Sonntag, 8. Oktober 2017 16:04 Uhr

30 Jahre „Dirty Dancing“: Eleanor Bergstein sorgte für den Welterfolg

Ein 30-jährige Jubiläum steht an: Am 8. Oktober 1987 feierte „Dirty Dancing“ in den deutschen Kinos Premiere, der heute in vielen Filmtheatern nochmal gezeigt wird. Patrick Swayze und Jennifer Grey machte der Kultfilm weltberühmt.

30 Jahre "Dirty Dancing": Eleanor Bergstein sorgte für den Welterfolg

Eleanor Bergstein 2009. Foto: Eventpress Krug

Zu verdanken haben sie das Eleanor Bergstein (79), die seinerzeit das Drehbuch dafür schrieb. Im Interview erzählt sie über ihre Freundschaft zu Swayze, Wassermelonen, den Soundtrack ihres Lebens und Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg.

Ms. Bergstein, „Dirty Dancing“ erzählt auch die Geschichte Ihres Heranwachsens, oder?
Zum Teil! Was stimmt ist, dass ich als kleines Mädchen mit meinen Eltern oft Urlaube in Ferienresorts verbracht habe. Als Teenager war ich Mambo-Königin, und wir übten in Kellern tatsächlich das „Dirty Dancing“. Ich war „Dirty Dancing“-Champion, ich habe sehr viele Preise gewonnen. Davon habe ich viel in die Geschichte miteinfließen lassen, aber das Stück erzählt nicht meine Lebensgeschichte. Ich habe später an der Universität selbst als Tanzlehrerin gearbeitet. Da ist also auch viel von Johnny in mir. Ehrlich gesagt, bin ich sogar eher Johnny als irgendeine andere Figur des Films. (lacht)

Legendäre Hebefigur wurde 20 mal wiederholt

Der Film hat einige kultige Zeilen hervorgebracht wie „Ich habe eine Wassermelone getragen“. Haben Sie das wirklich mal gesagt?
Ich weiß nicht, ob die Worte tatsächlich so gefallen sind. Aber ich habe in meinem Leben definitiv jede Menge Wassermelonen zu Partys getragen! Ich finde es erstaunlich und fast ein wenig irritierend, dass diese Zeile so ein Hit geworden ist. Egal, wo auf der Welt der Film heutzutage läuft: Wenn der Satz fällt, lacht und jubelt das Publikum.

Wie war das bei Ihnen mit der Hebefigur im Wasser?
Die habe ich sehr oft gemacht! Sogar an dem Tag als wir mit Patrick Swayze und Jennifer Grey die Szene gedreht haben. Ich hatte Jennifer vorher versprochen, dass sie nichts tun muss, was ich nicht auch tun würde. Das Fiese war bloß, dass das Wasser am Tag des Drehs bitterkalt war. Ich musste es ja nur einmal vormachen, aber Jennifer hat die Hebefigur 20 Mal wiederholt, bis sie im Kasten war.

30 Jahre "Dirty Dancing": Eleanor Bergstein sorgte für den Welterfolg

Foto: WENN.com/Concorde

Hat Sie der Film mit Swayze und Grey verbunden?
Ja, natürlich. Ich bin schließlich die Autorin und Co-Produzentin des Films. Patrick war auf Lebenszeit ein sehr enger Freund von mir. Wir haben uns bis zu seinem Tode nie aus den Augen verloren.

Durch Bergstein wurde Swayze zur Legende

Sie haben ihn zur unsterblichen Legende gemacht!
Ja, aber das hat er erst spät zu würdigen gewusst! Er beschwerte sich immer: „Die Leute sehen in mir nur den Typen, der mit den Hüften wackeln kann.“ Denn als ich ihn für die Rolle des Johnny entdeckt habe, arbeitete er als Schauspieler. Er hatte ein verschlissenes Knie vom Tanzen und sich gerade dazu entschlossen, mit dem Tanzen ganz aufzuhören. Ich war es, die ihn überredete, für den Film doch wieder mit den Hüften zu wackeln. Irgendwann ist er darüber hinweggekommen. (lacht)

Leider ist er viel zu früh gegangen …
Ich war damals unglaublich traurig, aber mir war auch wichtig, dass wir auf dem Rücken seines Todes keine Tickets für die Show für das Musical, das ich entwickelt hatte, zu verkaufen. Ich habe unserer „Dirty Dancing“-Cast gesagt, dass sie keine Statements dazu abgeben sollen. Auch ich habe keine Interviews gegeben, obwohl ich Hunderte von Anfragen hatte. Aber heute kann ich über ihn reden: Er wollte immer ein guter Mensch sein – und das war er auch. Niemand hat das jemals in Frage gestellt. Ich kann nicht genug gute Dinge über Patrick sagen.

30 Jahre "Dirty Dancing": Eleanor Bergstein sorgte für den Welterfolg

Bergstein im Alter von 13 Jahren im Grossinger’s Hotel, das die historische Vorlage für das Kellerma’s im Film ist. Foto: HFR

Können Sie sich noch an die Premierenfeier des Films im Jahr 1987 erinnern?
Oh ja, das war schlimm! Denn niemand mochte den Film: die Produzenten nicht, die Verleihfirma nicht, einfach niemand! Also rechneten wir mit einer großen Blamage. Wir feierten einen Tag vorher eine Party für uns auf einer großen Farm. Der Regisseur, der Choreograf und ich tanzten die ganze Nacht, und wir sagten uns: „Okay, das wird morgen nichts anderes als eine Demütigung, also lass uns einfach nie mehr aufhören zu tanzen!“

„Dirty Dancing“ sollte nur für 2 Wochen ins Kino

Und dann wurde der Film unerwartet zum Riesenhit!
Niemand war mehr darüber erstaunt wie wir. Denn „Dirty Dancing“ war ursprünglich nur für ein, zwei Wochen in die Filmtheater eingebucht, der Video-Release stand bereits fest. Aber es war das Publikum, das den Film im Kino am Leben hielt. Wussten Sie übrigens, dass er in Deutschland ein noch größerer Blockbuster war als im Rest der Welt? Bei euch lief der Film fast ein Jahr lang im Kino!

Haben Sie irgendeine Erklärung für den Erfolg?
Ich glaube, dass jeder einen geheimen Tänzer in sich hat. Und wenn sie dann den Film sehen – wo ja auch nicht alle toll tanzen, aber es dennoch tun – dann denken sie, dass sie sich das auch mal trauen können. Es ist mir immer wieder eine große Freude, mich bei der Live-Show vom Musical hinten in den Saal zu stellen und die Leute zu beobachten, wie sie von ihren Sitzen springen und anfangen, sich zu bewegen. Bei manchen kannst du sehen, dass sie niemals zuvor in ihrem Leben getanzt haben – aber das ist egal. Film und Show können dich in Verbindung bringen mit dieser körperlichen Welt, was wir uns doch irgendwie alle wünschen.

Der Soundtrack gehört zu den Erfolgreichsten der Welt. Ist es auch der Soundtrack Ihres Lebens?
„Time Of My Life“ wurde eigens für den Film geschrieben, aber auf alle anderen Songs trifft das zu, ja. Jeder erinnert sich doch, wie es war, als man die Musik zum ersten Mal gehört hat. Bevor ich überhaupt das Script zu „Dirty Dancing“ geschrieben habe, kramte ich die alten Vinyl-Platten raus, zu denen ich selbst getanzt hatte. Der Soundtrack war also zuerst da. Als ich das Script an Produzenten verschickte, legte ich Kassetten bei, auf die ich diese Songs aufgenommen habe. Alle Produzenten sagten nur: „Die Teenager werden diese Musik nicht mögen, sie ist nicht gut und klingt zu sehr nach Fünfzigern.“ Niemand wollte also den Film mit mir drehen, und schon gar nicht mit der Musik! Diese Kassetten sind übrigens heute noch im Umlauf und mittlerweile teure Sammlerstücke. Aber wenn man das Original besaß, hieß das auch, dass man den Film abgelehnt hat, weil man die Idee nicht mochte. Doch das verdrängen diese Menschen gerne, sie sind einfach nur stolz, eines dieser Tapes zu besitzen.

30 Jahre "Dirty Dancing": Eleanor Bergstein sorgte für den Welterfolg

Jennifer Grey (als Frances ‚Baby‘ Houseman), Patrick Swayze (als Johnny Castle)
Foto: WENN.com/Concorde

Soundtrack hat 59 Mio mal verkauft

Hat sich einer der Produzenten jemals für seine Fehleinschätzung entschuldigt?
Glauben Sie das wirklich? Natürlich nicht! Ich erinnere mich daran, dass einmal der Boss der Plattenfirma zu mir kam, nachdem sich der Soundtrack 59 Millionen Mal verkauft hatte. Und er meinte frech: „Sind Sie nicht froh, dass wir daran gedacht haben, Ihrem kleinen Film Musik zuzufügen?“ (lacht) Aber solche Erfahrungen machen wohl alle Frauen!

Nun feiert „Dirty Dancing“ sein 30-jähriges Jubiläum. Zuletzt war zu lesen, dass Kenny Ortega, der auch das Original choreografiert hat, ein Remake davon machen will.
Ich glaube nicht, dass das noch passiert. Es gibt ja auch schon die beste Version. (lacht) Und das Publikum ist nicht doof: Als eine „Dirty-Dancing“-Show im US-Fernsehen lief, mit der ich übrigens nichts zu tun hatte, schalteten in der ersten Woche Massen ein, in der zweiten Woche brach die TV-Quote absolut ein. Das Publikum will den real deal! Es gibt keinen Grund für ein Remake.

Wie Sie schon erwähnten, haben Sie später auch eine Musical-Version auf die Bühne gebracht. Inwiefern unterscheidet sich die vom Film?
Es gibt ungefähr noch 20 zusätzliche Szenen, die gar nicht im Film vorkommen. Einige sind Pärchenszenen zwischen Baby und Johnny. Aber es ging mir auch darum, das Geschehen historisch einzuordnen. Das Ganze spielt ja in dem Sommer, in dem Martin Luther King seine „I have a dream“-Rede hielt, der auch Baby gerne beigewohnt hätte. Einige Monate später wurde dann John F. Kennedy erschossen. Das machte den Sommer so anders. Das wollte ich mehr herausarbeiten.

Interview: Katja Schwemmers

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