Samstag, 11. August 2018 14:47 Uhr

Albumkritik: Nicki Minaj setzt wieder Arsch und Perücke in Szene

Sie ist das sexy Knallbonbon des Pop-Raps. In absurd offenherzigen Outfits verkauft Nicki Minaj eindeutig zweideutige Rap-Zeilen und feiert damit Riesenerfolge. Nicht nur das beschert ihr immer wieder Vorwürfe.

Albumkritik: Nicki Minaj setzt wieder Arsch und Perücke in Szene

Foto: FayesVision/WENN.com

Nicki Minaj hat ein Gesäß. Und sie weiß es in Szene zu setzen. Wer dachte, der Gipfel der Schönheitsabsurditäten sei mit Jennifer Lopez‘ Versicherung für ihre Vier Buchstaben erreicht gewesen, hat nicht mal geahnt, in welche Dimensionen der Hinternfetisch dank Minaj noch vordringen würde. Bei Zweifeln daran, hilft ein Blick auf ihr bei Youtube inzwischen fast 800 Millionen Mal geklickten Video zur Single „Anaconda“. Natürlich ist es bezeichnend, dass bei einer eigentlich talentierten Rapperin zuerst über ihre Rückansicht gesprochen wird. Das kann man sexistisch finden. Ist aber genau die Masche, mit der die Marke Nicki Minaj funktioniert. Und an dieser ändert sich auch mit ihrem nun erschienenen Album „Queen“ nichts.

Das zeigt sich schon beim Anblick des Covers (siehe ganz unten), auf dem Minaj fast nackt, gut ausgelichtet und retuschiert wohl an Kleopatra, die letzte Königin Ägyptens, erinnern soll.

Und auch bei den Videos zu den schon daraus veröffentlichten Singles etwa zu „Chun Li“ oder der Zusammenarbeit mit Pop-Sternchen Ariana Grande „Bed“, stolziert und räkelt sich die in Trinidad und Tobago Geborene mal in Lack und Leder oder in einem Hauch von Nichts.

Immer öfter in den Top 10

In die Top-10 der amerikanischen Single-Charts schafft es die 35-Jährige mit ihren Songs mittlerweile fast immer. Auch wenn sie dort inzwischen Konkurrenz von der ebenfalls für Freizügigkeiten bekannten Rapperin Cardi B bekommt. Häufig ist sie gar nicht alleine dort vertreten ist, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Pop- und Rap-Größen, wie Katy Perry, Drake oder Ariana Grande.

Zuletzt arbeitete sie bei „Fefe“ auch mit dem umstrittenen US-Rapper 6ix9ine zusammen, der zumindest mit Regenbogen-Dreadlocks, Gesichtstattoos und bunten Zahnaufsätzen zur Minaj-Optik passt. Das knallbunte Video zur Single, in dem Minaj mit 6ix9ine ein Eis schleckt, hat aber einen unangenehmen Beigeschmack – wegen der Vorwürfe gegen den Rapper in Bezug auf Sexualstraftaten.

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Foto: FayesVision/WENN.com

Zuständig für die kleinen Skandälchen

Ohnehin ist Minaj immer für mindestens kleinere Skandale gut. Wenn sie sich etwa mit anderen Popstars via Twitter anlegt. Auch die zuletzt ständig verschobene Veröffentlichung des neuen Albums dürfte ihre Fans strapaziert haben – angeblich gab es rechtliche Probleme bei der Verwendung von Samples anderer Musiker. Medienberichten zufolge ging es dabei um Ausschnitte, auf denen die US-Sängerin Tracy Chapman („Fast Car“) zu hören ist.

Das Ärgerliche: Abgesehen vom Barbie-Image und kontroversen Co-Künstlern beherrscht Minaj das Rap-Handwerk tatsächlich. Das Talent allein gerade als Frau in der Szene aber selten genug ist, zeigt sich auch im deutschen Hip Hop.

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Foto: FayesVision/WENN.com

Rapperinnen erscheinen da nach Außen oft nur als Nebenfiguren. Obwohl es mittlerweile genug Frauen dort gibt und Künstlerinnen wie Haiyti, SIXTN oder Sookee sogar ganz gezielt gegen Sexismus, Rassismus und Geschlechtereinheitsbrei schießen in ihren Texten schießen.

Welche Rap-Szene da nun sexistischer ist sei dahin gestellt – die, in der Frauen dann bekannt werden, wenn sie vor allem ein sexy Image zur Musik verkaufen, oder die, in der rappende Frauen nicht in Unterwäsche auftreten und dafür kaum wahrgenommen werden. (Marie Frech, dpa)

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Foto: Universal Music

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