Whisky aus Sachsen nach schottischem Vorbild

dpadpa | 30.12.2021, 10:50 Uhr
Brenner und Start-up-Unternehmer Martin Wagner und Brauereichef Steffen Dittmer aus Löbau mit dem ersten Oberlausitzer Whisky.
Brenner und Start-up-Unternehmer Martin Wagner und Brauereichef Steffen Dittmer aus Löbau mit dem ersten Oberlausitzer Whisky.

Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa

Whisky wird beliebter - auch in Sachsen, wo an der Dresdner Elbe eine große Whisky-Destille entsteht. In der Oberlausitz warten hochprozentige Jahrgänge im Lausitzer Granit auf ihre Abfüllung.

Whisky und Sachsen passen schon aus der Geschichte her zusammen. Das meint zumindest der Dresdner Thomas Michalski, der im kommenden Frühjahr nach eigenen Angaben Deutschlands größte Whisky-Destillerie in der sächsischen Landeshauptstadt eröffnen will.

Der 62-Jährige berichtet gern vom schottischen Earl of Findlater, der Ende des 18. Jahrhunderts am Dresdner Elbhang strandete. Er floh gen Osten, da er wegen seiner Homosexualität seiner Heimat verwiesen wurde. „Er war ein vermögender Schotte, der bestimmt gern Whisky trank und ich denke, er wird wohl der erste Sachse gewesen sein, der schottischen Whisky machte“, so Michalski. Gemeinsam mit seinem Partner Frank Leichsenring baut er derzeit die Destillerie am Alberthafen.

Whisky wird bei Deutschen immer beliebter

Der schottische Klassiker – die erste urkundliche Erwähnung stammt wohl aus dem Jahr 1494 – setzt sich auch hierzulande immer mehr durch. Das zeigt etwa der Marktanteil des Whiskys am deutschen Spirituosenmarkt. Laut Statistischem Bundesamt wird 2021 der Pro-Kopf-Verbrauch bei voraussichtlich 0,6 Litern liegen, 2016 waren es 0,45 Liter.

Aus Sicht des Verbands Deutscher Whiskybrenner (VDW) ein Trend, den auch deutsche Hersteller bemerken. „Die deutschen Qualitäten haben sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Wir sehen aber trotzdem, dass wir ein Nischenprodukt bleiben, mit einem attraktiven Marktanteil, bei dem international noch einiges zu holen ist“, sagt VDW-Präsidentin Michaela Habbel.

Destillieren nach schottischem Vorbild

Ein Nischenprodukt ist auch der erste „Oberlausitzer Whisky“. Bernsteinfarben fließt er ins Glas. Bier und Whisky haben einiges gemeinsam: Für deren Herstellung braucht es Gerste, Wasser – und Hingabe.

Damit haben der Kirschauer Brenner Martin Wagner und der Chef der Bergquell Brauerei Steffen Dittmer aus Löbau in diesem Jahr ein neues, hochprozentiges Kapitel aufschlagen. Nach fünf Jahren Probieren, Verkosten und dem Ansetzen von Whiskymaische haben sie – wie beim schottischen Vorbild – nach drei Jahren und einem Tag ihren ersten Whisky-Jahrgang aus dem Fass geholt. Wagner ist zufrieden: „Aber ein solches Projekt kann man nicht als Ein-Mann-Betrieb auf die Beine stellen.“

Mit seiner Sächsischen Spirituosenmanufaktur hat sich der Experte für Brände und Liköre vor sieben Jahren selbstständig gemacht. Die Ananas aus den Pücklerschen Gewächshäusern in Bad Muskau destilliert er genauso wie Äpfel von der Streuobstwiese. Parallel dazu wuchs die Idee für einen eigenen Whisky. Wagner ist ausgebildeter Brauer und Mälzer. „Seit knapp 20 Jahren beschäftige ich mich mit Spirituosen. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“

Kreativ in der Krise

Als Wagner und der Brauereichef Dittmer sich über den Weg laufen, kommen sie schnell ins Gespräch, entwickeln Ideen und helfen sich beim Lagern und dem Kauf der Fässer. Der Whisky aus der Oberlausitz ruht übrigens, gefüllt in Fässer, in Lausitzer Granit. „Der Ort bleibt geheim“, sind sich Dittmer und Wagner einig.

Die beiden arbeiten schon länger zusammen. Eine ihrer Ideen sorgte im ersten Corona-Sommer für Schlagzeilen: Weil im ersten Lockdown viele Gaststätten auf ihrem Bier aus der Bergquell-Brauerei sitzen blieben, nahm Dittmer die georderten Chargen der Wirte zurück. Statt das Bier wegzuschütten, kam der Jungunternehmer auf die Idee, aus den 20.000 zurückgegebenen Litern Bierbrände herzustellen.

Die Oberlausitzer Manufaktur-Abfüllung gibt es seit September. „Allerdings“, sagt Wagner, „was wir hier verbrennen, machen Großbrennereien an einem Vormittag. Es soll etwas Außergewöhnliches bleiben.“ Trotzdem verspricht der 38-Jährige Nachschub, kommende Whisky-Jahrgänge lagern schon im Granit.

Große Pläne

Michalski hat hingegen eher eine Großbrennerei im Blick. „Wir bauen eine Anlage, die eine Million Liter Alkohol pro Jahr destillieren kann. Geplant ist, dass eine Million Flaschen unserer Marke jährlich die sächsische Landeshauptstadt verlassen“, sagt der Unternehmer. Im Frühjahr 2022 soll die Destille laufen, das Besucherzentrum im Alberthafen ist bereits eröffnet.

Für ihre „Schnapsidee“ haben die Whiskymacher zwei Brennmeister angeheuert. Perspektivisch planen sie für ihr Projekt mit 20 bis 25 Mitarbeitern. Entstanden ist die Idee bei Skat und Whisky in einer Neustädter Kneipe. Mit ihrem „Hellinger 42“ wollen die zwei Sachsen sogar den schottischen Markt aufmischen. „Noch ist deutscher Whisky ein lokales Phänomen. Er wird in der Regel in kleinen Chargen von kleinen Destillerien in Handarbeit erzeugt“, sagt Michalski.

Schon jetzt gibt es Dresdener Whisky. Für den Anfang kauften die Neulinge im hochprozentigen Geschäft schottischen Brand, verfeinerten ihn in Sachsen und lagerten ihn ein.

Viele kleine deutsche Whisky-Brenner

Die Geschichte der Brennerei der VDW-Präsidentin Habbel im Ruhrgebiet reicht dagegen schon vier Generationen zurück. „Wir waren eine ganz klassische Kornbrennerei, bis mein Vater 1977 den ersten Whisky brannte. Dieser Whisky ist Deutschlands ältester Whisky“, sagt die 32-Jährige.

Nach ihren Angaben gibt es deutschlandweit über 200 Betriebe, die deutschen Whisky brennen, darunter viele, die auch nur ein Fass pro Jahr herstellen. Im VDW selbst sind 50 Mitglieder vertreten. Deren Arbeit begann 2012 mit dem Zusammenschluss von zehn Brennereien, um dem deutschen Whisky auf die Sprünge zu helfen.