Sonntag, 22. April 2018 14:33 Uhr

Avicii: „Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf“

„Wake Me Up“, „Levels“ oder „Hey Brother“: Seine Hits laufen in vielen Radiosendern rauf und runter. Am Freitag ist der schwedische Musiker Avicii gestorben – mit gerade einmal 28 Jahren. Zum Stand der Dinge.

Avicii: "Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf"

Foto: WENN.com

Tim Bergling, wie Avicii mit bürgerlichem Namen hieß, war am Freitag in einem Hotelresort in Maskat, der Hauptstadt des Oman, tot aufgefunden worden. Avicii hielt sich der Zeitung „Times of Oman“ in der omanischen Hauptstadt Maskat mit Freunden in einem Fünf-Sterne-Hotel auf (siehe Video ganz unten). Die Polizei in dem arabischen Staat geht laut einem Bericht des schwedischen Rundfunksenders SVT nicht von einer Straftat aus. „Wir haben alle Informationen, wir wissen, was geschah, aber wir werden es nicht an die Öffentlichkeit geben“, wurde ein Polizeisprecher am Samstag von SVT zitiert. Er ergänzte, dass nicht nach Verdächtigen gesucht werde.

„Er war ein so liebenswerter Kerl“

Avicii galt als einer der erfolgreichsten „Musikmixer“ der Elektropop-Nranche. 2011 trat er mit seiner Single „Levels“ ins Rampenlicht. Er arbeitete mit Chris Martin (Coldplay), Jon Bon Jovi, Robbie Williams und Madonna zusammen. Das britische „DJ Magazine“ kürte ihn 2012 und 2013 zum drittbesten Discjockey der Welt. Auf der Top-100-Liste war er 2017 noch auf Platz 28. 2013 hatte er mit „Wake me Up“ einen Sommerhit gelandet. Es ist laut GfK der Song mit den zweitmeisten Downloads überhaupt in Deutschland – hinter Schlagersängerin Helene Fischer, die mit ihrem Hit „Atemlos durch die Nacht“ den Download-Rekord in Deutschland hält.

Avicii: "Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf"

Foto: Universal Music

Ein nicht namentlich genannter Veranstalter, der zuletzt 2015 eine Show mit Avicii organisierte, rechnete mit der Szene bei ‚Bild.de‘ ab: „Die Elektro-Szene hat Avicii auf dem Gewissen. Dieses Business geht über Leichen.“ (…) „Er war ein so liebenswerter Kerl, der nie Nein sagen konnte. Das wurde ihm irgendwann zum Verhängnis. Seine Entourage hat nur die Dollar-Zeichen in den Augen gehabt – und nicht seine Gesundheit.“

Avicii habe über 700 Shows in drei Jahren gespielt, „manchmal zwei bis drei Shows am Tag“ (…) „Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf. Teilweise mit Krücken. Einmal hab ich erlebt, wie er auf die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes gekrochen ist.“

Große Trauer-Party in Stockholm

In der Stockholmer Innenstadt versammelten sich am Samstag Hunderte Fans auf einem zentralen Platz, um an Avicii zu einnern. Nach einer Schweigeminute tanzten Menschen zu seiner Musik. Discos und Nachtclubs hatte schon in der Nacht zu Samstag um Mitternacht eine Schweigeminute eingelegt. „Wir wollten Tim ehren, er hat unsere Tanzflächen jahrelang mit Musik versorgt“, zitierte die Zeitung „Aftonbladet“ den Nachtclubbesitzer Robert Hållstrand.

Der schwedische Prinz Carl Philip und seine Frau, Prinzessin Sofia, erklärten: „Er machte unsere Hochzeit mit seiner fantastischen Musik unvergesslich.“ Avicii hatte auf der Hochzeitsparty im Juni 2015 gespielt. Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven postete auf Instagram: „Er war einer von Schwedens größten Musikern der heutigen Zeit.“

Zahlreiche Kollegen und Weggefährten äußerten sich nach der Nachricht vom Tod des 28-Jährigen bestürzt. „So traurig… So tragisch. Auf Wiedersehen lieber, bezaubernder Tim“, schrieb Superstar Madonna. Der aus Norddeutschland stammende DJ Felix Jaehn („Cheerleader“) schrieb, er wäre ohne Avicii nicht dort, wo er jetzt sei. Dessen Lied „Levels“ von 2011 habe ihn dazu gebracht, seine eigene Musik zu machen.

Rückzug von der Bühne

Mit großem Bedauern reagierten seine Fans dann 2016 auf Aviciis Ankündigung, sich von der Bühne zurückziehen zu wollen. „Ich habe großes Interesse für verschiedene Dinge, aber zu wenig Zeit, dem nachzugehen“, hatte er damals erklärt. Dem Musikgeschäft blieb er jedoch erhalten. Auf seiner Homepage ist ein früheres Statement zu lesen, in dem es heißt, er trete zwar nicht mehr live auf – aber: „Das Live-Ende bedeutete nie das Ende von Avicii oder meiner Musik. Stattdessen ging ich zurück zu dem Ort, an dem alles einen Sinn ergab – das Studio.“

Erst vor wenigen Tagen hatte er bei Facebook geschrieben, er fühle sich geehrt, für die Billboard Music Awards 2018 nominiert zu sein. Auf keinen Fall solle man die Show im Mai verpassen. Tausende Fans kommentierten diesen letzten Facebook-Eintrag und zeigten ihre Trauer. Seit 1990 werden die Billboard Music Awards jährlich von dem gleichnamigen US-Fachmagazin verliehen, sie basieren größtenteils auf Chartplatzierungen.

Urlaub im Oman

Der Oman auf der arabischen Halbinsel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund seiner Ölvorkommen zu einem modernen Land entwickelt. Die medizinische Infrastruktur gilt als gut. Urlauber aus Europa zieht es eher selten in das durch Wüste und zerklüftete Berge geprägte Land. Oft sind es Kreuzfahrtouristen, die Küstenstädte wie Maskat oder Salalah für Tagesausflüge besuchen. Auf dem Programm stehen dann meist Wüsten- oder Gebirgstouren.

Der Oman ist einer der heißesten Orte der Welt. Im Sommer können die Temperaturen auf um die 50 Grad steigen. Im Frühling liegen sie normalerweise bei deutlich über 30 Grad. Alle Fahrzeuge und Gebäude im Land sind deshalb vollklimatisiert, was zu großen Temperatursprüngen gerade im Sommer führt. (Theresa Münch und Michael Kieffer, dpa mit KT)

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