Samstag, 13. November 2010 11:53 Uhr

Christian Durstewitz startet durch: „Ich bin anscheinend begabt“

Berlin. Spätestens nach seinem Erfolg als Drittplatzierter bei „Unser Star für Oslo“ war für den gebürtigen Hessen Christian Durstewitz (21) endgültig klar, wo sein Weg ihn hinführen sollte:  zum ersten eigenen Album! Die von Christian in seinem Homestudio produzierten Songs sind ausnahmslos Eigenkompositionen und demonstrieren genau jene musikalische Bandbreite, die ihn schon als Teenager befähigte in Bands gegensätzlichster Genres zu spielen, ohne darin einen Widerspruch zu sehen.

Auf „Let Me Sing“ treffen dynamische Elektro-Sounds auf lupenreinen Pop, hardrockende Gitarren auf herzzerreißende Balladen, Disney-Chöre auf Tarantino-Soundtracks, und das alles montiert auf das Fundament einer State of the Art-R’n’B-Produktion, die in den Studios des erfolgsverwöhnten Valicon-Teams (u. a. Silbermond) ihren Feinschliff erhielt.

Mit der Single „Stalker“ und seinem Album „Let Me Sing“ beweist Christian Durstewitz endgültig, was ihn schon bei „Unser Star für Oslo“ zum heimlichen Favoriten machte: Christian mag ein charmanter, eigenwilliger Typ sein, dem schon allein deshalb die Herzen zufliegen, aber eben einer, dessen Talent diesen Exotenbonus ebenso wenig benötigt, wie jegliche Anbiederung an Schubladen oder Zielgruppen.

klatsch-tratsch.de traf Christian in Berlin zum Gespräch.

Christian, bist du bei Auftritten und Interviews aufgeregt?
Je nach dem. Wenn ich vorher weiß, was auf mich zukommt, dann nicht, weil ich die Bühne und mein Programm kenne. Bei meinem ersten Studioauftritt bei „UNSER STAR FÜR OSLO“ war ich aufgeregt, da habe ich auch zum ersten Mal Lena getroffen. Beim zweiten Mal ging es, denn wir hatten viele Proben. Ich bin eigentlich eine Rampensau. Auf der Bühne fühle ich mich wohl und sicher. Wenn ich nicht weiß was auf mich zukommt, dann bin ich aufgeregt. Wenn der Moderator mit mir spontan Spielchen macht zum Beispiel. Ich stehe gern vor der Kamera und auf der Bühne, vor allem wenn ich machen darf, was ich möchte.

Vor einem Monat kam STALKER raus. Am 22. Oktober wurde dein Debütalbum LET ME SING veröffentlicht. Du bist der Songwriter und Komponist. Bleibt da noch genug Arbeit für die Profis an deiner Seite?
Ich habe auch das Drehbuch entworfen, obwohl es keinen Text hat. Im kreativen Bereich bin ich anscheinend begabt. Das ist mein Metier. Da fühle ich mich sicher. In der Schule musste ich mich anstrengen und pauken. Es ist toll, dass ich jetzt diesen Job habe, denn da kann ich mich voll ausleben. Meine Gabe ist halt einseitig, aber gleichzeitig auch weit gefächert.

STALKER erzählt eine Geschichte aus der Sicht eines Stalkers. Wie kommt man denn auf so eine Idee?
Ich habe den Song geschrieben in der Zeit von UNSER STAR FÜR OSLO. Ich komme ja aus einem kleinen Dorf wo jeder jeden kennt. Dann kommst du in eine große Stadt und bist in einer Fernsehsendung und weißt gar nicht, wie viele Leute das gucken. Am nächsten Tag gehst du durch Köln und wirst an jeder Ecke angesprochen. Das ist kurios. So kam ich auf die Idee, einen Song zu schreiben aus der Sicht eines Stalkers, der gar nicht merkt, dass er so verrückt ist. Die Überlegung war: Wenn bei den Mädchen die Sicherungen durchbrennen und sie losrennen und sich nicht mehr unter Kontrolle haben, wie ist das eigentlich, wenn du durchgedreht bist. Ich habe das auf die Spitze getrieben und dabei kam STALKER raus. 50 Prozent meiner Texte sind tiefgründig und beschäftigen sich mit meinen Gefühlslagen. Eigentlich bin ich ein kleiner Egoist und schreibe meistens nur für mich. Die anderen 50 Prozent meiner Texte sind Humor und Ironie.

Du stalkst einen weiblichen Fan. Wer ist die hübsche Frau im Musikvideo?
Ich habe sie am Drehtag kennengelernt. Es war ein ganz normales Casting. Die Mädchen mussten die Szene spielen: Sie ist gefesselt an einen Stuhl, ich tanze wie irre um sie herum. Monique hat es am besten gemacht, ihre Augen sind groß und hübsch, sie hat aber auch viel Angst ausgestrahlt. Das war wichtig für das Video. Da fiel uns die Wahl nicht schwer. Das ging relativ schnell.

Das Musikvideo wurde in den unheimlichen Ruinenlandschaft der Beelitzer heilstätten bei Berlin in einer alten Klinik gedreht.
Ja, hauptsächlich. Ein paar Sachen wurden auch in Berlin auf der Straße gedreht. In dem alten Gemäuer in Beelitz konnten wir richtig Krach machen. Ich bin ein großer Fan von solchen Sachen, denn ich habe früher schon viele Videos gedreht. Ich wollte eigentlich Film und Fernsehen studieren. Es war toll, die Musik und den Dreh miteinander zu verbinden. Ich blühe bei so was richtig auf. Ich mag auch gruselige Orte.

In Börnicke vor Berlin gibt es ein altes Schloss. Vielleicht ist das was für dich?
Ich habe den Kopf voller Ideen. Ich will aber nicht nur Psycho machen. Das nächste Musikvideo wird bestimmt etwas anderes.

Dein Lieblingsfest ist Halloween. Wo warst du dieses Jahr zu Halloween?
Leider konnte ich dieses Jahr nicht feiern. Ich war in Frankfurt bei einem Promo-Termin. In den letzten Jahren hatte ich Freunde bei mir, die ich halloweenmäßig geschminkt habe. Dann habe ich ihnen gesagt, was sie machen müssen. Ich war sozusagen der Chefzombie (lacht). Wir sind dann immer rein in die Schuhgeschäfte. Es hat Spaß gemacht, die Leute von hinten zu erschrecken. Meine Vorbilder waren die Freizeitparks. Das fand ich immer beeindruckend und spaßig. Ich selber bin ein kleiner Schisser. Es ist lustiger der Erschrecker zu sein. So was mache ich total gern.

Wohnst du jetzt in Berlin?
Nein, ich wohne noch zu Hause und da würde ich auch gern bleiben. Ich habe über einen Zweitwohnsitz nachgedacht, aber ich brauche meine Leute um mich herum. Es ist sehr anstrengend, denn ich fahre von zu Hause eine Stunde ehe ich überhaupt die Autobahn oder den Bahnhof erreiche. Ich reise gern. Auf meinem Dorf ist es richtig schön. Außerdem will ich nicht, dass in meinen Beruf ein Trott reinkommt.

Berlin hat einem 21jährigen doch jede Menge zu bieten. Braucht ein Künstler räumliche Weite?
Ich bin ja schon soviel unterwegs und draußen. Ich stehe manchmal morgens um vier auf und fliege nach München, abends fliege ich dann weiter nach Köln und habe da zwei TV-Auftritte. So ist man unterwegs in den größten Städten Deutschlands. Das geht manchmal zwei Wochen so. Wenn du dann mal zur Ruhe kommst, ist es schön, nach Hause zu kommen und Schafe vor der Haustür stehen zu haben. Dorf und Natur sind dann genau das Richtige für mich. Ich nehme mir dann die Zeit zu entspannen, denn ich weiß ja, in ein paar Tagen geht es wieder los. Wenn ich in Berlin leben würde, würde ich vermutlich oft mit Freunden um die Häuser ziehen. Die Zeit und die Kraft habe ich gar nicht. Denn ich brauche meine Energie, wenn ich zum Beispiel morgens um vier für das Frühstücksfernsehen singe.

Auf 1Live war zu hören, du brauchst ca. 10 min. um einen Song zu schreiben. Wie geht das? Hast du es eilig?
Man darf sich das nicht so vorstellen: Dursti setzt sich hin und schreibt einen Song. Zack ist er fertig. Es kommt ganz intuitiv bei mir. Ich sitze den ganzen Tag an Instrumenten, meistens Gitarre oder Klavier, und mache Musik. Es macht dann irgendwann klick und ich habe eine Akkordreihenfolge im Kopf. Es entsteht wie nebenbei. Würde ich mich hinsetzen wollen und mir sagen: Ich schreibe jetzt einen Song! – Das geht nicht, dann habe ich eine Schreibblockade. Es muss intuitiv rauskommen. Dann funktioniert es gut.

Vor deinem Casting bei Stefan Raab warst du weitestgehend in Eigenregie beim Musikmachen zugange. Jetzt hast du Universal, die weltgrößte Plattenfirma an deiner Seite. Was sind die Vor- und Nachteile?
Ich dachte, ich nehme 20 Songs auf, suche die 12 besten raus und mach ne Platte. Fertig. Aber es ist weit mehr, das hätte ich nicht gedacht. Das Tolle ist: Ich habe viele Ideen und sie haben mich immer machen lassen. Ich habe mich am Anfang durchgesetzt, weil ich sie durch Können überzeugt habe. Sie waren so begeistert von meinen Songs und meinen Ideen und haben gesagt: Die produzieren wir. Die Arbeit im Studio entsprach dem was ich wollte. Beim Fotoshooting konnten wir uns gut einigen und beim Videoclip auch. Sie haben mir freie Hand gelassen, das hätte ich nicht gedacht. Ich bin von unserer Zusammenarbeit begeistert. Besser könnte sie nicht sein.

Dadurch ist die ganze Sache auch authentisch.
Genau. Denn ich muss mich nicht verbiegen. Ich habe ein super Management, welches meine Wünsche sofort umsetzt. Es ist wie eine Familie und sehr vertraut. Einfach harmonisch.

Du sagst: Du bist kein typischer Casting-Fuzzi und optisch schon gar kein Schwiegermuttertyp. Wie würdest du dich skizzieren?
Ich bin Dursti. Ich kann nur sagen, was ich nicht bin. Es soll sich jeder sein eigenes Bild machen. Vielleicht bin ich auch der Schwiegermuttertyp! Wenn ich sehe, wer zu meinen Konzerten und Autogrammstunden kommt, dann sind das die Töchter mit ihren Müttern. Die Töchter sind immer recht zurückhaltend, aber die Mütter sind direkt und begeistert. Oft sind sie aufgedrehter als ihre Töchter. Das ist lustig.

Jetzt kam dein Album raus. Im Februar sind Konzerte angesagt. Was machst du bis dahin?
Ich bin auf Promotour. Es wird bestimmt auch noch weitere kleine Konzerte geben. Streetgigs. Als Newcomer muss man zeigen: Ich bin da! und präsent sein. Deshalb sitze ich nicht zu Hause, sondern mache Promotion. Außerdem komponiere ich. Das mache ich immer. Schaut immer mal wieder auf meine Seite, da steht, was so ansteht: christiandurstewitz.de.
Im Februar sind große Städte wie 10.02. Bochum,11.02. Köln,12.02. Mainz,13.02. Kassel,18.02. Bremenund 19.02. Hamburg angesagt. Ich liebe es auf kleineren Bühnen zu spielen, denn das ist viel romanischer und echter bei meiner Musik. Ich mag es nicht, fette Scheinwerfer im Gesicht zu haben, wo ich niemanden von den 2000 Leuten sehe. Es ist schön, wenn viele Besucher zu dir kommen, aber ich bin lieber der Künstler zum Anfassen. Ich mache ganz viel mit dem Publikum, binde es ein.

Vielen Dank und viel Erfolg! (Interview: Eva Magdon)

Fotos: Michael Mey

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