Albumkritik: The Killers schlagen ruhigere Töne an

Albumkritik: The Killers schlagen ruhigere Töne an
Albumkritik: The Killers schlagen ruhigere Töne an

© Danny Clinch

16.08.2021 11:30 Uhr

Weil die Killers länger keine Konzerte geben konnten, hat Frontmann Brandon Flowers neue Songs geschrieben. Das melancholische Konzeptalbum „Pressure Machine“ ist seiner früheren Heimat gewidmet.

Nur ein Jahr nach dem hervorragenden „Imploding The Mirage“ präsentieren die Killers schon ihr nächstes Studiowerk, das melancholische, ungewohnt ruhige Konzeptalbum „Pressure Machine“.

Grund ist die coronabedingte Tourneepause der letzten anderthalb Jahre. „Es war das erste Mal nach langer Zeit für mich, dass ich mit absoluter Stille konfrontiert war“, sagt Frontmann Brandon Flowers.

Albumkritik: The Killers schlagen ruhigere Töne an

© Danny Clinch

Ein leises Album

„Und aus dieser Stille erwuchs dieses Album voller Songs, die sonst zu leise gewesen oder vom Lärm typischer Killers-Alben übertönt worden wären.“ Das äußerst ruhige „Pressure Machine“ ist dem kleinen Örtchen Nephi in Utah gewidmet. Dort lebte der Killers-Sänger als Kind und Teenager einige Jahre „gefangen mitten im Nirgendwo“, wie Schlagzeuger Ronnie Vannucci Nephi beschreibt, bevor Flowers in seine Geburtsstadt Las Vegas zurückkehrte – die Gründungsstadt der Killers.

Die neuen Songs voller Lokalkolorit drehen sich um fiktive und teils wahre Geschichten der Menschen aus Nephi. „Quiet Town“ blickt melancholisch auf diesen verschlafenen Ort und seine Menschen. „Wenn du in Schwierigkeiten steckst, reichen sie dir ihre Hand in dieser ruhigen Kleinstadt“, singt Bruce-Springsteen-Fan Flowers. Spätestens wenn die Mundharmonika einsetzt, merkt man wieder Springsteens Einflüsse.

Killer-Sound trifft auf Flowers exzellente Stimme

Der „Boss“ war laut Flowers auch Vorbild beim Geschichtenerzählen. „West Hills“, benannt nach den Hügeln in der Gegend, handelt von einem Mann, der wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis muss, „Terrible Thing“ von einem schwulen Teenager mit Selbstmordgedanken und „Desperate Things“ von einem Polizisten, der sich in ein Opfer häuslicher Gewalt verliebt und schließlich den Täter umbringt. Kurze Aussagen der echten Menschen aus Nephi verbinden die Songs. Ein weiteres Highlight: das Duett „Runaway Horses“ mit Phoebe Bridgers.

Albumkritik: The Killers schlagen ruhigere Töne an

© Universal Music

Die Killers, nach längerer Auszeit wieder mit Gitarrist Dave Keuning vereint, überzeugen auch leise. Auf „Pressure Machine“ verschmilzt der bewährte Killers-Sound – die Synthesizer-Harmonien, dezente New-Wave-Elemente und Flowers‘ exzellente Stimme – wunderbar mit Springsteens Amerikana und hinterlässt ein wohliges Fernweh-Gefühl.