Aimee Mann: Sensible Songs zwischen Joni und John

dpadpa | 02.11.2021, 13:51 Uhr
Aimee Mann wird immer besser.
Aimee Mann wird immer besser.

Angel Marchini/ZUMA Wire/dpa

Keine Singer-Songwriterin seziert menschliche Seelenzustände so sensibel wie Aimee Mann. Auch auf ihrem neuen Konzeptalbum verbindet die US-Folkpop-Musikerin wieder kluge Texte mit prächtigen Melodien.

Wenn es überhaupt noch einen Beweis gebraucht hätte, dass Aimee Mann eine der herausragenden Singer-Songwriterinnen ihrer Generation ist, dann lieferte ihn die Grammy-Verleihung 2017. Die Auszeichnung „Bestes Folk-Album“ für „Mental Illness“ krönte eine Karriere, die schon viele kreative Höhepunkte erlebt hatte.

Mit „Queens Of The Summer Hotel“ knüpft die 61-jährige US-Amerikanerin nahtlos bei Qualität und Sound des Vorgängerwerks an. War „Mental Illness“ bereits von hauchfeinen Arrangements geprägt, so ist das von Streichern und Holzbläsern durchzogene Klangbild nun sogar noch luftiger und kammermusikalischer geraten. Die 15 teils recht kurzen, aber stets vollwertigen Tracks sind – wie bei Mann gewohnt – fabelhaft gesungene Songpreziosen von großer melodischer Schönheit.

Die zentralen Stücke „You Don’t Have The Room“ und „Suicide Is Murder“, der Opener „You Fall“ sowie das abschließende „I See You“ gehören gar zum Besten, was diese intellektuelle Songpoetin in ihrer fast 30-jährigen Solo-Laufbahn geschaffen hat. Wieder siedelt sie ihre Kompositionen im Spannungsfeld zwischen Joni (Mitchell) und John (Lennon) an, auch der Einfluss von Leonard Cohen, Nick Drake und Harry Nilsson bleibt spürbar. Aber es sind letztlich immer Aimee-Mann-Songs, die man hier hört, nie epigonale Nachahmungen.

Bereits 2018, also kurz nach dem Grammy-Triumph, hatte Mann mit dem Schreiben neuer Musik begonnen. Es ging um eine Bühnenadaption des Psycho-Dramas „Girl, Interrupted“, eines 1999 mit Winona Ryder und Angelina Jolie verfilmten Buchs von Susanna Kaysen über deren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik in den 1960er Jahren.

„Ich fand das Material sehr interessant und offensichtlich sehr persönlich“, sagt Mann, die schon oft großes Einfühlungsvermögen für Menschen in seelischen Not- oder Extremsituationen gezeigt hatte, etwa im Soundtrack zum Kino-Tränenzieher „Magnolia“. Das Ziel, „bestimmte Charaktere, die in den Memoiren besprochen werden, mit Leben zu füllen“, hat diese hochsensible Menschenkennerin auf „Queens Of The Summer Hotel“ jedenfalls eindrucksvoll erreicht. Erneut ein Grammy-Kandidat, klar doch.