Dienstag, 5. Juli 2011 12:17 Uhr

Alles über die Band Leyan und ihr Album „Dancing Sculptures“

Berlin. Die Geschichte der Berliner Band Leyan ist eine Geschichte vom Suchen und Finden, vom Zerfallen und wieder neu Erschaffen. Eine abenteuerliche Reise, an deren Ende aus vielen Einzelteilen ein Ganzes geschmiedet werden konnte. Nicht zuletzt ist dies auch der Grund weshalb Tangramteile das Artwork des gerade erschienenen Debütalbums „Dancing Sculptures“ prägen.

Zwölf Songs, die wühlen und berühren, brechen und vereinen, die rätselhaft und eingängig zugleich sind. Ein Abenteuer inmitten klangvoller Impulse und detailverliebter Arrangements. Eine Kampfansage gegen billiges Abräumerstreben im Musikgeschäft – ehrliche, eigenständige Arbeit. Musik, die auf dem schmalen Grat zwischen Indie, Pop- und Rockmusik wandert, sich aber in ihrer Vielschichtigkeit gezielt dem Schubladendenken entzieht und immer wieder überraschende Momente bereithält.

Ein Stil, den Leyan selbst treffend „MadPop“ getauft haben, so eigenständig wie eingängig. Eine Musik – rauschhaft, fließend, sphärisch. Eindringlich, tanzbar, voller Dynamik und Druck.

Aufgewachsen in einem musikalischen Elternhaus kam Christoph Ecke, Sänger und Keyboarder der Band, schon früh intensiv mit Musik in Berührung und begann im Alter von fünf Jahren von seiner Mutter unterrichtet mit dem Klavierspiel. Später folgten Komposition, Musiktheorie und Gesang. Vor mittlerweile acht Jahren begannen Christoph und sein Vater Jürgen Ecke, einer der renommiertesten Filmkomponisten Deutschlands, gemeinsam an Songs zu schreiben. Erst nach einigen Irrungen und Wirrungen stießen bis September 2006 noch Marc Hassdenteufel an der Gitarre, Damian Dabrowski am Bass und Ilir Mulaj am Schlagzeug hinzu. Leyan waren geboren.

Eine fortan untrennbare Einheit mit Musikern, die alle ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Im Falle von Marc beim Jazzgitarrestudium am legendären Berklee College of Music in Boston (USA), bei Ilir beim Schlagzeugstudium an der Berliner Universität der Künste und bei Damian in ungezählten Formationen, in denen er als sprichwörtlich „Bassbesessener“ von Acid Jazz bis Metal schon alles auf dem Tieftöner gespielt hat.

Im Zusammenspiel von ungebremster Kreativität und Intuition, Experimentierfreude und musikalischem Handwerk entstand der vielschichtige LEYAN- Sound. Unverwechselbarer, ausdrucksstarker Gesang, der immer wieder schwerelos ins Falsett wechselt, gepaart mit solistisch raffinierten, sehr eigenständigen Gitarrenstrukturen und Riffs sowie flächigen, sirenenhaften Synthieklängen. Stets getragen von der kompromisslos treibenden, mitunter vertrackt groovenden Rhythmusgruppe aus Schlagzeug und Bass. Kein stupides Bumm-Tschack, keine Schrammelgitarren… ausgefeilt und abwechslungsreich.

Schnell nahm die Band Fahrt auf, bestritt deutschlandweit Supports für so renommierte Größen wie Blue October (US), Turin Brakes (UK), den Soulsavers (UK) mit Mark Lanegan und Scouting For Girls (UK), siegte bei der 7. Radio Fritz Nacht der Talente im ausverkauften Berliner Admiralspalast und war MySpace Featured Artist. Als Sieger des Köstritzer Echolot 2010 folgte als erste Band überhaupt der Auftritt auf der ECHO- Aftershowparty. „Gerade live ist für uns extrem wichtig. Wir brauchen dieses Unmittelbare, den direkten Kontakt. Auf der Bühne muss es von der ersten Sekunde an brennen. Wir spielen uns und das Publikum dann in einen Rausch.“ bringt es die Band auf den Punkt. Anfang 2011 landete der Song Heal The Knives auf der Heft- CD des Rolling Stone und der Song Nescience wurde im ZDF- Samstagabend- Krimi „Der Stolz der Familie“ gefeatured und landete in der Folge in den Top 100 der iTunes- Alternativecharts.

Angetrieben von den eigenen hohen Ansprüchen ging die Band in der Zwischenzeit immer wieder ins Studio, feilte gemeinsam an Ideen, verwarf ganze Songs, formte und verwirklichte in ungezählten Stunden die eigenen Soundvorstellungen zu einem schlüssigen Gesamtbild. „Unser Ziel war es, ein Album zu machen, das in sich all das vereint, was für uns Leyan ausmacht. Mit starken Songs, die einen sofort mitreißen, bei denen man aber auch immer wieder neue Facetten entdecken kann“ so die Band. Produziert wurde das Album wie auch schon die beiden vorangegangenen EP’s von Jürgen Ecke, dem Mitbegründer und Mentor der Band, der mit seinen Ideen und zusätzlichen Arrangements wie beispielsweise den Streichern in Songs wie Nescience oder With Bated Breath den musikalischen Kosmos weiter bereicherte und es verstand, den mitunter komplexen Songstrukturen den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben.

Zur musikalischen Tiefe gesellt sich die Vielschichtigkeit der Texte. Momentaufnahmen von Gefühls- und Spannungszuständen, die jenes komplizierte Ding, welches wir als das Leben bezeichnen, spiegeln. So geht Heal The Knives auf eine Anekdote des Künstlers Joseph Beuys zurück, der sich eines Tages mit einem Messer schnitt, aber anstatt die Wunde, das Messer selbst verband. Lowdown hingegen beruht auf George Orwell’s Utopie „1984“.

Es kennt wohl jeder das Gefühl der Ohnmacht, dass einen überfällt, wenn die Welt, die man glaubt sicheren Schrittes durchmessen zu können, wieder einmal auf den Kopf gestellt wird oder man als vermeintlich kleines Bruchstück vom großen Ganzen, hin und her geschoben wird. Und so tänzelt man durchs Leben, wird durcheinandergewirbelt auf der Suche nach einem festen Halt. Wir alle – „Dancing Sculptures“.

Aber noch längst kein Grund Trübsal zu blasen oder sich dem Lauf der Dinge zu ergeben. So ist bei aller Nachdenklichkeit doch stets das Hauptanliegen in Songs wie Promises oder With Bated Breath, Hoffnung, Aufbruch und Befreiung zu artikulieren. Wir haben es selbst in der Hand. Nicht zuletzt endet das Album dann auch mit New Again und den optimistischen Zeilen „A grand era is about to begin. Why fear the end?“. Alles verändert sich. Immer. Sicher eine alte Wahrheit. Aber warum nicht einmal mit Hingabe in seine Einzelteile zerfallen und neu erschaffen? Die Zukunft ist doch voller Versprechen…

Band-Website

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren