstadt zu bieten, das in diesem Jahr
sein 100-jähriges Bestehen feiert.

In der Zeit erlebte die Modelleisenbahn Höhen und Tiefen. Letztere
vor allem in den 1990er und Nuller-Jahren, als die Spielkonsolen auf
den Markt drängten, wie Geschäftsinhaber Rudolf Böhlein erläutert. In
den vergangenen Jahren habe das Hobby aber wieder Fahrt aufgenommen.
„Im Gegensatz zu früher ist die Modelleisenbahn günstiger geworden.
Ich kann für kleines Geld ins Hobby einsteigen“, sagt Böhlein.

Imagewandel belebt die Nachfrage

Seit ein paar Jahren gehe die Entwicklung stetig nach oben, bestätigt
auch Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie.
„Den Herstellern ist es gelungen, das Hobby stärker zu
emotionalisieren, einen Imagewandel zu erreichen und neue Zielgruppen
jenseits der klassischen Klientel anzusprechen.“ Zahlen zum
Gesamtumsatz der Branche gibt es nach seinen Angaben nicht. Die
meisten Hersteller seien zurzeit aber mit der Umsatzentwicklung sehr
zufrieden, sagt er. Trotz Corona-Krise.

„Man kann sich seine eigenen heile Welt bauen, unabhängig von dem,
was draußen passiert“, beschreibt Böhlein, selbst passionierter
Modelleisenbahner, den Charme des Hobbys. Im Gegensatz zu anderen
Spielzeugen unterliegt es keinen Trends, es begleitet seine Anhänger
oft ein Leben lang – und braucht vor allem Zeit, die viele Menschen
seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr wieder mehr haben.

Das bekommt Marktführer Märklin in seiner Service-Hotline deutlich zu
spüren. „Es gibt extrem viele Leute, die sich neu mit dem Hobby
beschäftigen und Aufbauhilfe brauchen“, sagt der Geschäftsführende
Gesellschafter Florian Sieber. Der Bobby-Car-Produzent Simba Dickie
im fränkischen Fürth hatte den insolventen Modellbahnhersteller aus
Baden-Württemberg 2013 übernommen. Nach Jahren der Stagnation war der
Umsatz zuletzt wieder gestiegen.

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