Donnerstag, 25. Oktober 2018 06:50 Uhr

Conchita Wurst über Ignoranz, Fitness und den 30. Geburtstag

Foto: WENN.com

Gerade überschlagen sich die Ereignisse um Conchita Wurst (29). Zuerst das HIV-Outing, ein großer Image-Wechsel – Conchita möchte nun als Mann gesehen werden – und ein neues Album mit einem ganzen Streichorchester. Grund für klatsch-tratsch.de bei Conchita aka Tom Neuwirth mal durchzuklingeln.

Conchita Wurst über Ignoranz, Fitness und den 30. Geburtstag

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Dein neues Album ist auf dem Markt …
Es ist der Wahnsinn, dass die Wiener Symphoniker zugesagt haben, das Album mit mir zusammen zu machen. Das ist eine unglaubliche Ehre. Ich kann es immer noch nicht glauben. Die Playlist ist von mir kreiert worden: Es sind größtenteils Songs, die mich schon mein ganzes Leben begleiten.

Da sind aber auch Songs, die ich noch nicht so lange kenne, die mein Herz schlagartig erobert haben. Es gibt einen Song, den habe ich sogar selbst geschrieben. Der heißt „Have I ever been in Love“ und darum dreht sich auch das ganze Album. Es handelt von der Liebe und darum zu lieben. Deswegen auch der klingende Titel „From Vienna with Love“ – denn am Ende des Tages ist Liebe alles, was zählt.

Du hast in einem Interview gesagt, dass du es irgendwann als unangenehm empfunden hast, als Frau wahrgenommen zu werden. Wie kam es zu dieser Wendung?
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung und nicht weniger oder mehr ist bei mir passiert. Da ich Conchita erfunden habe und vor Jahren beschlossen habe als Conchita aufzutreten, war mir auch klar, dass man einen Drag-Act auch sehr schnell nicht ernst nehmen kann.

Früher habe ich es nicht als unangenehm empfunden. Ich wollte sogar so gesehen werden, um dem was ich da für Ernsthaftigkeit zu verleihen. Nun habe ich mich aber verändert und das Leben geht weiter. Ich habe dazugelernt und sehr viele Dinge anders als früher.

Ich bin eben in eine maskulinere Richtung gegangen und würde es jetzt befremdlich finden, wenn man mich mit weiblichem Pronomen anspricht. Genauso wie ich es damals befremdlich empfunden habe, wenn man damals „er“ zu mir gesagt hat.

Quelle: instagram.com

Wofür steht Conchita jetzt nach der Verwandlung?
Am Ende des Tages ist es dieser Name, der wahnsinnig viel impliziert und für mich viel bedeutet. Es ist auch für mich ein Lernprozess gewesen, um zu verstehen, was Conchita in meinem Leben ist und wofür sie heute für mich steht. Für mich impliziert dieser Name einen Zug von meinem Charakter, der nach wie vor da ist. Beziehungsweise habe ich jetzt einem Teil meines Charakters ein Gesicht gegeben.

Wir alle sind mehr als das, was wir in der Arbeit von uns geben. Zu Hause sind wir ja auch ein Stück weit andere Menschen, wie wir es auf Arbeit sind und das ist bei mir nicht anders. Conchita ist nach wie vor hier und das, wofür sie gestanden hat.

Du bist super durchtrainiert. Wie oft bist du im Gym und was hörst du so dabei?
Ich versuche vier Mal in der Woche Sport zu treiben. Ich habe verstanden, was das für ein Benefit ist, wenn man seinen Körper unter Kontrolle hat und ihn spürt. Ich höre eigentlich kaum Musik beim Trainieren. Das klingt jetzt langweilig, aber ich bin dabei immer so konzentriert. Ich bin immer damit beschäftigt meine Wiederholungen zu zählen und ich bin ganz schlecht in Mathe. Deshalb braucht das schon meine ganze Konzentration. (lacht)

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Bei deinem neuen Look bekommt man mehr von deinen Tattoos zu sehen. Was ist das aktuellste?
Alle Tattoos, die ich habe, sind sehr alt und sehen auch schon so aus. Das aktuellste ist ein Symbol für meine Familie. Das ist an meinem linken Unterarm: Die Anfangsbuchstaben meiner Eltern, meines Bruders und von mir in einem Anagramm.

Wann kommt dein nächstes reguläres Album – ohne Streicher?
Ich stehe schon die ganze Zeit im Studio. Es soll im ersten Quartal nächsten Jahres erscheinen. Das wird dann ein eigenes Album mit komplett eigenen Songs. Darauf freue ich mich natürlich schon sehr.

Du wirst im Dezember 30. Dafür gibt es auf deiner Tour sogar eine eigene Celebration-Show. Hat dieser Geburtstag für dich eine besondere Bedeutung?
Das Ding mit meinem 30. Geburtstag ist wie folgt: Ich persönlich finde ja, dass ich jedes Jahr diesen Aufwand verdient habe, aber meine Freunde sehen das nicht so. (lacht) Deshalb liebe ich meinen 30. Geburtstag so sehr. Endlich sehen alle die Ernsthaftigkeit dieses besonderen Tages auch. (lacht) Somit ändert sich nicht viel bei mir außer, dass die Hysterie um diesen Tag mit allen geteilt wird.

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Hast du besondere Wünsche für deinen Ehrentag?
Nein, ich freue mich einfach, wenn alle kommen und wir gemeinsam eine gute Zeit haben. In diesen Zeiten arbeiten gerade alle viel und da ist es superschwer alle unter einen Hut zu bringen und da bedeutet einem Zeit mit allen umso mehr. Und ganz wichtig: An diesem Abend nicht an morgen denken.

Was ist dein bisher bemerkenswertestes Fan-Erlebnis?
Was ich immer sehr bemerkenswert finde, was mich aber auch gleichzeitig beschämt, ist die Tatsache, dass ich Fans habe, die aus Russland und Finnland anreisen und zu jedem Konzert kommen. Das ist für mich so unbegreiflich und ich bin so dankbar. Was das für Kosten sind und wie viel Zeit sie darin investieren. Ich weiß nicht, wie ich das verdient habe, aber es ist unglaublich schön.

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Könntest du dir vorstellen mehr TV zu machen? Beispielsweise in der Jury von DSDS mitzuwirken?
Ich liebe es Fernsehen zu machen. In der Jury zu sitzen habe ich auch schon probiert, aber da bin ich nicht wahnsinnig gut. Ich halte mich dafür nicht für ausreichend qualifiziert, um ehrlich zu sein. Shows, die mit Musik zu haben, finde ich prinzipiell toll. Wenn ich nicht in der Jury sitzen muss und darüber entscheiden muss, wer weiterkommt und wer nicht, dann finde ich es sogar noch besser. (lacht)

Wir leben in einem Zeitalter von Internet-Trollen und Hassreden. Wie gehst du mit dieser Negativität um?
Mit absoluter Ignoranz. (Lacht) Sie ist keine meiner besten Eigenschaften, aber sie kommt mir in dieser Sparte schon sehr gelegen. Ich beschäftige mich null damit. Ich wüsste es noch nicht mal, wenn ich einen Internet-Troll hätte. Dann ist der sehr einsam. (lacht)

Was ist die letzte Sache, die du mit deinem Handy fotografiert hast?
Bestimmt was zu essen. Lass mich gucken … (lacht) Ich habe mir letztens eine Doku über Hape Kerkeling angesehen und mein letztes Foto ist ein Screenshot von ihm, wie er mit 17 Jahren ausgesehen hat, weil ich die Frisur so toll fand. Er hatte einen Topfschnitt – ein bisschen wie Mireille Mathieu in blond. (lacht)

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