Freitag, 6. Dezember 2019 11:43 Uhr

„1Live Krone“: Starauflauf beim Klassentreffen der deutschen Musikbranche

Marteria & Casper. © WDR/Lennert Rothenberg

Die Verleihung der „1Live Kronen“ gilt als eine Art Klassentreffen der deutschen Musikbranche. Wer bei Deutschlands größtem Radiopreis abräumt, hat die Nase vorn beim jungen Musikpublikum. Abermals krönen die Hörer Hip-Hop-Stars.

Hier ist der Teppich rosa statt rot, viele Promis kommen in Turnschuhen, und in der ersten Reihe stehen die Fans: Die „1Live Krone“ will sich abheben von anderen Preisverleihungen. Und so passte es ins Bild, dass der zum „Besten Künstler“ gewählte Sido („Mein Block“) am Donnerstag im Kapuzenpulli auf der Bühne stand.

"1Live Krone": Starauflauf beim Klassentreffen der deutschen Musikbranche

Luke Mockridge bei der Arbeit. © WDR/Patrick Schulze

Längliche Dankesreden sind bei dem Publikumspreis unerwünscht, das weiß der Rapper: „Wurde auch Zeit“, sagte er stattdessen grinsend, nachdem er die begehrte runde Glas-Trophäe mit namensgebender Krone im Innern entgegengenommen hatte.

Luke Mockridge gewohnt lässig

Comedian Luke Mockridge führte durch die Show, die dank reichlich Musikeinlagen etwa von den Toten Hosen, Alice Merton und auch Sido nie langatmig wurde. In seiner nahbaren Art erwies er sich als gute Besetzung für diesen Abend, der bewusst auf Glamour verzichtete und stattdessen auf gut gelaunte Lässigkeit setzte.

"1Live Krone": Starauflauf beim Klassentreffen der deutschen Musikbranche

Sido im Mönchslook. © WDR/Patrick Schulze

Die Preisverleihung in der Bochumer Jahrhunderthalle und das rauschende Fest im Anschluss daran gelten als eine Art Klassentreffen der deutschen Musikbranche. Zum 20. Mal fand sie statt. „Es ist so ein bisschen wie die letzte Stunde vor den Ferien“, beschrieb Mockridge die Stimmung auf, vor und hinter der Bühne.

Die Zeugnisse kamen von den Hörern der jungen WDR-Welle „1Live“: Per Online-Voting hatten sie im Vorfeld aus rund 40 Nominierten in sieben Kategorien ihre Favoriten gewählt.

"1Live Krone": Starauflauf beim Klassentreffen der deutschen Musikbranche

Juju feat. Henning May. © WDR/Thomas von der Heiden

Hip Hop hat die Nase vorn

Dass Hip-Hop derzeit die Nase vorn hat in der deutschsprachigen Musiklandschaft, zeigte sich nach Sidos Kür zum „Besten Künstler“ noch an weiteren Preisträgern – wie der Gewinnerin des Abends schlechthin: Rapperin Juju („Bling Bling“, „Hardcore High“), früher als Teil des Damen-Duos SXTN unterwegs, entschied die Königinnen-Disziplin „Beste Künstlerin“ für sich. Sie stach damit erfolgreiche Sängerinnen wie Lena und Alice Merton aus. Gleichzeitig gewann Jujus Song „Vermissen“, den sie gemeinsam mit Henning May aufgenommen hat, die Krone für die „Beste Single“. „Ich bin so, so, so stolz und so glücklich“, sagte sie.

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AnnenMayKantereit unvollständig. © WDR/Lennert Rothenberg

Kontra K bester Hip-Hop-Act

Die Rapper Marteria & Casper, mit ihrem Album „1982“ gemeinsam auf Tour, wurden zum „Besten Live Act“ gewählt. Beide haben in den vergangenen Jahren bereits als Solokünstler „Kronen“ mit nach Hause nehmen können und waren bereits 2018 als Duo zweifach gekrönt worden.

Dem Hip-Hop-Faible der Hörerschaft trägt „1Live“ längst mit einer eigenen Kategorie Rechnung: Als „Bester Hip-Hop Act“ nahm der Berliner Rapper Kontra K („Erfolg ist kein Glück“, „Blei“) eine Krone mit.

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Kontra K. © WDR/Lennert Rothenberg

Bei dieser Hip-Hop-Dominanz kann es für andere schwer werden: „Danke, „1Live“, dass ihr extra eine Kategorie für mich gemacht habt“, freute sich deshalb Erfolgs-DJ Felix Jaehn. Die Kategorie „Bester Dance Act“ war in diesem Jahr neu. Nach sieben Nominierungen in früheren Jahren kann Jaehn somit erstmals eine Krone sein Eigen nennen.

Auch die Kölner Band AnnenMayKantereit musste mehrerer Nominierungen zum Trotz lange auf ihr „Krone“-Glück warten: 2019 machten die Hörer sie nun zur „Besten Band“.

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Felix Jaehn. © WDR/Lennert Rothenberg

Bei aller zur Schau gestellten Lässigkeit und Lebensfreude der Veranstaltung gab es dennoch Raum für einen sehr nachdenklichen Moment: Der diesjährige Sonderpreis ging an die Robert-Enke-Stiftung, die sich für Aufklärungsarbeit und Erforschung von Depressionskrankheiten einsetzt. Der Fußball-Nationaltorwart Robert Enke hatte vor zehn Jahren Suizid begangen. Er hatte mehrere Jahre unter Depressionen gelitten. Seine Witwe Teresa Enke, jetzige Vorstandsvorsitzende der Stiftung, hat nach seinem Tod sehr couragiert über die Krankheit ihres Mannes gesprochen – und damit viel dafür getan, das Thema Depression aus der Tabuzone zu holen, wie auch Laudator und Betroffenheitskönig Jürgen Domian hervorhob, bevor er sie auf die Bühne bat.

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LEA & Nico Santos. © WDR/Lennert

Standing Ovations für Teresa Enke

Teresa Enke betonte, der Preis stehe für die Entstigmatisierung der Krankheit Depression. „Es ist toll, dass sie angekommen ist, hier auch auf so einer bunten Veranstaltung, wo alles lustig ist, tolle Music-Acts. Und trotzdem reden wir über dieses Thema, ohne Angst zu haben“, sagte Enke. Sie bekam langen und stehenden Applaus.

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Giant Rooks. © WDR/Lennert Rothenberg

 

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