Sonntag, 31. März 2019 22:04 Uhr

Chefboss über Michael Jackson, Feminismus und Sachen im Po

Mit Chefboss gehen zwei Frauen an den Start, die mit ihrem einzigartigen Sound und ihrer Power das Musik-Biz ganz schön aufmischen. Seit 2014 ist das Duo schon am Start und dabei zeigen sie eindrucksvoll, dass Arbeitsteilung innerhalb einer Crew auch von der Norm abweichen kann, aber trotzdem funktioniert. Während Alice für die Raps zuständig ist, sorgt Maike für die passenden Moves. Mit Klatsch-tratsch.de haben die sympathischen Nordlichter über Vorurteile, Voguing und innere Konflikte gesprochen.

Chefboss über Michael Jackson, Feminismus und Sachen im Po

Foto: Frank Egel

Wie kam es zu der überraschenden Zusammenarbeit mit Bosse für euren gemeinsamen Song „Kein Geld der Welt” ?
Maike: Wir haben uns auf dem Helene Beach Festival kennengelernt und haben uns direkt gut verstanden. Wir haben uns danach oft getroffen und ich habe dann auch in seinem Video zu „Alles ist jetzt” mitgetanzt. Einmal haben wir uns dann auch im Studio getroffen und dann ist das so entstanden. Also eigentlich alles ein bisschen aus Zufall.

Was würdet ihr für kein Geld der Welt machen?
Alice: Mir irgendwas in den Po schieben und Werbung für Nazis machen.

Momentan kann man von einem Voguing-Trend in Deutschland sprechen. Ihr habt das ja eigentlich schon vor dem Trend in euren Videos und Bühnenshows gemacht. Wie steht ihr jetzt zu diesem Hype?
Alice: Man freut sich  schon. Auf der anderen Seite ist es schon irgendwie kritisch, wenn so was „Mainstream” wird und sogar Discounter Voguing für ihre Werbung nutzen.
Maike: Das Gute beim Voguing-Trend ist, dass ich das Gefühl habe, dass die Leute, die das machen, das alles sehr ernst nehmen und den Hintergrund auch miteinbeziehen. Das ist nicht so plakativ und das finde ich schon gut.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr durch eure Videos und Live-Performances den Voguing-Trend in Deutschland vorangetrieben habt?
Alice: Vielleicht, also könnte sein. Da hast du schon irgendwie recht. Es lässt sich irgendwie schwer sagen.
Maike: Da kommt natürlich auch viel zusammen.
Alice: Aber, dass wir den Trend auf deutsche Bühnen gebracht haben, das stimmt schon.
Maike: Ja, das machen nicht so viele.

Habt ihr die Netflix-Serie „Pose” verfolgt?
Maike: Ich habe die Serie noch nicht fertig geguckt, aber das wird nach der Tour noch gemacht.
Alice: Dass es diese Serie „Pose” gibt, ist schon echt geil. Voll viele Leute, die das eben nur so aus den Werbungen kennen und sich diese Serie dann ansehen, beschäftigen sich dann damit. Sie erfahren was hinter Voguing steckt und was das bedeutet. Es ist schon cool, dass so eine Serie noch mal den Hintergrund zu so einem Trend liefert.
Maike: Die Serie weckt bei dem einen oder anderen dann vielleicht auch Interesse daran.

R. Kelly, Bill Cosby, Michael Jackson … Kann man Werk und Künstler trennen?
Alice: Das ist eine schwere Frage. Ich habe sehr viel darüber nachgedacht und habe versucht das in Relation zu setzen. Es gibt bestimmte Menschen, wie auch beispielsweise Roman Polanski, die haben so einen „Übermenschen-Status”, wie den auch Michael Jackson und einige andere hatten. Dadurch ist es sehr schwierig, für die Menschen, das zu trennen. Wir sind mit Michael Jackson aufgewachsen, er hat quasi das „Musikentertainment”, wie es jetzt ist, erfunden. Er hat die Basis gelegt, für alle, die danach kamen: Bruno Mars, Justin Timberlake und Co. Das war alles Michael Jackson. Bei R. Kelly bin ich schon eher so, dass ich mir die Musik nicht anhöre, weil er davon noch profitieren würde. Michael Jackson ist ja schon tot. Ob das jetzt etwas nützt … Ich weiß es nicht. Es ist unglaublich schwierig, aber wie gesagt, ich habe für mich entschieden, kein R.Kelly mehr zu hören und keine Filme mehr von Roman Polanski zu gucken. Ich vermeide das, weil ich denke, dass die Leute davon noch profitieren könnten. Andererseits finde ich auch, dass man ihnen das, was sie in dem einen Bereich geschafft haben, auch nicht absprechen kann. Es ist nun mal so: Michael Jackson hat das gemacht, R.Kelly hat das gemacht, was er gemacht hat – auf musikalischer Ebene.

Quelle: instagram.com

Ihr werdet oft als Feministinnen deklariert, findet ihr das nervig, dass ihr diesen Stempel aufgedrückt bekommt?
Alice: Nee, es ist nicht nervig. Es kommt aber manchmal vor, dass sich Leute – bis auf unsere Bilder- gar nicht angesehen haben, was wir machen und uns dann als „Powerfrauen” und „Feministinnen” bezeichnen. Das ist dann komisch. Das kam schon ein paar Mal vor. Wir haben uns sehr lange eigentlich gar nicht als solches gesehen, weil das für uns ganz normal ist. Man zieht einfach sein Ding durch, egal ob man Frau oder Mann ist. Mit der Zeit  haben wir dann gemerkt, dass wir damit Menschen erreichen, da ist dann irgendwann der Groschen gefallen. Man könnte auf einmal Verantwortung haben und würde die zwischendurch auch gerne annehmen. Es kommt auf den Kontext an. Aber pauschal mag ich diese Stempel alle eh nicht.

Was war euer freakigstes Live-Erlebnis?
Maike: Also ein Fauxpas war auf jeden Fall, dass mir meine Hose auf der Bühne unten aufgerissen ist, das war schon ein bisschen unangenehm.
Alice: einmal ging während unserer Show der Feueralarm los. Eigentlich kommen wir bei jeder Show in so einen komischen Modus, auch allein schon, weil man sich körperlich so anstrengt. Da kommt man irgendwie in so einen Wahn.

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