25.02.2019 18:51 Uhr

Blinker: Dieser Typ singt vom Rippen brechen

Foto: Valentin Ammon

Da ist sie, die toxische Liebe, die sich in Blinkers Song „Rippen brechen“ ein bisschen wie ein schwerer Rotwein anfühlt. Schmeckt schon sehr gut, aber macht einen irgendwie diesig. Es wird festgehalten und gekämpft, dabei spricht man nicht mal mehr dieselbe Sprache – liebt so sehr, aber gnadenlos aneinander vorbei.

Blinker: Dieser Typ singt vom Rippen brechen

Foto: Valentin Ammon

„Ich will Lippen küssen, um die Funken zu spüren / Du musst Rippen brechen, um mein Herz zu berühren“, bringt Blinker mit einsetzendem Chor in der Hook auf den Punkt.

Der eine will zarte Leidenschaft, der andere muss fast invasiv an offenen Herzen spielen. „Herr Ober, eine Herzmassage“, singt er ernüchtert und doch subtil verzweifelt. Mit Nachdruck zieht sich der Bass durch den Song und Blinkers Stimme doppelt nachdrücklich die Spur der Gitarre. Jeder wird sich in der Single wohl wiederfinden oder kennt genau das jemand etwa nicht: „Wir stoßen an, an unserem letzten Tag“?

Man sollte sich trauen, den Mund aufzumachen. Sollte Fragen stellen, kritisch sein und wach. Das tut er in all seiner erzählerischen Verdichtung definitiv – man darf vorstellen: Blinker. Er tut, was seinen eigenen Puls zum Wallen bringt, statt sich irgendwem stillschweigend anzubiedern.

Ein etwas anderer Lovesong

Der Musiker hat riskiert und hängt da jetzt ziemlich tief drin, wie er selbst sagt. Gut so, denn das bedeutet auch ein Batzen an überzeugender Echtheit. Blinker, der meint es ernst. Genau das lässt sich auf seiner kommenden EP „Blicke“ nachhören. Seine Mitmenschen und sich selbst beobachtend, will er uns darauf mit seinem organischen Indie-Pop-Sound sagen: „Überlegt, was euch wirklich glücklich macht!“ Und spricht da auch von sich.

Blinker: Dieser Typ singt vom Rippen brechen

Foto: Valentin Ammon

Blinker nämlich hat sich rausgeschält aus dem, was ihn hätte zum Juristen machen sollen. Das Studium gegen die Musik eingetauscht, weil er nicht anderen, sondern sich selbst gefallen wollte.

Nur war da zu viel Gegenwind. In seiner Familie wird man irgendwas „Anständiges“, kein Künstler. Blinker spielte lieber Schlagzeug und E-Gitarre. Er schrieb Songs, hatte Bands und ist nun seit diesem Jahr solo. Da klatscht die Familie dann auch schon mal, sagt der Musiker, doch Erfolge mit Urkunde sind für ihn nicht die wahrhaftigen.