„Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ als Serie in ARD-Mediathek

Paul VerhobenPaul Verhoben | 08.03.2022, 17:00 Uhr
Die Toten Hosen in Ost-Berlin
Die Toten Hosen in Ost-Berlin

© SWR/JKP

Kurz nach ihrer Gründung an Ostern 1982 führte die westdeutsche Punk-Band „Die Toten Hosen“ die Stasi an der Nase herum: Die Musiker Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Trini geben ein Geheimkonzert in einer Kirche, mitten in der damaligen DDR.

Die Toten Hosen feiern 2022 ihr 40. Band-Jubiläum. Schon kurz nach ihrer Gründung an Ostern 1982 führten die westdeutschen Punk-Helden die Stasi an der Nase herum und gaben der ostdeutschen Jugendkultur einen entscheidenden Impuls.

Miniserie in der ARD-Mediathek

In ihrem grellbunten Tourbus machten sich die Toten Hosen auf in Richtung Ost-Berlin, im Gepäck das richtige Maß an jugendlichem Leichtsinn und Abenteuerlust. Die wilde Kombo aus dem Westen witterte die Chance, gemeinsam mit den Ost-Punks jenseits der Mauer ein Statement gegen das System zu setzen. Und so spielten die Musiker Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Trini ein heute legendäres Geheimkonzert in einer Kirche, mitten in der damaligen DDR.

„Eine Mischung aus Angst, Abenteuerlust und das Spüren einer revolutionären Kraft“.
(Campino)

Die Toten Hosen in Ost-Berlin

© SWR/ECO Media TV/ Carolin Ubl

In „Auswärtsspiel – Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ von Martin Groß wird dieses einzigartige Ereignis nun zum ersten Mal umfassend erzählt. Mit entdeckendem dokumentarischem Blick folgt der Film bisher vergessenen Hinweisen, spürt unmittelbar Beteiligte auf und fördert ungewöhnliche Momente zu Tage.

Die ARD zeigt die 75-minütige Doku: „Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ am 13. April 2022 um 22.50 Uhr. Schon ab 10. April 2022 ist die Doku als dreiteilige Serie für 90 Tage in der ARD Mediathek zu finden.

Geheimkonzert unterm Kirchendach

In „Auswärtsspiel – Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ wird die kaum bekannte Geschichte dieser unglaublichen Reise nun zum ersten Mal umfassend erzählt. Mit entdeckendem dokumentarischem Blick folgt der Film bisher vergessenen Hinweisen, spürt unmittelbar Beteiligte auf und fördert ungewöhnliche Momente zu Tage. Punk ist damals in beiden deutschen Staaten ein neues Phänomen. In der DDR gründet sich die Band „Planlos“ um Sänger Michael „Pankow“ Boehlke und Schlagzeuger Bernd Michael Lade, der wesentlich später Karriere als ARD-Tatort-Kommissar machen sollte.

„Das war so ne Art Untergrundpfadfindertum, was ich mein Leben lang geil fand.“
(Campino)

Ein Auftritt mit staatlicher Genehmigung ist unmöglich und wäre für die Punks auch keine Option. Ebenso wenig wie für die Toten Hosen, die im Westen schon erste Bekanntheit genießen, als sie von der Möglichkeit erfahren, in Ost-Berlin mit „Planlos“ illegal aufzutreten. Ein Geheimkonzert, getarnt als „kirchliche Veranstaltung mit musikalischer Untermalung“ – der gemeinsame Auftritt wird für die Punkszene im Osten zu einem wichtigen motivierenden Zeichen der Solidarität. Doch wie sollen die Toten Hosen über die Grenze kommen, was ist mit ihren Instrumenten? Das Risiko ist hoch, vor allem für die Punks in der DDR. Denn die Stasi hat sie längst im Visier …

Zeitreise mit den Toten Hosen

Die Toten Hosen erinnern sich noch heute lebhaft an die verdeckte Einreise unter falscher Flagge und begeben sich für den Film noch einmal auf denselben Weg wie damals. Nach 40 Jahren treffen sie so erstmals wieder auf die Mitglieder von „Planlos“, die nach dem Konzert von der Stasi verfolgt und drangsaliert worden waren.

„Es war eine heiße Nummer. Die hätten dafür in den Knast wandern können.“
(Silke „Cat“ Klug, Ost-Punkerin)

Die Dokumentation macht den verwegenen Trip in die DDR neu erlebbar: Exklusive Interviews, seltene Archivaufnahmen und emotionale Begegnungen zeigen, wie sich Punks in Ost und West gegen die Diktatur verbündeten und wie die Stasi versuchte, die Bewegung zu unterwandern. Fast so lange wie die Hosen Rocklegenden sind, ist die DDR nun schon Geschichte. Ihr „Auswärtsspiel“ in der DDR war ein deutsch-deutsches Abenteuer, das eine ewig aktuelle Frage stellt: Anpassen oder aufbegehren?

Übrigens: Am 25. März erscheint die neuen Hosen-Single „Scheiss weiss“.