29.12.2020 11:56 Uhr

Alben 2021: Alice Cooper, Drake und Cro

Dieses Jahr war düster für die Musikbranche. Wegen Corona wurden die allermeisten Konzerte abgesagt, Albumpläne verschoben oder gekippt. Manches soll nun 2021 das Licht der Pop-Öffentlichkeit erblicken - darunter wohl auch wieder diverse Hochkaräter.

Joel Carrett/AAP/dpa

Corona zum Trotz: Das Musikjahr 2020 war zwar eine Katastrophe für Konzertfans, tolle Albumveröffentlichungen trösteten jedoch über manche Live-Lücke hinweg.

Von den Ärzten und Pet Shop Boys über Bob Dylan und Bruce Springsteen bis zu Taylor Swift (gleich doppelt), Run The Jewels und The Weeknd: Viele Stars haben geliefert. Auch 2021 dürfte spannend werden, obwohl die Pandemie erneut Fragezeichen setzt. Ein Überblick der Deutschen Presse-Agentur mit festen Terminen – und ein paar reizvollen Spekulationen.

ALICE COOPER: 72 Jahre alt ist der „Schock-Rocker“ mittlerweile und privat schon lange ziemlich zahm. Mit der als Vorbote erschienenen Single „Rock ’n‘ Roll“ und dem neuen Album „Detroit Stories“ (26. Februar) begibt sich Alice Cooper zurück zu seinen Wurzeln, mit einer Hommage an seine Heimatstadt und deren wilden Heavy Rock der 70er.

CRO: Sein Rap gepaart mit Pop landet regelmäßig auf dem Charts-Thron. Mit „Trip“ (9. April) veröffentlicht der Sänger mit der legendären Maske seine vierte Platte. Das Design erinnert an die Disco- und Funk-Legenden von Daft Punk. Der erste Teil des Doppelalbums soll eine Hommage an den 70er-Jahre-Rock sein, der zweite klassischer Cro.

THE CURE: Seit 2008 warten Fans der britischen Düster-Rocker auf eine neue Platte. Erst sollte es 2019 soweit sein, dann 2020. Pustekuchen. Vielleicht ja 2021. Gefragt nach einem Veröffentlichungsdatum, sagte Cure-Frontmann Robert Smith einmal: „Ich bin zu alt, um mich auf solche idiotischen Dinge einzulassen. Abwarten und Tee trinken.“

LANA DEL REY: Verschwörerisch klingt das neue Werk der US-Sängerin: „Chemtrails Over The Country Club“. Es sei „folky“ und dabei „ganz anders“ als der gefeierte Vorgänger „Norman Fucking Rockwell!“, so Del Rey. Aus diesem Herbst wurde das Album coronabedingt verschoben – wegen Problemen beim Vinyl. Nun heißt es: Frühjahr 2021.

DRAKE: In den US-Charts bricht der kanadische Rap-Superstar Rekord um Rekord, lässt dort die Beatles, Aretha Franklin oder Stevie Wonder hinter sich. Im Sommer sollte „Certified Lover Boy“ eigentlich schon in den Läden stehen, nun ist sein sechstes Album für Januar geplant. Bis dahin hält die Drake-Single „Laugh Now Cry Later“ die Spannung.

FOO FIGHTERS: Frontmann Dave Grohl gehört zu den sympathischsten Stars im Rock-Zirkus – und seine 1994 auf Nirvana folgende US-Band zu den zuverlässigsten. Das neue Werk „Medicine At Midnight“ (5. Februar) soll „25 auf eine halbe Stunde komprimierte Jahre“ Revue passieren lassen. Äußerst unterhaltsam wird das bestimmt wieder.

FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE: Die Band aus Niedersachsen hat mit ihrem internationalen Sound deutsche Rock-Geschichte mitgeschrieben – mit Millionen verkauften Tonträgern und über 1500 Konzerten weltweit. Nach der Auflösung 2008 und Reunion-Gigs seit 2017 stehen Kai Wingenfelder und Co. mit „Now“ (23. April) vor einer Rückkehr.

BARRY GIBB: Für sein Album „Greenfields“ (8. Januar) setzt der letzte lebende Bee Gee legendären Superhits der Gibb-Brüder wie „Run To Me“, „Too Much Heaven“, „Words“ oder „To Love Somebody“ einen Cowboyhut auf. Die Country-Duette mit Dolly Parton, Olivia Newton-John, Sheryl Crow und Keith Urban nahm er natürlich in Nashville/Tennessee auf.

RAINALD GREBE: Der Liedermacher („Brandenburg“), Autor, Schauspieler, Regisseur und Kabarettist macht „Popmusik“ – das suggeriert der Titel seines neuen Albums (5. Februar). Den Ankündigungen zufolge bleibt das Multitalent aber wohl auch dabei „ein leicht irrer Zauberer, der aus seinem Hut flauschige Kaninchen holt oder Zyankalikapseln“.

JANET JACKSON: Schon für den vergangenen Sommer hatte die US-Sängerin eine neue Platte angekündigt. „Ich bin ein Stein, ich habe eine harte Schale“, sagte sie über „Black Diamond“. Dann kam Corona – seitdem herrscht Funkstille in Sachen frischer Musik. Vielleicht ja 2021. Seit dem Album „Unbreakable“ sind schon über fünf Jahre vergangen.

KOOL SAVAS: Drei seiner letzten vier Platten hat der Rapper an die deutsche Chartsspitze gebracht. Eigentlich sollte schon im Oktober der „KKS“-Nachfolger erscheinen, doch musste der Berliner „Aghori“ (5. Februar) wegen Corona verschieben. Bis dahin hält er etwa mit Sido und Nessi sowie ihrer Single „Dicka was“ die Fans bei Laune.

VANESSA MAI: Der Schlagerstar macht neuerdings auf Wortakrobatik. Das aktuelle Talkformat heißt „On Mai Way“, die neue Platte „Mai Tai“ (26. März). Warum das Album nicht im Wonnemonat veröffentlicht wird? Wer weiß. Es werde – was auch sonst – „ein bunter Cocktail“, so die Sängerin aus Backnang. Unter anderem an ihrer Seite: Rapper Fourty.

MANIC STREET PREACHERS: Die kämpferischsten Sozialisten unter den Britpop-Bands der 90er sind reif für ein Comeback. Laut Frontmann James Dean Bradfield ist es bald soweit. Wenn diese Manics-Platte annähernd so gut ist wie „Even In Exile“, Bradfields diesjährige Victor-Jara-Hommage, dann dürfen sich Rockfans wirklich freuen.

PAT METHENY: Seit über 40 Jahren ist der US-amerikanische Gitarrist einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Jazz-Musiker: Metheny hat 20 Grammys in zwölf verschiedenen Kategorien gewonnen. Auch „Road To The Sun“ (5. März) dürfte überraschen. Herzstück des Albums: ein Stück mit sechs Sätzen, interpretiert vom Los Angeles Guitar Quartet.

SELIG: Die Hamburger Band warnt vor der Katastrophe: „Feuer, Feuer überall/und die Welt rast weiter mit Überschall“, singt Jan Plewka in einem neuen Lied, dem Vorboten für die kommende Platte „Myriaden“ (12. März). Gesellschafts- und Klimapolitik sollen auf der Agenda des von Deutschrock-Ikone Rio Reiser beeinflussten Songwriters stehen.

SIA: Die 1975 in Australien geborene Sängerin und Songschreiberin (unter anderem für Beyoncé, David Guetta, Kanye West, Rihanna und Katy Perry) tritt 2021 gleich doppelt ins Rampenlicht: mit ihrem ersten Film „Music“ und dem gleichnamigen achten Studioalbum (12. Februar). Hyperaktiv und modern – ein Weltstar in Wartestellung.

BRUCE SPRINGSTEEN: Der „Boss“ ist so fleißig wie selten zuvor in seiner 50-jährigen Karriere. Nach dem Folkpop-Meisterwerk „Western Stars“ (2019) und dem wuchtigen „Letter To You“ mit der E Street Band in diesem Jahr ist ihm ein weiteres großes Alterswerk zuzutrauen. Songs dafür habe er reichlich, kündigte Springsteen schon an.

TASH SULTANA: Eine enorme Live-Präsenz mit Gitarre, Beatbox und Gesang – Kritiker sind seit Jahren hin und weg. Zuletzt kam das starke Debüt „Flow State“ (2018) auf den Markt. Sultana gibt sich eine nicht binäre Geschlechtsidentität – und könnte mit dem Album „Terra Firma“ (19. Februar) zum queeren Indiepop-Superstar werden.

BONNIE TYLER: Runde 70 wird die britische Pop-Röhre nächstes Jahr. Doch das Beste liegt – glaubt man dem Titel ihrer Platte „The Best Is Yet To Come“ (26. Februar) – noch vor ihr. Nach einer Karriere mit vielen Millionen verkauften Tonträgern will Tyler erneut „Energie, Leidenschaft und Spaß der glorreichen 80er hervorrufen“.

STEVEN WILSON: Mit „To The Bone“ (2017) war der Progrock-Maestro in Deutschland so erfolgreich wie nie zuvor. Ob der Brite den Weg zu kommerzielleren Popsongs auf dem Nachfolger „The Future Bites“ (29. Januar) weitergeht? Ältere Fans von Wilson und seiner Band Porcupine Tree sehen diesem Album mit gemischten Gefühlen entgegen.

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