Carolin Kebekus: Girl-Power-Festival ohne Quotenjungs

Mareile MorawietzMareile Morawietz | 24.11.2021, 15:35 Uhr
Carolin Kebekus: Girl-Power-Festival ohne Quotenjungs
Carolin Kebekus: Girl-Power-Festival ohne Quotenjungs

Foto: IMAGO/ Future Image

Das erste Musikfestival auf dem es nur weibliche Acts gibt: das plant Comedienne Carolin Kebekus für den Sommer 2022 in Köln, damit Frauen in der Musikindustrie endlich sichtbarer werden.

In der Comedy-Szene hat Carolin Kebekus Karriere gemacht, obwohl sie eine Frau ist. Das klingt total gestrig, ist es aber leider noch nicht. Die Gleichberechtigung im Showbiz ist noch immer so wenig selbstverständlich wie in fast allen anderen Branchen. Kebekus ist eine der wenigen, die das ändern wollen und ändern können.

Es gibt zahlreiche gute Musikerinnen

Die Feministin hat genug von dem „Es kann nur eine geben“-Prinzip, nach dem angeblich eine Frau in der Führungsspitze, in der Politik oder auf der Bühne ausreichend sei. Kebekus dreht den Spieß nun um und organisiert im nächsten Jahr ein Musikfestival, in dem alle Top-Acts weiblich besetzt sind. Fest stehen jetzt wohl schon Lea, Annie Chops, Luna und Mine. Auch die No Angels sollen auftreten.

Mit der Programm-Ankündigung macht Kebekus klar, dass die Ausrede, es würde nicht genug weibliche Bands geben, nicht mehr gelten darf. „Denn es gibt sie, man muss ihnen nur Platz geben!“ Diese Frauen auf der Bühne dienen als Vorbilder. „Mädchen sollen wissen, dass auch sie Rockstars sein können“, betont Carolin Kebekus.

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Zustände wie vor 200 Jahren

Entstanden ist die Idee, als sie sich für ihre „Carolin Kebekus Show“ dem Thema „Frauen in der Musikindustrie“ widmete. Da fand sie, dass eine der Ursachen für die mangelnde Präsenz von Frauen auf der Bühne im 19. Jahrhundert zu finden sei: „Damals schickte es sich für Frauen nicht, Geld zu verdienen. Deshalb mussten sie ihre Kompositionen unter dem Namen von Männern veröffentlichen.“

Deshalb gab es offiziell nur männliche Komponisten. „Bis heute zieht sich dieses Ungleichgewicht durch alle Orchester und Popformationen. Denn oft sitzen an allen entscheidenden Positionen eben Männer“, führt Kebekus aus. Und es stimmt, auf Konzertplakaten, Preisverleihungen, in Clubs und im Radio sind die weiblichen Acts deutlich unterbesetzt.

Es gibt keine Männergenres

So sollte sich ein bekanntes Festival mit vier Prozent-Frauenanteil nach der Kebekus-Recherche doch besser in „Kein Rock am Ring“ umtaufen lassen: „Hier hat das Bier mehr Prozente als die Frauen.“ Die Sprüche ihrer Kritiker hat Carolin natürlich auch besser drauf als die Motzer selbst. So seien Argumente wie „Rock ist doch so ein Männergenre…, da brauchst du mehr Eier als für ein Omelette“ gar keine.

„Entweder Du bist die eine, die Schöne, die Auserwählte, oder Du findest nicht statt“, schreibt Kebekus auch in ihrem neuen Buch, das sich gewohnt unterhaltsam und messerscharf seziert dem ungerechten Ist-Zustand widmet. Der Titel ist naheliegend: „Es kann nur eine geben“. Aufgefallen ist ihr das schon als Kind, denn auch bei den Schlümpfen gibt es einen Haufen Jungs mit den unterschiedlichsten Charakteren und ein Mädchen, das verdammt gut aussieht.

Gemeinsames Feiern für gleiche Rechte

„Weil Musikerinnen auf Festivals ungefähr so präsent sind wie Managerinnen in DAX-Vorständen, spielen bei uns nur weibliche Acts“, erklärt Kebekus auf Instagram, aber vielleicht gibt sie ja einem Quotentypen noch eine Chance. Als Gäste sind Kerle in jedem Fall willkommen, es geht ja darum, die Welt gemeinsam zu verändern. Das DCKS Festival (Kürzel für „Die Carolin Kebekus Show“ ) soll am 6. Juni 2022 am Kölner Tanzbrunnen rocken. Der Vorverkauf beginnt am 25. November 2021.